Wer sind eigentlich Black Spell? Auf der Suche nach dem vollendeten Psychic Doom.

Nun, jede:r geneigte Hörer:in zeitgenössischer Rockmusik stößt irgendwann unweigerlich auf so genannte „Retro Bands“, von denen sich die meisten dem Blues- oder Psychedelic-Rock der späten 60er/frühen 70er Jahre verschrieben haben. In einigen Fällen bereichert man Musik und Artwork um eine gehörige Portion satanische Finsternis und fertig ist der (schwarze) Lack. Oft unter dem Banner großer Labels wird dann ein brachialer Mummenschanz aufgezogen und die Kuh bis zur vollendeten Blutleere gemolken. Was bleibt, ist leider viel zu oft langweiliger Einheitsbrei. Schade.

Aber was ist mit den wirklich authentischen Truppen? Genau, die gehen gerne mal unter, was mir im Fall von Black Spell beinahe passiert wäre. Beinahe. Jetzt läuft das Debütalbum hier schon zum x-ten Mal und ich erfreue mich an der krassen Atmosphäre!

Das mit Primum Maleficium treffend betitelte Intro und das zugegeben ganz geile Artwork zeigen schon grob, in welche Richtung die Reise hier gehen wird. Fiese, finstere Früh-Horrormovie-Sounds lassen Bilder von Boris und Bela vor dem geistigen Auge aufleben. Selbstverständlich folgen einige Szene-immanente Trademarks, aber das darf und soll natürlich so sein. Bis zum absoluten Anschlag übertriebenen Fuzz-Sounds der Gitarren, Black Sabbath-Reminiszenzen und eine beinahe predigende Stimme gefallen bereits während der ersten Momente. Zäh mäandernde Riffs schleichen über die akustische Peripherie wie Bodennebel über die Karpathenregion. Immer jedoch, wenn Langeweile zu befürchten ist, ändert sich etwas. Manchmal wird gar nicht sofort deutlich, was es ist. Gitarrensound, Tempo, Stimmung, alles ist möglich. Die Italiener preisen hier ja PSYCHIC DOOM METAL an, was sicherlich auch nicht unstimmig ist, aber PSYCHEDELIC hätte hier durchaus auch treffend stehen können. Allerdings nicht so positiv-bekifft, wie man es aus den 60s kannte, sondern stets mit gruseligen Elementen durchzogen. Dennoch, es gibt Wah-Sounds, ganz coole Soli und akustischen Nag Champa oder Patchouli Dampf aus den Lautsprechern. Was den Gesang angeht, hat das mit Ozzy und seinen Nachahmern dankenswerter Weise relativ wenig zu tun. Auch ist die Stimme hier nicht wirklich im Vordergrund oder unnötig präsent. Sie fügt sich in den passenden Moment in das gesamte musikalische Geschehen ein. Manchmal etwas gequält, wie im geilen Visions From The Dark Side, manchmal tiefer und beschwörend wie bei Occult Forces. Geiler Schauer in allen Körperregionen!

Die Gitarre fiedelt hier auch nicht allein auf weiter Flur, sondern wie es sich für Gruseloden gehört, tritt auch bei Horned God Of The Forest die nahezu unvermeidliche Orgel in den Mittelpunkt. Drohend, kakophonisch, kalt und durchdringend. An den richtigen Stellen fallen immer wieder Harmonien und Grooves auf und wer sich nicht völlig vergruseln lässt, den erwarten ganz zum Schluss sogar fast hippieske, entrückte Klänge. Echt ein cooler Ritt, gerne wieder.

Bemerkenswert, dass man sonst noch so gar nix von den Leuten gehört hat, aber der Hype anscheinend echt groß ist. Die Tapeversion des Albums ist lange vergriffen, Vinyl lässt sich bis April Zeit. Die Labels Hand Of Doom (DE) und Forbidden Place (USA) haben sich zusammen geschlossen und werden unterschiedliche Versionen des PVC-Releases veröffentlichen.

Absoluter Tipp für Freunde von Doom jedweder Art. Konsumenten von stimmungserzeugenden Substanzen werden sich erst recht die Finger danach lecken… aber Vorsicht: die Musik ist derart sackfinster, dass man vielleicht nicht blumig, sondern auch schräg drauf kommen kann.

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