Die dänische Progressive-Metal-Band Vola meldet sich mit ihrem dritten Album Witness zurück und geht darauf die Entwicklung ihres Sounds konsequent weiter: Meshuggah-ähnliche Gitarrensounds treffen auf hymnische Keyboards und Gesangsmelodien wie bei Leprous.

Der Sound von Vola ließ sich einst beschreiben als „Meshuggah, aber mit cleanem Gesang“. Das war auf dem Debüt-Album Inmazes der Fall und noch stärker auf der EP davor, Monsters. Auf dem 2018er Album Applause of a Distant Crowd traten die Keyboards von Martin Werner deutlicher in den Mittelpunkt, aber der Sound, nicht zuletzt durch den Basssound von Nicolai Mogensen (den einige in Deutschland womöglich als Aushilfe von Agent Fresco auf deren letzten Deutschlandtour kennen) kreiert, blieb konstant. Das erzeugt eine super spannende Mischung. Der cleane Gesang von Sänger, Gitarrist und Produzent Asger Mygind gibt dem ganzen dazu eine Melodiösität, die in dieser Gesamtform Vola zu etwas sehr Besonderem machen.

Mit Witness ist nun das dritte Album erschienen. Der erste Song, den ich davon hören konnte war Head Mounted Sideways, ein Song, dessen Hauptriff einen einfach nur wegbläst. Dem steht der Opener Straight Lines entgegen, der zwar auch nicht super soft ist, aber durch die Keyboard-Hooks (okay, erst nach dem groovy Intro) einen ganz anderen Eindruck erweckt. Überhaupt, die ganze A-Seite des Albums ist gespickt mit sehr fetten Riffs zum Kopfnicken und Abfeiern – ob das bei dem Song These Black Claws auch für jede:n Hörer:in gilt ist allerdings zweifelhaft. Denn: Es gibt ein Rap-Feature des Rap-Duos Shamen. „Alarm! Alarm! Eine Metalband mit Rap-Feature in 2021!“ möchte man gleich rufen, denn unweigerlich musste ich beim Beginn des Songs an Korns Cameltosis denken – und irgendwie sind wir doch alle ganz froh, dass diese Zeit vorbei ist, oder? Nun ja, Vola machen es halt trotzdem. Und ich weiß nicht so recht, so richtig mies finde ich es gar nicht mal, weil Vola dann eben im Gegensatz zu Korn einen richtigen Sänger haben und das Riff dann doch wieder ziemlich nice ist – und der Rapper eine erfrischend andere Stimme hat, als ich erwartet hatte. Wäre aber trotzdem jetzt nicht der Song, den ich Leuten zeigen würde, um sie überzeugen, warum Vola eine gute Band sind (gerade für Leute, die z.B. die bereits erwähnten Leprous, Agent Fresco oder Haken mögen).

Der darauffolgende Song, Freak, offenbart dann noch eine weitere Seite von Vola, die sicherlich auch nicht jedem gefällt, nämlich eine gewisse Cheesiness, denn Freak ist einfach mal ein Pop-Song, samt Akustik-Gitarre, „uh-uh-uh“-Backings und Solo. Wenn man aber die Referenzbands Leprous oder Haken im Hinterkopf hat, dann sind diese, besonders Haken, auch nicht gerade frei von solchen Elementen. Zum Glück folgt darauf wieder der etwas härtere Vola-Sound und dann mit Future Bird einer der stärksten Songs des Albums. Hier zeigt sich, was Vola ausmacht: Gitarren-Wände mit Keyboard-Hooks, die einem im Kopf bleiben, die sich in einem klassischen Refrain zu entladen scheinen, dann aber ihren Höhepunkt in einem ziemlich geilen Outro finden. Der darauffolgende härtere Stone Leader Falling Down und das abschließende Inside Your Fur führen die Fäden des Albums zusammen und Vola schaffen es diesmal, anders als auf Applaus of a Distant Crowd, eine abschließende Dynamik zu kreieren, die auf Inmazes in Perfektion erreicht wurde.

Mit Witness haben Vola ein Album vorgelegt, mit dem sie sich berechtigt in die Reihe der skandinavischen Progressive-Metal-Bands einreihen, die es geschafft haben, ein eigenes Subgenre zu entwickeln. Leprous, Agent Fresco, Vola – nicht derselbe Sound, aber eine in Grundzügen ähnliche Idee (und nebenbei gesagt muss sich Vola-Drummer Adam Janzi auch nicht verstecken neben den Drummern der anderen Bands). Wer komplexeres Riffing mit Melodien mag, die/der sollte Vola hören, der/die sollte Witness hören – trotz zweier Songs, die nicht so richtig überzeugen wollen. Und wer erst mit Witness einsteigt und nur mal Reinhören will, dann bitte Head Mounted Sideways und Future Bird hören.

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