Chaos Commute ist ein Rock-Duo aus Berlin, das nach gescheiterten Band-Plänen mit drei weiteren Mitstreitern nun einfach seit 2016 zu zweit weiter macht.

Und das hat sich schon rumgesprochen: Nachdem Richie Ramone (ja, genau der von The Ramones) auf die Band aufmerksam geworden ist, lud er sie als Support zu seiner Europa-Tour ein, bis diese vom bösen C-Wort nach nur 9 von 25 Shows gestoppt wurde. Inzwischen hat die Band ihr neues Album Fairytales and Nightmares (KRITIK) via KROD Records rausgebracht. Wir haben der Band ein paar Fragen gestellt.

Hey ihr, danke für eure Zeit. Wie geht es euch aktuell in Zeiten der Pandemie?

Gut! Danke der Nachfrage! Wir sind natürlich schon echt traurig, dass es konzerttechnisch so dünn war dieses Jahr. Da hätten wir uns, wie wahrscheinliche alle Bands, doch echt mehr erhofft. Wir hatten seit März 2020 viel Zeit für Produktion und Promotion unseres Albums. Das hat man ja vorher meistens so nebenher zwischen Konzerten gemacht, hier mal eine Woche Studio, da mal schnell ein Video gedreht. Das war jetzt alles schon bewusster. Aber das Entladen, Abgehen, fremde Städte und vor allem das Leuchten in den Augen des Publikums zu sehen, das sonst Belohnung war, für wochenlanges Proben, Promo- und Bookingemails, Förderanträge, für all das, was man als Band so um die Musik herum macht, das hat echt gefehlt. Auf der anderen Seite haben wir mit KROD ein Label, das so engagiert ist, uns so toll unterstützt – das hat uns viel Kraft gegeben. Auf großen Playlisten zu landen, unsere neuen Videos einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren, insgesamt mehr Menschen zu erreichen mit unseren neuen Songs durch den Support von KROD, das war in Zeiten von Lockdown und Dauer-Streaming schon echt gigantisch. 

Kürzlich habt ihr eure erste LP Fairytales and Nightmares veröffentlicht. Mit welchen Bands ist eure Musik vergleichbar?

Man muss bei uns trennen zwischen Lyrics und Songs. Musikalisch bewegt sich das zwischen den großen Melodien der Foo Fighters, der Energie der Beatsteaks, dem Drive von Queens of the Stone Age, dem Punk von Green Day. Das waren auf jeden Fall während des Songwritings für das Album am häufigsten unsere Bezugspunkte, á la “Der Part klingt nach dem Refrain von Song XY von Green Day” oder “Spiel die Drums mal wie das Intro von Song AB von den Queens”. Textlich kann man uns auf der einen Seite mit Bands mit politischen Inhalten wie Bad Religion oder Rage against the Machine vergleichen, andererseits auch mit Bands, die Persönliches, Gefühle in Songs verarbeiten wie Death Cab for Cutie. 

Ihr seid nur zu zweit, was relativ selten ist, aber schon in anderen Bands wie The Picturebooks oder Royal Blood super funktioniert. Ist es trotzdem manchmal herausfordernd, besonders live?

Live ist die größte Herausforderung als Duo das Auf- und Abbauen. Auf der Bühne genießen wir das sehr, dass es jeweils nur einen Referenzpunkt gibt. Da sind die Momente, wo jeder von uns in sein Spiel vertieft ist, und die, wo wir zusammen abgehen einfach intensiver.

Mit welchen 3 Bands müsst ihr unbedingt mal live spielen?

Idles, Baboon Show und die Beatsteaks wären großartig. 

Wenn man sich nur einen Song von euch anhören kann, welcher wäre das und wieso?

“One Way”! Als wir den Song geschrieben haben, hieß er lange Zeit nur “Opener”. Ein epischer, wütender akustischer Mittelfinger. Den haben wir textlich im Song auch ausgefahren. “One Way”, Einbahnstraße, zählt alle Rückwärtsgewandten an. Alle die, die sich vermeintlich gute, alte Zeiten zurückwünschen. Zeiten, in denen, wie wir wissen, wie wir immer deutlicher sehen, es für fast niemanden “gut” war. Konkret bezieht sich der Text auf Chile, zweite Heimat von Camilo. Nicht wenige Ältere dort trauern der Zeit der Diktatur von Pinochet nach. Der rechte Kandidat zur aktuellen Präsidentschaftswahl identifiziert sich sehr stark mit dem Diktator. Dieses Rückwärtsdenken ist aber hierzulande genauso präsent, genauso gefährlich. 

Titelbild: Chaos Commute | (c) Eric Köckeritz

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