Die Negation machen auf ihrem im Mai erscheinenden Debüt mächtig Lärm und prangern die momentanen Missstände in der Gesellschaft an, gerne mit Vorschlaghammer direkt ins Gesicht.

Der Opener des Albums „Von Hyänen“ gibt schon eine ungefähre Richtung an, in die es die nächsten 33 Minuten hingeht. Nach einem kurzen disharmonischen Intro geht der Song schnell in die Vollen. In recht zügigem Tempo wird über düstere Melodien gebrüllt. Da hat sich definitiv eine Menge Wut angestaut. Bei „Das Versteck“ geht es ähnlich weiter, „Digitales Deutschland“ gibt sich dann etwas gezügelter, aber auch hier brodelt es weiterhin unter der Oberfläche. Der Song wird sich mit seinem schon fast hymnischen Refrain zum Livehit der Band mausern.

Beim fünften Song kommt dann erstmals ein kurzer Moment zum Verschnaufen. „Wer alle Welt schätzt, schätzt am Ende keinen“ beginnt mit einem Sprachsample über einem Basslauf und entwickelt sich zu einem atmosphärischen langsamen Song, die sich immer wieder aufbäumt um in verhallte Parts überzugehen. Trotz allem klingt der Song nicht minder wütend als die vorherigen Stücke.

Mit „Scheusal von Oldenburg“ kotzt die Band einem dann die Meinung zum Thema Homophobie direkt ins Gesicht. Zu dem Song wurde im Vorfeld ein Video veröffentlicht, welches seit einigen Tagen auf verschiedenen Kanälen zu sehen ist.

Bei den folgenden Songs wird immer wieder das Tempo angezogen und es scheint als würde sich die Band in einen Rausch spielen. Trotz aller Wut verliert sich die Band allerdings nicht im Chaos sondern steuert immer wieder Melodien und kleine Parts zum Luftholen ein. Der Schlusstrack „Monolith aus Scheiße“ vereint nochmal gut die vorherigen Songs, baut sich langsam auf, um dann im Schlussteil nochmal alle Register zu ziehen.

Der Sound von „Herrschaft der Vernunft“ ist drückend aber auch klar differenziert, sodass man jedes Instrument gut raus hören kann. Genügend Rotz ist aber trotzdem vorhanden. Die deutschsprachigen Texte sind leider nicht immer klar zu verstehen, aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen auf dem Asphalt. An der spielerischen Umsetzung gibt es nichts zu meckern. Die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk. Schließlich hat man es hier mit Mitgliedern zu tun, die sich aus den Bands The Heartbreak Motel, Beneath The Wheel, Zero Mentality und Heaven Shall Burn zusammensetzen und hier ihrer Vorliebe für Hardcore Punk frönen. Das sei aber nur am Rande gesagt. Die Negation spricht für sich.

Vergleiche mit anderen Bands aus dem Genre braucht Die Negation nicht zu scheuen. Die allgegenwärtige Wut und Enttäuschung artet niemals völlig aus und macht „Herrschaft der Vernunft“ zu einem spannenden authentischen Beitrag. Wenn die Band all das live genauso gut umsetzt, haben wir hier vielleicht ein neues Ausrufezeichen in der deutschen alternativen Musikszene.

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