Hits wie Control, Christina und Hestitate katapultierten die vier Engländer:innen von Desperate Journalist 2015 im Nullkommanichts in nahezu alle relevanten Musikmagazine und Online-Blogs.

Auf ihrem gleichnamigen Debut-Album fanden sich neben Christina von der ersten EP auch ruhigere Stücke namens Eulogy wieder. Sängerin Jo Bevan, mit einer großen Portion Charisma ausgestattet, wusste schon damals ihre Stimme in unterschiedlichen Facetten sprechen zu lassen. Reichen die Einflüsse deutlich hörbar von Bands der goldenen Achtziger wie The Smiths, Siouxsie And The Banshees bis zu den Cocteau Twins, aber auch Musiker:innen wie die 2006 aufgelösten The Organ scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben.

Ungesehen aller genannten Inspirationen spielt das Quartett seine eigene Vision von Post-Punk beeinflusstem Indie-Rock.

Fierce Panda, wo das Debüt veröffentlicht wurde, meldete nach kürzester Zeit, dass die LP auf Vinyl ausverkauft ist. Desperate Journalist schienen unter das nächste große Ding der Insel zu sein. Seit 2016 so gut wie jedes Jahr auch auf ausgiebiger Europa-Tour, sieht die Realität hin und wieder etwas anders aus. Nur um die 30 zahlende Gäste fanden sich im selben Jahr im Berliner Privatclub ein und honorierten die energiereiche Präsenz der vier auf der Bühne. Fast genau ein Jahr darauf im Schokoladen, im Zentrum Berlins, dann das genaue Gegenteil. Innerhalb weniger Minuten war die Hütte komplett ausverkauft. Hätte mich nicht gewundert, wenn Jo, Caroline, Simon und Rob gedacht haben, was ist denn heute kaputt, die zahlenden Gäste können sich ja kaum noch bewegen. Kitten, der erste gemeinsame geschriebene Song beendete wie so oft ein tolles Desperate Journalist-Konzert.

Grow Up, 2017 veröffentlicht, zeigte die Band größtenteils verträumter, nachdenklicher und langsamer im Tempo agierend.

Die Single-Auskopplung wurde ein kleiner Hit, aber die schnelleren Rocker die zuhauf auf dem ersten Album vertreten waren fehlten größtenteils. Klar unterstrichen Songs wie Purple die verträumte Melancholie ihrer Musik, nur direkt zwingend war es irgendwie nicht. Regelmäßig ausverkaufte Konzerte wurden keine Seltenheit und die Band erfreuten sich steigender Beliebtheit.

2018 und 2019 wurde jeweils eine EP und das Album In Search Of The Miraculous wieder über Fierce Panda veröffentlicht.

Langsam kam bei mir das Gefühl auf, die Band sei musikalisch in einer Sackgasse gelandet und der Charme der frühen Tage verblich etwas. Live wurde die Band seit November 2018 durch Charley Stone an der zweiten Gitarre verstärkt und am 02.04.2021 gaben sie den Release von Album Nummer vier bekannt.

Fear, das erste musikalische Lebenszeichen seit Beginn der Pandemie, war nichts geringeres als ein Coverversion des gleichnamigen Liedes der englischen Britpop-Band Pulp.

Mit der treibenden Attitüde des Post-Punk ausgestattet verschoben die Musiker:innen eindrucksvoll weiter in Richtung der achtziger Jahre, wie der erste neue Song Fault des in der Pandemie entstandenem Albums gar nicht verstecken will. Bassist Rob Hardy schiebt den Song mit enorm pumpenden Riffs in die richtige Spur. Größtenteils handeln die Texte, die Jo während der Pandemie verfasste, vom Leben und Leiden in London.

Der Videoclip zu Personality Crisis zeigt die Bandmitglieder in vertrauter Umgebung Schallplatten auflegend und Gitarrist Simon Drowner schubbert einige schön verquere Töne auf seinen Saiten, während Jo über das nicht perfekt sein und die Liebe singt.

Anschließend offenbart Armageddon einen melancholischen gestrickten Song, der mit gut gesteuertem Laut- und Leise Spiel kurz vor Ende an Dramatik kaum zu überbieten ist. Dass die Melancholie sich wie ein roter Faden durch das Album zieht sollte klar sein, wobei zu keinem Zeitpunkt die Rede von Resignation ist. Fine In The Family ist ein weiterer druckvoller Song vom Schlage Fault. Everything You Wanted zieht sofort mit Gitarrenriffs in den Bann und erinnert mich an die besten Songs von The Chameleons. Schlagzeugerin Caroline Helbert überrascht hierbei mit sehr dezentem Schlägen auf ihren Fellen.

What You’re Scared For beginnt auf das Nötigste reduziert, gibt im Hintergrund nachdenklich stimmende Soundfragmente frei, bevor in den letzten 50 Sekunden völlig unkontrolliert die Musiker:innen ausbrechen und dem Track eine leicht chaotische Note verleihen. Mit Was It Worth wollte Jo ein Liebeslied schreiben, hatte aber keine Vorstellung wie sie es einleiten könnte. Am besten hört ihr es euch selbst an, was daraus geworden ist.

Ob sich damit endlich der ganz große Durchbruch einstellt, bleibt abzuwarten aber in Zeiten von Corona und Brexit sicherlich mehr als eine positive Erscheinung.

Das am 02.07.2021 veröffentlichte Maximum Sorrow zeigt anhand von 14 tollen, sehr abwechslungsreichen Songs den Weg aus der Sackgasse.

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