Dumpfe Gefühlsmusik aus Berlin, abseits des Mainstreams!

Isolation Berlin bieten uns mit ihrem Debüt eine Reise durch die Depressionen. Sie fassen auf „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ all ihren Mut zusammen und lassen alles raus: Enttäuschung, Narzissmus, Melancholie. Die Berliner zeichnen sich vor allem durch ihre verwegen-coole Attitüde und den depressiv-desillusionierten Texten aus.

Musikalisch wabert das Quartett aus Tobias Bamborschke (Gesang), Simeon Cöster (Schlagzeug), Max Bauer (Giarre) und David Specht (Bass) irgendwo zwischen Ton Steine Scherben und modernem und Indiepop mit Pulpanstrich. Die Songs sind sehr unterschiedlich und gehen über wildes Gitarrenschreddern („Wahn“) und melancholisches Gitarrengezupfe („Im Seelen deiner Seele“) bis hin zu poppigen Songs („Fahr weg“).

Mit ihren Lyrics könnten sie fast als Sprachrohr für die verwirrte und orientierungslose Jugend stehen, obwohl wohl jeder schon an so einem Punkt stand, an dem Druck, Ratlosigkeit, Beziehung, sogar Normalität zu viel wurde:

„Wenn keiner dir zu helfen weiß/du jede Nacht ins Kissen beißt/Und du heulst, als würdest du dafür bezahlt/auf der Stirn der kalte Schweiß/Hyänen sind dein Freundeskreis/Das Land in dem du lebst/ein Jammertal.“ (Fahr weg)

Isolation Berlin nehmen diese Gefühle und den Trotz und packen sie in ihre Songs – und das gelingt ihnen wirklich gut. Tobias Bamborschke kann diesen Wahn und die Panik mit seiner Rio-Reiser-Stimme großartig transportieren und man nimmt es ihm ab, dass er die Songs aus einem Gefühl heraus geschrieben hat. Mit dem starken Opener „Produkt“ erwischen sie den Hörer, wie er seinen Konsum erkennt und sich fast dafür schämt, überspielen das aber relativ schnell mit (zugegebenermaßen sympathischen) Narzissmus.

Immer wieder fließen urbane Elemente in die Songs mit ein, die wohl – wie soll es anders sein – der Hauptstadt zuzuschreiben sind. Ob es nun ums Abhauen („Fahr weg“), um gescheiterte Beziehungen („Schlachtensee“) oder um den Wahn in seiner reinsten Form („Wahn“) geht, Isolation Berlin versteht es gekonnt die Musik der Botschaft anzupassen und enden beim zwölften Song auf der Platte mit einem „Herz aus Stein“. Die jungen Berliner legen mit „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ ein bombastisches Debüt hin, das eine klare Abwendung vom Zeitgeist ist und sie durch die Texte und die Energie trotzdem wieder zurück ins Hier und Jetzt holt.
www.isolationberlin.bandcamp.com

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