Wie man die ohnehin gemächlichen Songs vorheriger Gravenhurst Erscheinungen nochmals um einige Pferdestärken drosseln und ihr jegliche Schärfe endgültig austreiben kann, zeigt Nick Talbot mal mehr mal weniger eindrucksvoll auf „The Ghost in Daylight“ und hinterlässt mit einem Album ohne Ecken und Kanten und wenigen Hoch- und Tiefpunkten nicht selten einen bitteren Beigeschmack.

Klar, gewollt bitter soll es ja klingen im Kosmos von Gravenhurst, schließlich geht es hier um Geister, nicht selten assoziiert mit Tod und Verderben. Und auch wenn der Folk – Sänger aus dem englischen Bristol sicher ein ähnlich gespaltenes Verhältnis zu den Fürsten der Unterwelt haben mag wie der Normalsterbliche, scheint er oft eng umschlungen zu pittoresken und an Größen der 70er Jahre (Simon& Garfunkel, Crosby, Stills, Nash & Young und vor allem Nick Drake) erinnernden Gitarrenklängen mit den Schatten der Toten durch eine eher amerikanisch anmutende Waldlandschaft zu tanzen.

Wüste Gitarreneskapaden und Temposteigerungen der beiden Vorgängeralben wurden nun endgültig durch gelegentlich die winterlich anmutende Landschaft durchziehende wunderschöne Streicher und dezente Ambientsounds eingetauscht und so bäumt sich Talbots musikalisches Kleinod in letzter Konsequenz leider nur noch selten auf, was die Suche nach Höhepunkten auf „The Ghost in Daylight“ recht schwierig gestalten lässt. Höchst bezeichnend wenn das komplett elektronische „Islands“, das in seiner Machart so überhaupt nicht ins Bild passen will, wohltuend aus besagtem Schlaf reißt, der den Hörer eingelullt im Dämmerlicht der Eintönigkeit von Tagtraum zu Tagtraum, von Geist zu Geist, von Schatten zu Schatten fallen lässt.

Die Schönheit der Monotonie als Stilmittel zu beherrschen, ist eine große Kunst, denn sie muss ohne offensichtliche Höhepunkte begeistern. Diese hier entdecken zu wollen, bedarf es mehrerer Anläufe und etwas mehr Aufmerksamkeit als in unserer schnelllebigen Zeit üblich. Eine Aufmerksamkeit, die im Übrigen auch unabdingbar ist, um die Geister unter uns uns zu erkennen. In diesem Sinne schließt sich ganz natürlich wieder der Kreis und macht „The Ghost in Daylight“ zu einer Alternative für all die, die Subtilität der Offensichtlichkeit, das Kleine dem Großen, das Introvertierte dem großen Gestus vorziehen. Alle anderen werden nur schwer Freude an Gravenhurst anno 2012 finden.

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