INTERVIEW: Im Gespräch mit Josh Franceschi (You Me At Six)

INTERVIEW: Im Gespräch mit Josh Franceschi (You Me At Six)

Nach Deep Cuts, No Future? Yeah Right! (feat. Rou Reynolds von Enter Shikari) und Mixed Emotions (I Didn’t Know How To Tell You What I Was Going Through), heartLESS und :mydopamine: folgt heute eine neue Single von You Me At Six, bevor am Freitag endlich das neue Album Truth Decay erscheint.

You Me At Six sind Meister ihres Fachs und mit zwei britischen Nummer-1-Alben, darunter Suckapunch aus dem Jahr 2021, und vier weiteren Top-10-Alben repräsentieren sie das Pop-Rock und Emo-Genre auf globaler Ebene. Sie haben über eine halbe Milliarde Streams auf allen Plattformen gesammelt, zierten die Titelseiten diverser Magazine auf der ganzen Welt und hatten 18 Singles allein auf der BBC Radio One Playlist, was beweist, dass sie auch ein Mainstream-Thema sind.

Während den Aufnahmen zu Truth Decay fiel der Band auf, dass man nicht weiß, wohin man geht, wenn man nicht weiß, woher man kommt. Als sich der Wirbel um ihr zweites UK-Nr. 1 Album gelegt hat, fanden sich Josh Franceschi (Sänger), Max Helyer (Gitarre), Chris Miller (Gitarre), Matt Barnes (Bass) und Dan Flint (Schlagzeug) zusammen und diskutierten ihre nächsten Schritte neu.

Franceschi sagt dazu:

The album generally is the band doing all the things that we as a band think we’re good at and just embellishing them and finessing those ideas and just trying to do retrospective, quintessential YMAS but in 2022 and give that a new lease of life. For us we saw people around us, our peers and some new blood coming through that were doing emo rock music again and we thought ‘well we know how to do that and we want the world to know how we do it.

Truth Decay feiert und würdigt You Me At Six als eine der größten, modernen britischen Rockbands und zeigt gleichzeitig den aufregenden Weg in die Zukunft auf. 

Mit einem klaren klanglichen Konzept vor Augen erlebten sie eine kreative Blütezeit, in der jeden Tag vier oder fünf Songideen während der Schreibsessions Gestalt annahmen. Aufgenommen wurde das Album dann vom VI– und Suckapunch-Produzenten Dan Austin im Black Rock Studio in Santorini.

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You Me At SixGod Bless The 90s Kids

Live sind You Me At Six ab Ende Februar zu sehen:

  • 25.02.2023 – Essigfabrik, Köln
  • 27.02.2023 – Skaters Palace, Münster
  • 28.02.2023 – Grünspan, Hamburg
  • 01.03.2023 – Backstage Werk, München
  • 07.03.2023 – Huxleys, Berlin

Interview mit Josh

Hi Josh, schön dich kennen zu lernen. Wo treffe ich dich gerade?

Ich bin zu Hause in Brighton.

Die Stadt voller guter Musik also. Sehr gut. Lass uns gleich über euer neues Album sprechen – Truth Decay, das am 10. Februar raus kommt. Wenn du eine Anzeige für das Album machen solltest, wie würde das aussehen?

Oh.. Ich würde einen richtig gut aussehenden Hund vor die Kamera stellen, eine Ladung Hundefutter vor ihn legen und sowas sagen wie: „Das Album ist so gut für dich wie dieses Hundefutter für den Hund ist.“ Irgendwie sowas.. Nein, mal im Ernst: Ich glaube, das neue Album ist ein ziemlich klassisches, old school YMAS Album, eben nur in 2022 oder 2023. Wir haben ein paar neue Sachen ausprobiert, sind ein paar neue Wege gegangen. Auf „SUCKAPUNCH“ war mehr versatil, aber auf diesem Album wollten wir etwas mehr Fokus haben – wir wollen eine stärkere Identität der Band, wen wir ansprechen wollen, was ist unser Ton und solche Dinge. Wenn du eine klare Vorstellung davon hast, was du machen willst, ist es wesentlich einfacher und man weiß genau, was nicht funktioniert. Wir dachten einfach, lass uns ein Album machen, das wir auch vor 10 Jahren gemacht hätten aber mit all der Erfahrung die wir heute haben.

Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt, wenn wir über das Aufnehmen sprechen. Wie können wir uns das bei euch vorstellen? Ward ihr alle zusammen im Studio und habt daran gearbeitet oder welches Bild sollen wir im Kopf haben darüber, wie eure Musik entstanden ist?

Was man sich vorstellen kann ist uns fünf im Studio wie wir viel herum springen, weil wir so aufgeregt & froh waren, wir haben uns die Lyrics gegenseitig ins Gesicht gesungen. Wir wollten diese Energie aus dem Studio übertragen, deswegen kamen wir mit „DEEP CUTS“ zuerst raus. Die Leute sollten dieses Gefühl, das wir bei der Produktion hatten, spüren. Es war ein wirklich einfaches Album in der Entstehung, es gab keinen Moment wo wir mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. Wir wussten die ganze Zeit, was wir machen und es hat sich total natürlich und normal für uns angefühlt. Es hat echt großen Spaß gemacht. Gute Zeit.

Mir ist aufgefallen, dass ihr einige Features auf dem Album habt, wie Rou Reynolds oder Cody Frost, alles Künstler aus UK. Wie ist das allgemeine Gefühl unter den Künstlern in UK nachdem Brexit passiert ist?

Ich persönlich denke, dass der Brexit der größte Albtraum ist, der je stattgefunden hat. Und logistisch ist es eine absolute Katastrophe. Es hat definitiv einige Künstler aus dem Bild gezogen, weil sie es sich einfach nicht mehr leisten können, in Europa zu touren mit all den Visas und sowas. Vor Covid haben wir mit Festivalslots noch Geld verdient und jetzt kommen wir vielleicht gerade bei Null raus oder verlieren sogar Geld. Also ja, es ist kein guter Vibe. Die Musikszene in UK an sich ist sehr fruchtvoll. Wir haben eine sehr gute Balance zwischen Bands, die am Mainstream anklopfen und einigen neuen Bands, die nach vorne preschen. Bands wie The Hunna – die wir mit nach Europa bringen werden – Cody, die auf unserem Album ist. Und dann gibt es die etablierten Bands wie Architects, Bring Me The Horizon, Biffy Clyro, Foals.

Lass uns über ein anderes Thema reden. In eurem Song Mixed Emotions singt ihr über Toxische Maskulinität. Mich interessiert, wie du oder ihr als Band damit umgeht und wie eure Entwicklung mit dem Thema aussieht.

Ich habe mich dazu entschieden, über dieses Thema zu reden, weil ich von vielen schönen, ehrgeizigen & leidenschaftlichen Leuten umgeben bin wie meine Partnerin, meine Freunde, meine Mutter, meine Schwester, meine Kollegen. Und sie haben schon immer sehr offen miteinander geredet und wirklich über ihre Gefühle zu reden. Ich wurde schon früh damit konfrontiert, mit 9 oder 10 Jahren, dass meine Schwester und meine Mutter und ich zusammen sitzen und in wirklich sehr langen Gesprächen über unsere Gefühle sprechen und vielleicht ist das der Grund, wieso ich ein Schreiber geworden bin. Weiß ich nicht. Und ich war mir schon früh bewusst über die Art und Weise wie ich mich anderen öffnen kann und verletzlich sein kann, das ist etwas das meine männlichen Freunde und teilweise mein Vater überhaupt nicht können. Es war ein sehr wichtiger Punkt, das irgendwann zu adressieren, es war nur die Frage wie. Wir haben die Band in 2005 gegründet, wir sind also von der High School bis jetzt in unseren 30ern mit der Band gegangen. Aus uns Jungs wurden schließlich Männer. Während dieser Erfahrung gab es ein paar unglaubliche Höhen, aber auch ein paar zerstörte Lebensgeschichten. Und aus Respekt vor den anderen rede ich nicht über ihre Traumata, aber das Leben passiert nunmal. Das war sehr schmerzhaft. Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Menschen, die wir damals waren mit unserer Unerfahrenheit und Desinteresse zu verstehen, wie man richtig miteinander kommunizert und der Situation, die wir jetzt haben – das hat sich wirklich positiv verändert. Und ich denke an Situationen wie zum Beispiel im Bus, wenn ich sage: „Hey, könnt ihr bitte etwas ruhiger sein, ich bin wirklich nervös wegen der Show morgen“. Früher hätte man mich als Weichei abgestempelt, aber heute muss ich fast gar nichts mehr sagen und verabschiede mich einfach ins Bett. Das Gleiche gilt, wenn man mal kein Alkohol trinkt oder etwas nicht richtig ist – früher hätte man dich als Loser bezeichnet, heute trifft man sich bei jemandem zu Hause und redet gemeinsam darüber, was einen stört und versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden. Und ich denke, dieses Tabu herauszufordern, dass Männer nicht über ihre Gefühle sprechen, ist sehr wichtig. Und dieser Song im Kern geht darüber, verantwortlich zu sein für sich selbst, aber auch das von anderen zu erwarten. Es gibt eine Zeile in dem Song „We were just boys, but back then hanging on by a thread“ – ich kann dir gar nicht sagen wie oft ich absolut sicher war, dass die Band entweder zu Ende ist oder dass wir etwas so ernsthaftes meistern müssen, dass es sehr sehr schwer sein wird, das durchzustehen. Und wenn uns Leute über unsere größten Errungenschaften fragen, ist es meistens die Langlebigkeit mit den gleichen Mitgliedern. Ich bin sehr stolz darauf, dass You Me At Six groß geworden ist von Jungs zu Männern.

Es ist auch ein großes Problem in der Gesellschaft. Wenn man sich die männliche Selbstmordrate anguckt und zu allen anderen vergleicht – es ist wie Tag und Nacht, besonders in der Altersgruppe von jungen Erwachsenen und Anfang 40-jährigen. Da ist defintiv was falsch und wir haben das Problem noch nicht genau erkannt.

Lange Antwort, aber worauf es bei dem Song am Ende wirklich ankommt: Wenn ich eine Beziehung mit einem guten Freund, mit meinem Vater oder irgendwem anders zum Positiven verändern kann, weil ich den Song gehört habe oder gehört habe, worum es geht und sich dadurch die Beziehung verbessert, das ist wunderbar.

Ich habe euch letzten Sommer beim Rock am Ring gesehen – ein super Set habt ihr da gespielt – aber das ist natürlich keine YMAS-Headline-Show. Was ist das Gefühl, das ihr kreieren wollt für die Fans vor, während und nach dem Konzert?

Am Ende des Tages sind die Live Konzerte das wichtigste für eine Band und die Fans. Und jede:r Künstler:in, die das nicht verstehen, misst einen wichtigen Punkt. Das ist der eigentliche Grund, wieso man eine Band ist und es verbindet dich zu deinem Publikum. Der Prozess, den ich oft durchlaufe ist: Wie können wir die Leute erreichen, die vielleicht gut oder schlecht gelaunt sind, dazu bewegen, die Venue in einem besseren Zustand zu verlassen? Wie können sie ihre schlechten Gedanken los werden und für eine Sekunde still halten können. Ein Konzert muss eine Zelebrierung dieses Live Zustands sein und die gemeinsame Liebe zur Musik und wenn es das nicht, ist es relativ sinnlos meiner Meinung nach. ich hoffe, dass die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, komplett sich selbst sein können, sich zu vergnügen und einfach los zu lassen! Und es ist egal, ob es ihr erstes YMAS oder zehntes YMAS Konzert ist, wir hoffen, dass sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Das ist unser Plan für die Tour.

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You Me At Six:mydopamine:
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You Me At SixMixed Emotions

Titelbild: You Me At Six | (c) Offizielles Pressebild

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Von Veröffentlicht am: 09.02.2023Zuletzt bearbeitet: 09.02.20231867 WörterLesedauer 9,3 MinAnsichten: 637Kategorien: Events, InterviewsSchlagwörter: , 0 Kommentare on INTERVIEW: Im Gespräch mit Josh Franceschi (You Me At Six)
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Über den Autor: Sebastian Wittag

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