Kleine Appetithäppchen präsentieren uns die fünf Musikerinnen von Melting Palms, in Form von Vorab-Singles, seit März 2022 wie seltene Leckerlies und mit derart entzückt positiv stimmenden Akkorden sollten sie nicht nur diesen Sommer die Playlisten der picknickenden Parkbesucher:innen auch über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus beschallen.

2017 befand das Quintett Melting Palms, es sei an der Zeit, menschliche Abgründe und tiefe Gefühle des täglichen, menschlichen Seins in ein Bad von Shoegaze-Gitarren und Krautrock-Psychedelika zu werfen, um mit aus der Ferne rufenden, an den Reverb geknebelten, vergeistigten Chören die unendliche Supernova einzuleiten. Ein Hauch Sonnenschein hier, ein Fingerhut mit vorsichtiger Melancholie gefüllt dort, horchten viele Hörer:innen 2018 zügig auf und ihr Debüt, Melting Palms, als Kassette unter jene gemischt, war ruckzuck ausverkauft.

Mittlerweile stehen an den schmelzenden Palmen, konstant die gleichen Namen angeschlagen, die anfängliche bewusstseinserweiternden Trips in hypnotisierende Abschnitte der 60er sind doch deutlich der treibenden Hand des Post-Punk gewichen. Die leicht noisig, von zwei Gitarren auf den Weg gebrachten, kurz anschlagenden No-Wave-Attacken sind geblieben und werden flächendeckender integriert.

Teresa und Mike stehen beide wie ein Fels in der Brandung mit ihren Gitarren hinter dem Mikrofon, teilen sich den Gesang und der Druck des Punk steht ihnen verdammt gut zu Gesicht. Mike, der auch mit der Band Swutscher unterwegs ist, lässt hier den Crossover Crossover sein. Den Chanson, lupenreinen Pop und Ära der 70er müsstet ihr schon mit der Lupe suchen. Dass das natürlich nichts mit dem aus den 90ern bekannten Crossover zu tun hat, dürfte klar sein und dieser farbenprächtige Rainbow Sunshine degradiert einen Wodka Martini absolut zum einem Durstlöcher für den Marsch durch die Sahara.

Um so gut, wie effektiv, Harmonien jeglicher Art soweit das Auge reicht zu erzeugen, bedient Tim Gitarre Numero Tres. Lukas mischt die nötigen Bassgrooves unter und Johann hinter dem Schlagzeug tut gut daran, die passenden Trommelwirbel aus dem FF zu kennen.

Cascade Of Noise, die zweite Belohnung, veröffentlicht letzten Monat, präsentierte die Hamburger:innen enorm vorwärts orientiert, lud eingängig zum Tanzen ein und neben den frühen Tagen von My Bloody Valentine stehen Sonic Youth und Ride vereint zum Appel auf achtern und die musikalische Brise wehte mit dem Hamburger Charme durch die Gassen.

Erinnert mich die das Wechselspiel und die Stimmungslage der Gesangsharmonien überraschend an die schottische Indie-Folk-Pop Band Belle & Sebastian, klingen schroffe Gitarrenakkorde durch, die an Kim Gordons alte Band angelehnt werden ohne offensichtlich sich zu verraten. Aber ich nehme auch Fingerzeige in Richtung der 2015 erneut aufgelösten, britischen Indie-Rocker:innen Lush wahr und Band Of Susans, die bis 1996 als das New Yorker Gegenstück zum britischen Shoegazer galten, können keine schlechten Referenzen sein.

Zwischen Tragödie und Trost, Erlösung und Melancholie schwingt seit heute Orchard’s Lie hin und her, umgeben von einer post-rockigen Shoegazer-Blase und es gibt im Hintergrund eine Trompete. Der Rock steht kurz in der Ecke, die Atmosphäre hat das hohe Sagen und alleine diese drei Singles sollten Anlass geben, sich ihre demnächst erscheinende, hinreißende neue Platte einzuverleiben, die auch mit einigen Konzerten gefeiert wird.

Titelbild: Melting Palms | (c) @marcaluhut

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