Eier erfordern Boxen

Montagmorgens im Büro zu sitzen und Kopfnicken geht selten gut zusammen. Da ist’s genau das richtige, wenn dann etwas so nettes aus den (natürlich ganz leise gestellten) Büroboxen wuchten kann wie Sey Hollos just bei Oxide Tones releasete Platte Kombinat. Irgendwie füllen die Schweden hierbei ein wenig die Lücke Lücke, die einstmals von Long Distance Calling hätte gefüllt werden können, wären die nicht auf die Idee gekommen, sich anstelle von instrumentaler Weiterentwicklung einen rückwirkend betrachtet mehr oder minder guten Sänger anzuschaffen und irgendwie beliebig klingen zu wollen. Anstelle von Long Distance Calling übernehmen halt eben Sey Hollo, was zu tun ist, ohne dabei zu klingen wie die Münsteraner: Wuchtiger, dissonanter Postrockmetal mit lecker Eiern und ohne ausufernde twinkle-twinkle-Gitarrenpassagen und pathosgeladene Voiceovers (nicht, dass das irgendwie schlecht wäre, ich steh auf den Scheiss), auch wenn’s nicht ganz ohne auskommt. Insgesamt ist der Ton des Albums wie zu erwarten düster, der Duktus ein wenig schleppend, seicht in Doom-Gefilden wildernd, aber weitaus interessanter.

Nach den beiden Wuchtbrummen „Bunker of Bare Life“ und „Haraka Haraka Baina Baraka“ schlägt „Terroture“ erstmal leisere Töne an, um ganz postrockesken Klimaxstrukturen zu folgen und dann laut und wuchtig zu enden. Ich will nicht zu viel verraten, aber das darauffolgende Stück „Lusaka Funeral Association“ hat einen okayen Anfang und ein… sehr… nettes Ende. Kann definitiv was, das. „Crowds At The End Of The World“ unterstreicht erneut, dass Sey Hollo nicht dünnen, sphärischen Klimperpostrock machen wollen, sondern zwischen Visionen von Weltuntergängen und anderen erstmal weniger schönen Dingen oszillierend auf die metaphorische Kacke hauen. Dafür schlägt das letzte Stück, als Outro fungierend und dem Weltuntergang ein Ständchen spielend, leise, dumpfe Klavierklänge an, die sich auch gut für den Abspann eines wenig happy endenden Filmes eignen würden.

Zwar braucht man bei den Schweden keine allzu komplexen oder revolutionären Akkord- oder Songstrukturen zu erwarten, was der Eingängigkeit und Effektivität der einzelnen Stücke auf Kombinat aber keinen Abbruch tut. Insgesamt hätte dem Album ein wenig klangliche Varianz aber ganz gut zu Gesicht gestanden, beim vorletzten Stück wundert man sich als Hörer dann doch, ob man das Lied nicht vorher schon zwei, drei Mal gehört hat, weil der Player aus Versehen auf Repeat steht. Aber gut ist das, was da aus den Büroboxen tönt, allemal. Blöd, dass es eben Büroboxen sind, was dazu führt, dass Sey Hollo mal für ein Paar Konzerte nach Deutschland kommen und ordentlich laut machen sollten.

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