Auf dem schon zweiten Album im Jahr 2022, Return of the Dream Canteen, erfinden die Red Hot Chili Peppers das Rad nicht neu, sondern liefern auf gewohnt hohem Niveau ab – das hier ist keine B-Seiten-Sammlung, sondern etwas besser als Unlimited Love.

Die Rückkehr von John Frusciante hat bei den alten Herren (Flea ist diese Woche bereits 60 Jahre alt geworden) offenbar ungeahnte Spielfreude freigesetzt. Nach 17 neuen Songs im April folgen nun erneut 17 neue Songs aus derselben Session – nicht etwa als B-Seiten, sondern auf sehr hohem Niveau. War Unlimited Love noch im Coverdesign und in der Albumstruktur sehr normal und unspektakulär, versprachen sowohl Cover als auch Artwork von Return of the Dream Canteen etwas mehr Psychedelic Funk.

Andreas Borcholte vom Spiegel hat dann auch einfach mal so geschrieben, dass das neue Album deutlich funkiger sei und viel mehr vom Bass dominiert würde als Unlimited Love. Das ist aber leider falsch. Denn weder ist das hier ein Funk-Album, noch war Unlimited Love nicht vom Bass dominiert. Vielmehr zeigt Flea auch hier, dass er eine Legende ist. Was er hier abliefert, ist erneut der schiere Wahnsinn. John Frusciante ist wieder super Song dienlich und spielt sich nicht in den Vordergrund, der spannende Teil des Albums passiert auch hier wieder im Bass. Anders als das sehr gefällige Unlimited Love offeriert Return of the Dream Canteen mit Eddie, gewidmet Eddie Van Halen, eine absolute Songperle. Das ist der emotionalste Songs, den die Chili Peppers in den letzten 20 Jahren hervorgebracht haben. Alleine das macht dieses Album lohnenswert.

Dennoch gibt es auch hier Ausfälle, allen voran die ersten 3 Minuten von Bag of Grins, denn der im Wesentlichen aus Halbtonschritten bestehende Refrain klingt so dermaßen nach Schulband, dass es nicht mehr clever sondern nur unangenehm ist. Das wird zum Glück etwas aufgelöst im Outro.

Bei zwei Alben im Jahr muss man zwangsläufig fragen, ob es wirklich beide gebraucht hat. Sagen wir es mal so: Es gibt deutlich schlechtere Alben, die Qualität ist über alle 34 Songs ziemlich auf demselben Level und wie gesagt, Flea ist einfach der Wahnsinn. Dabei spielt er zwar nicht am technischen Limit, aber am absoluten Maximum der Verbindung von technischer Finesse und Songtauglichkeit. Es ist ein Genuss, ihm dabei zuzuhören. Im Ganzen halte ich Return of the Dream Canteen für das stärkere oder zumindest für das interessantere, weil etwas weniger konventionelle Album. Den Innovationspreis werden die Red Hot Chili Peppers nicht mehr gewinnen, aber das ist wohl auch nie das Ziel gewesen seit 1997.

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