Im Interview mit HOPE

Im Interview mit HOPE

Hope aus Berlin haben Ende Oktober ihr zweites Album Navel (Kritik) veröffentlicht, das ich wirklich großartig finde. Umso mehr war es mir eine Freude, dass ich mit Gitarrist Phillip und Sängerin Christine im Vorfeld der Veröffentlichung ein Interview führen konnte.

Seitdem ich Hope 2018 auf dem Reeperbahn Festival im Sommersalon gesehen habe, wo ich nur einen Platz draußen bekommen konnte, hat mich diese Band nicht mehr losgelassen. Was mir aber seitdem nicht gelungen ist, ist das Genre zu benennen in dem sich Hope befindet, keine Band die mir bekannt ist, klingt so.

Phillip nimmt dies als Kompliment auf:

Auch wenn wir unsere Musik nicht bewusst als „Genre-los“ konzipieren, ist das Ziel von allen vieren, Musik zu machen, die so klingt, wie wir uns als Band gerade fühlen. Wenn wir Proben und bemerken, dass sich ein Song gerade irgendwie total nach Postpunk oder so anhört, machen wir eine Pause und überlegen, was wir anders machen können, damit die Musik nach uns klingt.

Phillip

Dieser Drang, Musik zu machen, die nicht wie irgendwas anderem klingt, sondern persönlich, individuell und organisch, zeigt sich auf allen Songs des Albums. Was war Eure Idee bei der Entstehung von Navel, das so ganz anders klingt als etwa Drop Your Knives von Debüt Album?

Christine: Wir wollen die Musik machen, die wir gerade selber brauchen, in der wir uns gerade wohlfühlen. Und wenn wir merken, dass es andere Menschen gibt, die diese Musik auch gerade brauchen, ist das natürlich wunderschön. Die Songs eröffnen einen Raum, in dem wir uns als Band gerne befinden, Musik in der wir uns gerne aufhalten, die Musik erfüllt uns und ist genau das, was wir als Band gerade selber brauchen.

Phillip: Genau. Das Laute damals war genau richtig, und auch das Reduzierte, Präzise war genau das was gebraucht wurde zu dem Moment als wir es geschrieben haben.

Christine: Als wir 2020 „Shame“ veröffentlicht haben (den wir für „Navel“ noch mal neu aufgenommen haben), war uns noch nicht klar, dass das der erste Song des neuen Albums sein würde. Aber jetzt rückwirkend fühlt es sich organisch und natürlich an, weil wir so gesehen haben, wieviel Ruhe und Weichheit möglich ist.

Auffällig an Navel ist, dass der Gesang im Mix sehr im Mittelpunkt steht. Man könnte das oberflächlich betrachtet beim ersten Hören als Gesangs-Album sehen. Wie seht ihr das?

Phillip: Das ist interessant dass Du das sagst. Für mich ist dieser Eindruck nie entstanden, ich habe absolut das Gefühl dass es ein Band-Album ist. Der Fabian, unser Drummer, hat sich meiner Meinung nach auf diesem Album komplett neu erfunden.

Absolut, die Drums klingen so, als würde man draußen vor einem Club stehen und den Beat durch die Wand hören! Das ist eine super spannende und gleichzeitig sehr mutige Entscheidung, ebenso wie die Entscheidung, die Stimme so in den Vordergrund zu mischen. Und mit den Gitarren ist es ein bisschen so wie beim letzten The Mars Volta Album, auf dem beim genauen Hören sehr viel mehr Gitarre ist, als man zunächst denkt.

Philiip: Genau, wenn ich „Navel“ höre, dann höre ich uns alle vier ganz präsent raus und auch ganz viel Gitarre.

Christine: Natürlich war es beim ersten Hören eine besondere Erfahrung, zu hören wie laut die Stimme im Mix ist. Letztlich geht es aber nicht um die Stimme, sondern darum wie sich die Instrumente zueinander verhalten. Ich habe versucht, eine Stimme zu kreieren, die weniger mit Christine als Person zu tun hat, sondern mehr wie eine Art Skulptur ist.

Das wird noch verstärkt, wenn man das Album über Kopfhörer hört, dann ist es fast so, als würde die Emotion Deiner Texte und Deiner Stimme aus ein selbst kommen.

Christine: Ich habe beim Schreiben auch immer an Kopfhörer gedacht. Also Danke, es freut mich sehr, wenn wir solche Gefühle mit unserer Musik auslösen können!

Phillip: Ich glaube, ich muss das Album heute dringend mal wieder mit Kopfhörern hören!

Mal was ganz anderes, dazu muss ich Euch einfach noch mal fragen. Ihr kommt quasi gerade von einer Tour mit Depeche Mode, wie war es die Songs von Navel zu performen vor einer so großen Menge von Menschen die euch nicht kennen?

Phillip: Es war eine großartige Erfahrung für uns vier Hopes und unser Team, wir wussten natürlich nicht, ob das überhaupt funktionieren würde, gerade auch als Vorband. Aber wir wurden sehr offen empfangen und sehr wohlwollend und konzentriert.

Christine: Es war dann wirklich ein wunderschöne Erfahrung, dass z.B. das ganze Stadium in Polen bei Shame den Rhythmus mitgestampft hat obwohl uns wahrscheinlich fast niemand vorher kannte.

Wie geht es jetzt für Euch weiter, ein paar Konzerte habt ihr gespielt, ein paar wenige sind bereits geplant?

Phillip: Bisher haben wir noch kein konkreten Plan wie es von dort weitergeht, bislang lediglich die bekannten Konzerte für 2024. Natürlich gibt es viele Überlegungen, es gibt auch den Wunsch und für neue Musik. Aber wir wollen auch, dass unser Leben als Künstler:innen nicht nur in Album – Tour – Album denken. Auch aber nicht nur, weil die Bedingungen viel schwerer geworden sind und es nicht mehr nur eine Frage ist, was man gerne will, sondern auch was man umsetzen kann. Und daher wollen wir auch sonst schauen, was man machen kann, wie sich die Band weiterentwicklen möchte, wir wollen uns werden neue Musik schreiben und neue Musik spielen, vielleicht auch etwas in Richtung Filmmusik machen. Wir haben viele Ideen, werden uns da aber nicht unter Druck setzen.

Danke für das tolle Gespräch, ich wünsche Euch, dass möglichst viele Leute Eure Musik hören und möglichst nicht nur streamen sondern auch die wunderschöne Platte kaufen!

Titelbild: Hope | (c) Joe_Dilworth

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Von Veröffentlicht am: 14.11.2023Zuletzt bearbeitet: 14.11.2023997 WörterLesedauer 5 MinAnsichten: 463Kategorien: Interviews0 Kommentare on Im Interview mit HOPE
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Über den Autor: Arne Krause

Mein Fokus bei PiN liegt auf Neoklassik, Ambient, Progressive Rock, Post Rock und Electro. Und allem dazwischen (außer Indie).

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