„Wir wissen, die Zeiten sind mies, schlimmer als mies. Sie sind verrückt, so als ob überall alles verrückt geworden ist, sodass wir gar nicht mehr raus gehen wollen. Wir sitzen zu Hause und langsam wird die Welt, in der wir leben, immer kleiner und wir sagen nur: Bitte, lasst uns wenigstens hier in Ruhe – in unserem Wohnzimmer. …“

Mit diesem Filmzitat aus der damals wegweisenden Mediensatire „Network“ von 1976 schließt die Aschaffenburger Ausnahmecombo Fitzcarraldo den Opener zu ihrer neuen EP ab und hinterlässt nicht nur mit dieser düsteren Bestandsaufnahme einer von den Medien unterdrückten Gesellschaft ein erstaunlich dunkles und nachdenklich stimmendes Bild im Kopf des Hörers. Ebenso wie die wunderschöne nur online veröffentlichte Single „Hansestadt“ stammt das Material für „Oldenburg EP“ aus den Sessions zum letzten Album „Lass Sein Was Ist“ und wollte mit dieser eigenwillig dunklen Textur einfach nicht ins Konzept des Longplayers passen.

Von Resteverwertung und ähnlich böswilligen Unterstellungen sei aber dringend abzusehen, denn weitestgehend instrumental gehalten, ergeben die fünf Nummern mit kryptischen Titeln wie „Lust auf Doom ?“ ein viel zu souveränes und harmonisch aufeinander abgestimmtes Miteinander der verschiedenartigen Sequenzen. Erneut herrlich organisch und druckvoll produziert treten Fitzcarraldo mit dieser streng limitierten EP wieder einmal den Beweis an, dass sich ihr Schaffen und ihre Definition von Post-Rock nicht an die gängigen Formate halten will und muss.

Ohne jeglichen Verlust der Homogenität des Albums bringen die Aschaffenburger trotz der knappen Spielzeit von 16 Minuten erstaunlich vielfältige Stilmittel und Facetten ihres Sounds zur Geltung und machen mitunter unterstützt durch elektronische Beats, Pianoklänge oder per Autotune verfremdete Gesangsfetzen „Oldenburg EP“ damit zu einem überzeugenden Finale der bereits 2009 aufgenommenen Arbeiten rund um das letzte Album.

 

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