Dritter und letzter Tag vom Reeperbahn Festival 2021. Glitzerpop von Hedda Mae, Schräges von Olmo und Balbina von Balbina. Und ein echter #Reeperfail.

Los geht der Tag auf dem Festival Village. Dort gibt es neben der Fritzbühne und den üblichen Ständen mit handgemalten Konzert- und Bandplakaten wie im letzten Jahr drei sogenannte Villages. Im Music Makers Playground können Gitarren und Bässe verschiedener namhafter Hersteller angespielt werden. Im Art Village zeigen Kunstprojekte Ausstellungen in aufgestellten Containern. Im Future Village widmen sich Organisationen wie Music Declares Emergency Themen wie klimafreundlichem Touren oder nachhaltigem Merchandise.

Festival Village | (c) Christian Hedel

Zurück zur Musik. Auf der Fritzbühne spielt am frühen Nachmittag Hedda Mae aus Norwegen. Da steckt Robyn drin, der smoothe Vibe, den man von Rikas kennt, einige Elemente vom Daft-Punk-Pharrell-Disco glitzern hier und da hervor. Nur der Bezug aus dem Promotext zu Britney Spears ist zumindest musikalisch nicht ganz nachvollziehbar. Hedda Mae macht sehr, sehr, sehr fröhliche Musik. Das macht gute Laune. Wenn man will.

Danach folgen wechselweise verschiedene Songwriter:innen auf der Fritzbühne und dem N-Joy-Bus. Richtig fest hält mich dann aber erst wieder Olmo. Olmo ist schräg. Weird passt fast besser. Eine lebende Kreuzung aus Helge Schneider und Wes-Anderson-Film. Ganz eigene Melodien, unterlegt von Synth Pop, der immer dann abbiegt, wenn es zu vorhersehbar wird. Vielleicht nicht gigantisch, vielleicht nicht atemberaubend – aber wenige Acts strahlten dieses Jahr so viel Eigensinn aus wie Olmo.

Um kurz beim Thema zu bleiben: dann Balbina. Auf der Arte Concert Stage. Balbina ist halt Balbina. Wo Olmo schräg ist, ist Balbina eigen. Was sie stimmlich macht, verzaubert die einen und verstört die anderen. Aber es gibt gerade wenig Künstler:innen, die das Instrument Stimme ganz ohne Effekte derart vielseitig einsetzen.

Ein kurzer ReeperRant zum Reeperfail

Das Reeperbahn Festival 2021 wird für seine Organisator:innen vielleicht zur Zerreissprobe. Was sich da in den sozialen Medien in den letzten Tagen an beißender Kritik für zu langes Anstehen, das Bevorteilen der Delegates, eben für mangelnde Organisation ergoß, kann nicht spurlos am Festivalteam vorbei gehen. Der Unmut über das Vorlassen von Konferenzteilnehmern und Presse hat zwar grundsätzlich beim Festival Tradition, aber bei derart wenigen Plätzen pro Konzert kochte die Stimmung über. Alle Beteiligten in den Venues, an den Einlässen und drum herum, waren aufs Äußerste bemüht, das Beste draus zu machen.

Sind mit 23.000 Tickets einfach zu viele verkauft worden bei dem eingeschränkten Platzangebot pro Konzert? Wäre eine transparente Anzeige des reduzierten Platzangebots nicht das Minimum gewesen, um Besucher:innen noch die Chance zu geben, nicht zu lange anzustehen? Wäre eine einheitliche Regelung für die maximale Menge an Delegates pro Konzert nicht sinnvoll? Kann das Reeperbahn Festival unter diesen Umständen überhaupt beides sein: Industrie-Showcase und Publikumsfestival zu gleich?

Diese und viele weitere Fragen wird sich vor allem das Organisationsteam, werden sich die Entscheider:innen stellen müssen bis zum RBF 2022.

Titelbild: Music Makers Playground | (c) Christian Hedel

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