Das zweite Album der Wiener Noise-Pop Band Mile Me Deaf trägt den Titel „Holography“, was laut Mastermind Wolfgang Möstl auf das holographische Prinzip zurückzuführen ist, eine physikalische Theorie nach der unser Universum nur eine holgraphische Projektion eines weitaus größeren Universums ist. Und somit ist auch die Musik und jede Zeile, die hier zu lesen ist, nur eine Projektion.

Gleich vorweg, wir haben es hier, mit einem herrlich unaffektierten und ehrlichen Pop-Album zu tun. Mile Me Deaf beweisen ein außerordentliches Gespür für Songwriting und eingängige Melodien, die einem auf „Holography“ nicht, wie es leider allzu oft der Fall ist, völlig inflationär und aufdringlich um die Ohren gehauen werden, sondern im richtigen Maße eingesetzt werden. So wird die Melodie oft zurück genommen und es ist fast nur der Gesang von Möstl zu hören, den man, wenn man es nicht besser wüsste, eher 20 Jahre früher verorten würde.

Trotz der erstklassigen Produktion durch Patrick Pulsinger (Hercules and Love Affair, Patrick Wolf, Elektro Guzzi etc.) geht der ewig geliebte Lo-Fi Charakter, den man von Wolfgang Möstl erwartet, nicht verloren. Bei dem Lied „Domestics“ zum Beispiel wird der Gesang durch Gitarren-Tonabnehmer gejagt, was dem Ganzen eine wunderschön angezerrte Atmosphäre verleiht.

Das Einzige, was mir persönlich fehlt, sind die Ausbrüche, die man, wie bei anderen Möstl-Projekten (Sex Jams, Killed by 9V Batteries) üblich, erwarten würde. Das mindert das Hörvergnügen jedoch in keinem Fall. Alles in allem kann man sagen, dass man Mile Me Deaf ihr Understatement abnimmt, was ja auch leider nicht immer der Fall ist.

„Holography“ erscheint am 02.05.2014 auf Siluh Records und ich kann wirklich nur empfehlen, dieses Label und diese Band zu unterstützen.

01 Shiver
02 Artificial
03 Macrosleep
04 Science Fiction 1998
05 Out of Breath at Ego Death
06 Domestics
07 Motor Down
08 Gold Kid
09 War Bonding
10 True Blood
11 Cryptic Boredom Rites
12 Third from the Sun

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