KRITIK: Smile – Price Of Progress

KRITIK: Smile – Price Of Progress

Die Kölner Gruppe Smile veröffentlicht in dieser Woche das von underground-Affinen heiß erwartete Debutalbum Price Of Progress, welches in seiner Entstehung dem Titel so nahe steht, wie kaum ein anderes Album zuvor.

Smile sind ein fast durch Zufall entstandener, musikalischer Kniffel. Rubee Fegan, damals 19 Jahre alt, landet mit Stipendium in der Tasche als Kunstschaffende in Bonn, wo sie in kürzester Zeit vier Mitstreiter kennenlernt, alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Transportation des Post-Punks in die Musiklandschaft 2023. Totgeglaubte leben länger, nur bestätigt die temporäre Beständigkeit nicht zwingend etwas über die qualitative Ausprägung, so ist der (in Deutschland doch gewöhnlich spät angeschwemmte) Hype um die damalige 80s-Offenbarung durch fehlende Innovation und Beliebigkeit fast schon vergessen. Vermutungen können aufgestellt werden: eine nicht geplante Symbiose verschiedener Persönlichkeiten und (musikalischer) Interessen bringt die interessantesten Schöpfungen hervor. Gepaart mit unvorhersehbaren pandemischen Auswirkungen, welche viele in den Wahnsinn treiben, zehren Smile viel eher Kraft und Kreativität.

Sängerin und creative Mind Rubee saß durch die virale Kontrollübernahme einige Zeit in ihrer ursprünglichen Heimat, Albuquerque, fest, schrieb, beobachte und poetisiert das, was um sie herum geschieht. Der Rest der Band spielt und schreibt Songs im Proberaum, die Sessions starten regelmäßig mit kontinentübergreifenden Gesprächen, das Songwriting wird beeinflusst.

Eine kurze EP wird als Art Vorgeschmack in die Weiten des Internets geworfen, es folgen Supportgigs für Fontaines D.C. und vereinzelte Shows. Smile sammeln Energie und treffen sich stillheimlich mit Genie Olaf Opal, welcher mit seiner Idee, Price Of Progress zu produzieren, direkt offene Türen einrennt. Sessions an verschiedenen, nicht alltäglichen Orten finden statt.

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Innovation trotz Altbekanntem: Die musikalischen Vorlieben von Smile sind zwar klar erkennbar, die 10 Songs wirken aber alles andere als abgekupftert. Es fühlt sich ein wenig an, als ließe man einen Post-Punk & Wave-Disco-Abend am nächsten Morgen in präziser Kürze und unsortiert Revue passieren. Parallelen zu aktuellen Bands wie Protomartyr oder Dry Cleaning sind ebenso wie abstrakte Zitationen von Klassikern zu erkennen. Zahmer und nicht ganz so dissonant wie Sonic Youth verspielen die Gitarren Pop-Melodien, die durch Ausreisser eben genau dies nicht mehr sind, die stoische Rhythmusgruppe kann mit denen von ESG oder auch den Talking Heads verglichen werden, aber auch die Art-Punk-Roots sind klar erkennbar. Mit ihrem Storytelling erinnert Rubee noch immer an Patti Smith, ihre Texte strotzen vor Kreativität und werden fast wie in einem Schauspiel dargestellt: Spoken-Word, pure Verzweiflung, ironisch verächtend, das sind keine erdachten Geschichten, das sind nahe Erlebnisse und deren Verarbeitung, wobei öfters auch ein Psychic TV Vibe entsteht.

Der Price Of Progress für Smile: eine erzwungene (räumliche) Trennung, weltweite Ausnahmezustände, ungewohnte Aufnahmezustände und die Kunst über den eigenen Schatten zu springen, all das scheinen für den Alltag belastende Situationen zu sein, Smile schöpfen daraus jedoch Kreativität und haben gemeinsam mit ihrem Produzenten ein Debut erschaffen, welches erfahren und so durchdacht klingt, dass es kaum vorstellbar ist es als solches begreifen zu müssen.

Price Of Progress erscheint auf dem Label Siluh Records und kommt mit einem 16-seitigen Booklet mit Texten und Illustrationen der Sängerin.

Bewertung: 4.5 von 5.

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Smile auf Tour:

  • 19.08.23 Dorsten, Open Air (TBC)

  • 20.08.23 Düsseldorf, Die Kassette Goes Outdoors – VierLinden Open Air w/ Ditz

  • 24.08.23 Köln, Ebertplatz (TBA)

  • 26./27.08.23 Duisburg, Platzhirsch Festival

  • 08.09.23 Kirchzarten-Dietenbach, Rock am Bach (TBA)

  • 29.09.23 Würzburg, Immerhin (TBA)

  • xx.10.23 Köln, Niehler Freiheit – Record Release Show (TBC)

  • 10.11.23 Köln, Jaki w/ Bush Tetras (TBA)

  • 14.11.23 Mainz, Schon Schön (TBA)

  • 15.11.23 Hannover, Béi Chéz Heinz (TBA)

  • 16.11.23 Hamburg, Hafenklang (TBA)

  • 17.11.23 Berlin, Schokoladen (TBA)

  • 18.11.23 (TBA)

  • 08.02.24 (TBA)

  • 09.02.24 Karlsruhe, Kohi (TBC)

  • 10.02.24 Mülheim, Makroscope (TBC)

  • 11.02.24 Offenbach, Hafen2 (TBC)

  • 12.02.24 (TBA)

  • 13.02.24 Jena (TBC)

  • 15.02.24 Wien, Rhiz (TBC)

  • 16.02.24 München, Milla (TBC)

  • 17.02.24 Stuttgart, Merlin (TBC)

  • 22.02.24 Bremen, MS Loretta (TBC)

  • 23.02.24 Langenberg, KGB (TBC)

  • 24.02.24 Leipzig, T//F (TBC)

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Von Veröffentlicht am: 11.10.2023Zuletzt bearbeitet: 11.10.2023655 WörterLesedauer 3,3 MinAnsichten: 816Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: 0 Kommentare on KRITIK: Smile – Price Of Progress
Von |Veröffentlicht am: 11.10.2023|Zuletzt bearbeitet: 11.10.2023|655 Wörter|Lesedauer 3,3 Min|Ansichten: 816|Kategorien: Alben, Kritiken|Schlagwörter: |0 Kommentare on KRITIK: Smile – Price Of Progress|

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Über den Autor: Alexander Koch

Alexander Koch tippt aus Hobby. Auf die Frage welche Musik er gerne hört, kann und will er nicht mit einem einzigen Genre antworten. Selbst Mitglied in mehreren Bands und einer Konzertgruppe, die seit 2013 Bands wie Motorama, Drangsal, Die Nerven, Isolation Berlin oder auch Gurr nach Saarbrücken einlädt.

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