„Young Blood“ ist keinesfalls ein schlechtes Album, nur leider fühle ich mich viel zu häufig an die Großen des Noise Genres erinnert. Etwas mehr Eigenständigkeit und weniger Zitate hätten hier Großes bewirken können.

Beginnen wir mit ein paar wichtigen Fragen: Bin ich ein Kind der Neunziger und wurde musikalisch mit Pavement, Sonic Youth, Nirvana, Mudhoney und Konsorten sozialisiert? Klare Antwort: Ja.

Bin ich der Richtige Schreiberling um ein brandneues Album einer mir völlig unbekannten Band zu rezensieren, die offenbar ebenfalls ihre Einflüsse aus oben genannten Neunzigern zieht? Meine Antwort: Jein.

Höre ich heute noch Sonic Youth, Pavement und die üblichen Verdächtigen, sei es aus nostalgischen Gründen oder gar, weil ich Fan bin? Klare Antwort: Nein.

Dieses kleine Frage/Antwort Spielchen soll keinesfalls bedeuten, dass ich nicht neutral und unbefangen über Musik schreiben könnte, aber dieser klare Retro-Bezug, dieses Zitieren von altbekanntem macht mich irgendwie befangen. Das Trio No Jaws aus Zwickau macht in ihren 12 Songs nahezu keine Fehler, jeder Song besticht mit feinen Details und tollen Gesanglinien und auch der Shoegazer Anteil wirkt ungemein sympathisch – Dennoch habe ich dieses Gefühl, dass das meine Vorbilder aus den Neunzigern bedeutend authentischer und zwingender vorgetragen haben. Und dieses gewisse Gefühl lässt mich auch während des gesamten Albums nicht mehr los.

Der Opener „Aftermath“ ist ein klarer Hit und wird so manche Indie-Disco in Wallung bringen. Aber schon beim zweiten Song „Real Oh One“ fühle ich mich dermaßen penetrant an Sonic Youth erinnert, dass es nicht mehr schön ist. Hier wird sowohl in der Instrumentierung des Songs, als auch beim Gesang gnadenlos in der Vergangenheit gewildert. „Grasshopper“ klingt wie eine Hommage an Kurt Cobain während „Adrift“ wieder in Sonic Youth`schen Gewässern fischt. Ein wirkliches Highlight ist aber der Song „Phalanx“, der unnachahmlich nach vorne walzt und wirklich eine komplett eigene Note besitzt.

Die Produktion vom österreichischen Underground Helden Wolfgang Möstl klingt wirklich gut, und man merkt der Band deutlich an, wo sie eigentlich hin wollen. „Young Blood“ ist keinesfalls ein schlechtes Album, nur leider fühle ich mich viel zu häufig an die Großen des Noise Genres erinnert. Etwas mehr Eigenständigkeit und weniger Zitate hätten hier Großes bewirken können. Fans von oben genannten Bands können bedenkenlos ein Ohr riskieren – ich für meinen Teil bleibe (wenn es schon sein muss) lieber bei den Originalen. Sorry.

No Jaws – Young Blood
01. Aftermath
02. Real Oh One
03. Out Of The Wild
04. Honey Kid
05. Grasshopper
06. Cabin Fever
07. Ra
08. Loyal To (Disillusion)
09. Fanal
10. Adrift
11. So It Begins
12. Phalanx

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