Spheronaut: „Support Your Local Undergound!“, „Do It Yourself!“

Diese und andere Parolen sind inzwischen zum Aushängeschild vieler Undergroundbands- und Unterstützer geworden und tatsächlich war es dank heutiger technischer Möglichkeiten nie so einfach seine Musik in Eigenregie und in einer annehmbarer Produktionsqualität unter die Leute zu bringen.

Das Plattformen wie Youtube, Bandcamp, Facebook und früher auch myspace wie geschaffen für solche Projekte sind: Geschenkt. Der einzige (große) Nachteil: Durch die Fülle an Bands, die sich durch diese Möglichkeiten nun selbst vermarkten können, ist es schwer sich einen Namen zu machen. Zwei entscheidende Eigenschaften sind hierbei dennoch besonders hilfreich: Gute Beziehungen in der lokalen Musikszene und vor allem ein gewisses Maß an Eigenständigkeit. Zeit also, sich einmal mit der vor Kurzem gegründeten, 4-köpfigen Neusser Stoner-Band „Spheronaut“ zu beschäftigen, die am 8. April mit „The Doombringer’s Blues“ nun ihre erste EP veröffentlicht haben.

Das Intro beginnt mit einer Geräuschkulisse die auch aus einer Videospielhalle aus den 90er-Jahren hätte stammen können, nahtlos geht dieser zu sphärischen Klängen, einem Countdown und letztendlich in den ersten Song „Old Friend Of Mine“ über. Mit ordentlich Groove, einem präzisen Schlagzeug, sägenden Gitarren und der Reibeisenstimme von Sänger und Bassist Dennis de Buhr stellt die Band jetzt bereits eindrucksvoll die Weichen für die gesamte EP, welche in ihrer Summe 4 vollständige Songs umfasst (Das Intro wird hierbei nicht als eigenständiger Song angesehen).

„Rebel in the Raj“ und „Engine Starts“ besinnen ebenfalls auf den Mix aus treibendem Groove und atmosphärischer Verschlagenheit. Beim Intro von „Engine Starts“ muss man sich sogar schon ein wenig beherrschen, wenn man nicht passend zur Melodie ein Hillbilly-typisches wildwest-„yeehah!“ laut auszurufen. Die Jungs haben Spass bei dem was sie tun und das merkt man ihnen auch an.

Klassischer Desert/Stoner-Metal mit einer Menge Proberaum- und verrauchter Metalkneipen-Atmosphäre der statt aus Neuss auch gut aus der vertrockneten Steppe Kaliforniens oder New Mexiko stammen könnte. Dieser Wüstencharme ist ein großer Pluspunkt, aber gleichzeitig auch ein kleiner Kritikpunkt, denn manchmal wirkt es so, als wolle man unbedingt nach Desert-Rock im Stile der großen Palm Desert-Bands Kyuss oder Queens of the Stoneage klingen. Dass dies aber gar nicht nötig ist, beweist eindrucksvoll der Song „Children of God“ der sich abschliessend auch als bester Song herrausstellt. Hier erweitern die Mannen ihre Stoner-Attitüde mit deutlich mehr Anteilen aus Sludge und Doom, was die Stimmung zum Abschluss nochmal leicht in eine andere Richtung schwenken lässt und einfach unfassbar gut klingt. Gerade diesem Song ein eigenes Video zu spendieren daher folgerichtig und eine gute Entscheidung.

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Fazit: Spheronaut haben ein ordentliches Debüt abgeliefert, welches sich hinter Szenegrößen wie beispielsweise Kyuss bei Weitem nicht verstecken braucht. An einigen Stellen sind die Parallelen zu Referenz-Bands des Genres überdeutlich, was dem Gesamteindruck aber nicht sonderlich schadet, schliesslich ist das Projekt noch sehr jung und sollte bei zukünftigen Veröffentlichungen so selbstbewusst sein, sich noch mehr auf ihre eigenen Stärken zu besinnen, das Potenzial ist definitiv vorhanden.

Für Stoner-Bands ist die EP uneingeschränkt zu empfehlen und auch auch Metalfans, die Stoner-Metal bisher nicht direkt auf dem Schirm hatten, sollten durchaus mal ein Ohr riskieren. Dadurch, dass die EP auch als digitale „Name your price“-Variante bei Bandcamp zu haben ist, liegt das persönliche Risiko enttäuscht zu werden nahezu bei 0.

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