KRITIK: The Bony King of Nowhere – Everybody Knows

KRITIK: The Bony King of Nowhere – Everybody Knows

Der belgische Singer-Songwriter und Komponist Bram Vanparys tritt unter dem Künstlernamen The Bony King of Nowhere, in Anlehnung an den Song There There (The Bony King of Nowhere) aus dem sechsten Album Hail to the Thief (2003) der Band Radiohead, auf und überzeugte zuletzt 2018 mit der Veröffentlichung seines von der Kritik gefeierten Albums Silent Days und der Auszeichnung als Bester Autor/Komponist bei den Music Industry Awards (MIA). 

Anfang Februar veröffentlichte er auf Unday Records nach fünf Jahren ohne Veröffentlichung mit Everybody Knows sein sechstes Album mit insgesamt 11 neuen Tracks und zwei Radioversionen der Song Everybody Knows und Falling Into Place. Die lange Wartezeit lag zum Teil auch an Vanparys‘ persönlichem Anspruch, sich nie wiederholen und seine kreativen Fähigkeiten ständig übertreffen zu wollen. 

Beim Opener Are You Still Alive kommen einem aufgrund der Dynamik und dem hymnischen dunklen Gesang sofort Ähnlichkeiten mit Bono von U2 aus der aktuellen Schaffensphase in den Sinn. Die mögen zufällig sein, bringen aber einen guten Unterton ins Album. Der anschließende Track Get One Free ist mit der gleichen musikalischen Dynamik ausgestattet, kann aber nicht erneut überzeugen, sondern wirkt durchschnittlich packend. Das langgezogene Outro macht es auch nicht besser. 

Es folgt der Titeltrack des Albums und dieser wirkt atmosphärisch anders und geht weg von dem sich verfestigenden U2-Image. Hier kämpft sich Bram Vanparys tatsächlich von Zeile zu Zeile durch den Song und hinterlässt die Hörer:innen zufrieden zurück. Auch wenn der Track nicht der stärkste auf dem Album ist, schafft er in seinen mehr als 4 Minuten zu überzeugen. Mit anderer Stimmfarbe überrascht Vanparys bei Falling Into Place und gewinnt sofort an neuer Authentizität. Der Song ist musikalisch und lyrisch keine Herausforderung aber ein solider Album-Track. 

Die ruhige Ballade Almost Invisible ist ein wunderbarer Gegenpol zu de bisher fast durchgehend dynamischen Tracks und überzeugt mit den langgezogenen hymnischen Gesangspassagen, die durch abrupten Spannungsabfall unterbrochen werden. Eine schöne Ballade, die man gerne öfters hört. Mit Abstand der beste Song auf dem Album.  

Das kurze Instrumental-Stück Rubber Faces besteht nur aus einem sphärischen Opening. Der anschließende Track Erase ist eine klare musikalische und lyrische Hommage an die namensgebende Band Radiohead und bildet ein solides Zentrum auf dem Album.  

Der Track Working Harder ist ein ambitionierter Song, der aber nicht so funktioniert, wie es sich der Künstler vorgestellt hat, sondern recht bald seinen Reiz verliert und dann können viereinhalb Minuten schon lang sein. Der folgende Track All It Takes ist wieder eine Ballade, diesmal aber mit einem eher inhaltlich anspruchsvollen Grundtenor, der über Wünsche und Enttäuschungen sinniert. Die reichlich eingesetzten Streichen verdeutlichen die innere Dringlichkeit des Themas. 

Deutlich flotter kommt der Track Slow Down daher, der ein Paul McCartney-ähnliches Songwriting aufweist und ab der Hälfte auch die elektrischen Gitarren auspackt. Ein teilweise dynamischer Track, der sicher im Radio funktioniert und sich auch gut als Single-Auskopplung eignet. Als finalen Track auf dem Album hat Bram Vanparys den Song Perfect Sense ausgesucht. Der Song hat einen gleichbleibenden Beat, der stetig unter dem dynamisch-hymnischen Arrangement liegt und den Grundtakt vorgibt. Leider kann der Track nicht überzeugen und endet nach einem kleinen Climax in der Mitte dann eher unspektakulär.   

Das durchgehend klassische Songwriting auf dem Album dreht sich um die Themen von alltäglichem Trott und blindem Gehorsam, eingetretenen gesellschaftlichen Pfaden und Verhaltensmustern sowie den Nachteilen von moderner Online-Kommunikation. Doch regt das Album nicht nur zum Nachdenken an, sondern schenkt auch Hoffnung und Kraft an grauen Tagen.

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Von Veröffentlicht am: 03.03.2024Zuletzt bearbeitet: 03.03.2024598 WörterLesedauer 3 MinAnsichten: 136Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: 0 Kommentare on KRITIK: The Bony King of Nowhere – Everybody Knows
Von |Veröffentlicht am: 03.03.2024|Zuletzt bearbeitet: 03.03.2024|598 Wörter|Lesedauer 3 Min|Ansichten: 136|Kategorien: Alben, Kritiken|Schlagwörter: |0 Kommentare on KRITIK: The Bony King of Nowhere – Everybody Knows|

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Über den Autor: Richard Kilian

"Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik" Wer mit Stephen King, Charles Bukowski, Andrew Vachss und Elmore Leonard sowie Marillion, Cigarettes after Sex, Motorpsycho, The Jayhawks, Sufjan Stevens, Rush und God is an Astronaut etwas anzufangen weiß, der ist bei mir richtig.

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