Schicksalsschläge und persönliche Verluste pflastern den Weg des aus der Kleinstadt Goshen, Indiana stammenden Multiinstrumentalisten, Songwriters und Produzenten Timothy Showalter, der mit seinem Musik-Projekt Strand of Oaks seit 2009 regelmäßig bemerkenswerte Alben zwischen Rock, Folk, Americana, Indie-Rock und Psychedelic-Rock abliefert.

Das Soundkonzept erinnert in so manchem Arrangement an den nur drei Jahre älteren Adam Granduciel und seine genreprägende Band The War on Drugs, die in diesem Jahr auch ein neues Album angekündigt haben.

Auf seinem achten Studio-Album In Heaven hat sich Showalter die großen Themen des Lebens zwischen Liebe, Verlust und Erleuchtung vorgenommen. Es ist ein vom ersten bis zum letzten Ton durchgehend packend und auf den Punkt produziertes Album, dass man angesichts der thematischen Dichte fast schon als Konzeptalbum bezeichnen könnte. Das elf Tracks starkes Album, dessen dichte Dramaturgie und straffe Spannungskurve die HörerInnen packt, gönnt sich keine Ausfälle und erzeugt tatsächlich vom ersten bis zum letzten Ton wunderbare Bilder, an die man noch lange zurückdenkt.

Timothy Showalter ist Profi genug sich für so eine solche Aufgabe mit genau den richtigen Künstlern zu umgeben, die ihn in dem Entstehungs-Prozess tatkräftig unterstützen. Zu nennen sind dabei insbesondere Freund, Schlagzeuger und Produzent Kevin Ratterman mit dem Showalter das Album im Oktober 2020 bei Invisible Creature in Los Angeles aufnahm, Carl Broemel (My Morning Jacket) an den Gitarren, Keyboarder Bo Koster (My Morning Jacket, Roger Waters), Bassist Cedric LeMoyne (Alanis Morrissette, Remy Zero) sowie Scott Moore an der Violine und Smashing Pumpkins-Gitarrist James Iha der als Gast bei Easter in die Saiten greift.

Im ersten Album seit Showalters Umzug nach Austin, Texas, verarbeitet er seine Trauer und die neu gefundene Nüchternheit nach seiner Abkehr vom Alkohol und manifestiert dies in mystischen Songs, die eine Weite und Offenheit ausstrahlen, die nicht alleine im Verlust, sondern auch in der Freude, dem Feiern und der neu gefundenen Stärke wurzelt. Das ist ganz großes Kino für die Ohren und macht richtig Freude. Und Showalter ist sich nicht zu schade auch mal bei anderen Musikern zu schauen, was haben die gut und richtig gemacht und das zu übernehmen.

Der wunderbare Track Galacticana, der als erste Single Anfang Juli ausgekoppelt wurde, eröffnet das mit vielen kosmischen Hinweisen gespickte Album mit warmen Akustik- und E-Gitarren-Sounds: ein erster von vielen Höhepunkten gleich zu Beginn und ein herbstliches Stück Folk-Pop fürs Lagerfeuer, bei dem ab der Hälfte des Songs die E-Gitarre jammern und Kevin Ratterman für reichlich harte Schlagzeugbeats sorgt. Ein toller Opener, der sowohl die rockige als auch die akustischen Aspekte bedient.

Bei Easter hat James Iha seine Einsätze an der E-Gitarre und verabreicht dem heiteren West- und Eastcoast-Rocker, der auch mit planetarischen und religiösen Motiven spielt, einen kleinen Hauch an Straßenköter-Feeling bei seinen zwei dreckig-gezogenen Gitarren-Soli. Solides Handwerk und ein schwungvoller Song, der bei jedem Konzert gut funktionieren wird.

Der nächste Höhepunkt unter vielen tollen Songs ist das sechseinhalb-minütige Space-Rock-Epos Hurry, das zuerst ganz sanft-romantisch dahinschwebt, Showalter greift tief in die choruntermalten gefühlvollen Moll-Töne und wechselt zur Mitte des Songs nach dem Anti-Climax und einem kurzen Zwischenspiel in eine gitarrengetränkte sphärisch-psychedelische Beschwörung, die zum Ende hin langgezogen ausklingt.

Direkt anschließend folgt der nächste Höhepunkt in dem nahezu akustischen Horses at Night, das unter elegische Harmonien dahinschwebt und an Jimi Hendrixs letztes Konzert (September 6, 1970 / Was Jimi’s last show in Germany) erinnert. Sehr viele Weltraumklänge und ein melancholischer Garant für Gänsehaut.

Akustisch und elektrische Gitarren eröffnen den folgenden Indie-Folk-Song Somewhere in Chicago, der unaufgeregt dahinplätschert aber keinesfalls als Minderleistung wahrgenommen wird. Der Song passt sich einfach ideal in das Album ein.

Mit dem hymnischen Track Jimi & Stan gibt es die zweite Single, die Anfang August veröffentlicht wurde und zudem eine weitere Reminiszenz an Jimi Hendrix und auch an den verstorbenen Kater von Timothy Showalter namens Stan, die sich im Himmel in einem sonnendurchfluteten Raum treffen. Klingt abgedreht aber der Song funktioniert wunderbar und bringt rockigen Schwung in den Mittelteil des Albums.

Showalter sagt über den Song:

Mein liebster Kumpel, meine Katze Stan, ist leider verstorben. Und die einzige Art und Weise, wie ich meine Liebe zu ihm beschreiben konnte, war, mir Stan und Jimi Hendrix vorzustellen, wie sie zusammen im Himmel abhängen, lächeln, zu Konzerten gehen und die beste Zeit haben.

Der anschließende Track Sunbathers ist wie Somewhere in Chicago ein ruhiger Indie-Folk-Rock-Song, bei dem zwar die E-Gitarren auch mal losgelassen sind, das Arrangement aber auf flirrenden akustischen Gitarren basiert und insgesamt ausgesprochen zahm ist. Man denkt dabei unwillkürlich an Coldplays gute Zeiten.

Bei dem Track Carbon eröffnen Kevin Ratherman und Scott Moore in inniger Zweisamkeit einen flotten Celtic-Folk-Rock-Song, der an Mike Scotts The Waterboys erinnert, und mit eingestreuten Violinen-Soli glänzt. Geradeaus arrangiert und sehr packend aber kein echter Höhepunkt.

Der folgt mit dem neunten Track auf dem Album und heißt Sister Saturn. Eine Hommage an Neil Young mit seinen verrückten Pferden. Hier wird die härtere, rockige Seite der epischen Bandbreite Showalters ausgespielt. Der strampfende Beginn mit Synthesizer-Unterstützung und Kevin Ratterman am Schlagzeug treiben den Song mit hartem Takt durch ein Gewitter aus Gitarren, dabei wird echter Stadionrock zwischen Indie- und Psychedelic-Rock perfekt imitiert.

Der vorletzte Song auf dem Album ist Slipstream und ist ein klassischer Folk-Rocker, der vom Schlagzeugbeat gnadenlos vorangetrieben wird. Ein letztes Aufbäumen der rockigen Anteile des sehr stringent durcharrangierten Albums, bevor es zum akustischen Finale geht.

Am Ende gibt es den finalen Höhepunkt. Diesmal nur mit Klavier begleitete den wunderschönen Track Under Heaven. Der von Einsamkeit geprägte Track kommt mit einer herzzerreißenden Traurigkeit und einem wunderbaren Chorgesang daher, da kann man schon mal eine Träne Verdrücken so viel Gänsehaut macht der leider viel zu kurze Song.

Über das Album sagt Showalter:

In Heaven wurde mit so viel Liebe geschaffen und meine größte Hoffnung ist, dass sich die Menschen damit verbunden fühlen und es einen momentanen Raum für Reflexion, Freude, Katharsis und was auch immer jemand sonst in seinem Leben sucht, bietet.  Musik ist Magie und ich fühle mich wie der glücklichste Mensch auf der Welt, dass ich sie teilen darf.

Mit In Heaven hat Timothy Showalter einen echten Meilenstein erschaffen und sein Projekt Strand of Oaks in den Fokus der Musikwelt gestellt. Ein Album, das vom ersten bis zum letzten Ton einfach nur Spaß macht. Auch wenn die Themen nicht immer hell strahlen, so tun es die Arrangements, die von außergewöhnlicher Güte sind. Bisher ohne jeden Zweifel das beste Album des Jahres 2021!!!

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