Ein bisschen Retro-Feeling, ein bisschen wieder jünger sein und sich daran erinnern, was man vor 20 Jahren so an Musik gehört hat. Aber trotzdem irgendwie gut, weil man sich zuhause fühlt. Eine Vorwarnung: Das folgende Review ist aus der Sicht eines Bassisten geschrieben worden.

John Frusciante ist zurück bei den Red Hot Chili Peppers – zum zweiten Mal. Nachdem Dave Navarro damals nur verlieren konnte, hatte es Josh Klingenhoffer zumindest in der Theorie besser, da er als Roadie und Kollaborateur von Frusciante zumindest aus dem RCHP-Kosmos kam. Aber dennoch werden I’m With You von 2011 und The Getaway (den Titel des zweiten Albums von 2016 musste ich sogar erst raussuchen) ähnlich in Vergessenheit geraten wie One Hot Minute von 1995 (aber: Aeroplane, Pea, Coffee Shop sind immer noch nicer als die beiden Alben mit Klingenhoffer). Und als Frusciante nach One Hot Minute zurück kam, kam mit Californication nicht weniger die Zementierung der Chili Peppers als größte Rockband des Planeten zu der Zeit dabei raus.

Nun also, 16 (!!!) Jahre nach Stadium Arcadium ein neues Album mit Frusciante. No pressure, aber die Erwartungen sind riesig bei allen, die sich noch an die Musik von vor 16-20 Jahren erinnern können. Und: die vorab veröffentlichten Songs klangen nicht so, als würden die Chili Peppers uns mit Innovation überraschen, auch wenn sie via Social Media darauf beharren, dass Sie alles gegeben hätten was sie haben. Mal schauen.

Erst mal ein paar Eckdaten: 17 Songs, 1 Stunde und 13 Minuten, produziert von Rick Rubin (dessen goldene Zeiten im Wesentlich auch vorbei sind).

Das Album beginnt mit der ersten Vorab-Single Black Summer, die als erste Single durchaus enttäuscht hat. Aber im Albumkontext nach mehreren Durchläufen macht der Song sehr viel Sinn und gefällt auf einmal. Es ist halt ein ganz normaler Song der Red Hot Chili Peppers – und damit setzt der Song letztlich die Marschrichtung für das ganze Album. Bis auf wenige Ausnahmen ist Unlimited Love ein ganz normales Album der Chili Peppers. D.h.: Die bekannten, groovy Beats von Chad Smith, coole Gitarrensounds von John Frusciante, eingängige Gesangsparts von Anthony Kiedis (der wie immer nicht so ganz perfekt singt und deswegen dazu einlädt, mit zugrölen), Harmoniegesang von Frusciante und eine spektakuläre Bassline nach der anderen von Flea. Überhaupt ist Flea der Dreh- und Angelpunkt dieses Albums, auch vom Mix: laut und deutlich im Zentrum jedes Songs, während die Gitarre(n) oftmals recht leise gemischt sind und eher durch Feinheiten im Sound auffallen. Diese Feinheiten sind dafür sehr cool: Frusciante findet auf einen Songs grandiose Sounds (Bastards Of Light z.B.) und gibt echt alles – bis hin zum Stereo-Spiel auf Poster Child oder den teilweise auch sehr rockigen Sounds (auf dem gesanglichen Totalausfall These Are The Ways z.B.) oder zu den zahlreichen Gitarren-Soli. Aber: Nur zusammen mit Flea wird es richtig gut. Der feuert aus allen Rohren – richtig mega funky wird es allerdings nicht, dafür sehr groovy und immer wieder mit kleineren Geniestreichen. Der Bass im Refrain von She’s A Lover ist einfach der Wahnsinn.

Das Album endet mit dem ruhigen Song Tangelo, ganz im Stile von Road Trippin – auch ganz reduziert akustisch und ohne Drums. Und schon bin ich auch bei dem Vergleich zu Californication angelangt: Unlimited Love ist ein gutes, aber kein spektakuläres Album. Sieht man mal von den fragwürdigen Mastering-Entscheidungen von Californication ab, ist da doch eine sehr viel deutlichere Hit-Dichte. Ein Song wie Around The World oder auch wie der Titeltrack sind – wenn man mal den Impact betrachtet – auf Unlimited Love nicht drauf. Dafür ist auch einfach nicht mehr die Zeit. Unlimited Love ist ein Album, das ein bisschen aus der Zeit gefallen wirkt, als Nachfolger zu Californication hätte es bestimmt auch funktioniert. Ein bisschen Retro-Feeling, ein bisschen wieder jünger sein und sich daran erinnern, was man vor 20 Jahren so an Musik gehört hat. Aber trotzdem irgendwie gut, weil man sich zuhause fühlt.

Man merkt, dass die vier Chili Peppers Bock hatten, zusammen Musik zu machen, egal was die Leute sagen. Das ist einfach ihre gemeinsame Sprache der Musik, die man auf Unlimited Love bekommt. Das kann man natürlich kacke finden, weil hier fast alles so ist wie früher. Ab einem gewissen Erfolgslevel kann man die Kritiker:innen und Fans aber eh nicht mehr glücklich machen. Macht die Band immer wieder denselben Kram, ist sie langweilig und ideenlos. Probiert sie vieles neues aus, soll sie bitte den Kram von früher machen. Ein Teufelskreis, aus dem nur wenige Bands ausbrechen können. Im Fall von Unlimited Love habe ich persönlich entschieden, dass mir das mal alles egal ist. Wird sicherlich nicht mein Album des Jahres, aber solide ist das auf jeden Fall und besser als die beiden letzten Album definitiv.

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