Mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums Liminal, welches am 21.08.2020 über das Berliner Label Crazysane Records erscheinen wird, haben die Hamburger von Entropy definitiv einen heißen Anwärter auf eine der stärksten Platten des Jahres in Sachen Indie/Shoegaze am Start. Kein Wunder eigentlich, denn die an Entropy beteiligten Musiker sind keineswegs Unbekannte im deutschen Musik-Underground.

Da wäre zunächst Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter Hans Frese, früher in Hardcorebands wie Hillside und The Now-Denial tätig, dem nach nunmehr fast 10 Jahren passivem Musikerdaseins die Songs von Liminal geradezu aus dem Kopf sprudelten und somit quasi keine andere Option hatte, als wieder eine Band zu gründen.

An Bord geholt hat er sich hierfür dann Bassist Philipp Heidemann (The Now-Denial, Nightslug, EA80), der ihm quasi vor langer Zeit durch ein ausgeliehenes Swervedriver-Tape die Idee zu einer Band wie Entropy eingepflanzt hatte, zudem Gitarrist Jens Sawatzki (Der Draht) und Schlagzeuger Benjamin Kövener (ExChampion, Bersarin Quartett). Unterschiedliche Leute mit ganz verschiedenen musikalischen Ausrichtungen also, die aber irgendwie gut zusammen passen.

Es folgten Konzerte mit Bands wie Marmozets und Nothing und schließlich ein Aufenthalt im renommierten RAMA-Studio in Mannheim, bei dem in langen Aufnahmesessions mit Produzent Jens Siefert u.a. Gitarren aufeinandergeschichtet wurden und klangtechnisch an Liminal gefeilt wurde.

Jens Siefert erinnert sich noch gut:
Als ich zum ersten mal die Demos zu Liminal gehört habe, war mir gleich klar, dass ich diese Platte unglaublich gerne mit der Band aufnehmen will. Zum einen, weil die Qualitäten der Songs, trotz des doch eher nebulös klingenden Demos, mehr als offensichtlich waren, zum anderen, weil mich als Ex 90er-Jugendlicher ihr reminiszenter Sound direkt gekriegt hat und mein Kopfkino sofort anlief. Rau, emotional und energisch, genau mein Ding. Zum Glück haben das auch Entropy gemerkt und ich bin wirklich sehr froh dass ich dieses Album mit Ihnen machen durfte. Für mich ist Liminal tatsächlich eine der stärksten Gitarren- Platten der 90er geworden, die es in den 90ern nicht gab. Und das getarnt als Debutalbum im Jahr 2020.

Mit dem hervorragendem Skate-Video zu The Enemy doesn’t sleep, welches wir Euch heute bei PrettyInNoise))) exklusiv präsentieren dürfen, feiert nun die zweite Auskopplung aus Liminal Premiere.

Sänger und Gitarrist Hans Frese zum neuen Video:
Skateboarding und die DIY-Punk/Hardcore-Szene sind seit jeher eng miteinander verbunden. Das gilt besonders für Münster, eine ansonsten unauffällige Studentenstadt, die schon immer eine sehr dynamische Musikszene hatte, aus der auch ENTROPY stammen. Daneben war es immer eines der wichtigsten Zentren der Skatekultur. Wir wollten diesen Geist einfangen, und unsere Freunde von KOLOSS stehen wie keine andere Skatebrand für die Verschmelzung beider Welten. In visueller Hinsicht hat das Skateboarding im Video eine energetische, aber dennoch fast meditative Qualität, die gut zu den Lyrics passt, in denen es um das Hin und Her zwischen manischen und eher introspektiven, abgedämpften Geisteszuständen geht.

Also, seht im Folgenden das Video zu The Enemy doesen’t sleep (Regler schön nach rechts, bitte!) und lest parallel dazu ein kleines Interview mit Sänger und Gitarrist Hans Frese, den wir anlässlich der heutigen Premiere kontaktiert haben, um uns mehr über Entropy zu erzählen.

„Musik wird man nie wirklich los“, heißt es im Begleitschreiben zu eurem bevorstehenden Album, und dort steht ebenfalls, dass Du in der letzten Dekade weit entfernt von irgendwelchen Bandaktivitäten gewesen bist. Erzähl uns doch mal, was da los war bei dir in den letzten Jahren und wie der Impulsdurchbruch zustande gekommen ist, wieder ein Bandprojekt zu starten und ein Album zu veröffentlichen?

Das hatte mehrere Gründe. Nach dem Ende meiner alten Band HILLSIDE war ich ein wenig ausgebrannt – ich traute mir einfach nicht mehr zu, Songs zu schreiben. Dazu kam noch der Einstieg in den beruflichen Alltag. Nachdem ich dann vor ein paar Jahren damit begonnen habe, mich mal auf diversen Wegen etwas intensiver mit mir selbst zu befassen, platzte von einem Tag auf den anderen der Knoten. Die Erkenntnis war denkbar einfach: keine Angst haben, machen! Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Mikrofon fürs Aufnehmen und die Ideen begannen zu fließen.

Als Entropie wird ja eine thermodynamische Größe bezeichnet. Da geht es um Wärme, Energie, Materie und Systeme. Steht euer Bandname dazu irgendwie in Relation oder ist dieser eher zufällig oder von einer anderen Bedeutung her gewählt?

Puh, also ich bin eine naturwissenschaftliche Niete, von daher ist der Name eher als Metapher zu sehen. In erster Linie ist er inspiriert von einer Kurzgeschichte namens „Entropy“ von Thomas Pynchon, in der der Begriff mit apokalyptischen Ängsten in Verbindung steht. Und da das Thema Angst bei uns textlich eine große Rolle spielt, passt das ganz gut.

Ihr habt euch für das RAMA-Studio in Mannheim als Aufnahmeort entschieden, die ja ein großes Faible für live aufgenommene Platten haben. Habt ihr „Liminal“ auch live eingespielt oder gab es für Entropy eine andere Herangehensweise an die Produktion? Wie zufrieden seid ihr mit dem Endergebnis?

Nein, wir haben zwar Schlagzeug zusammen mit mir an der Gitarre aufgenommen, aber da ich bei den Gitarrenparts sehr penibel bin, haben wir das dann alles in Ruhe nacheinander aufeinandergeschichtet. Ich glaube, das Ganze klingt dennoch ziemlich lebendig, weil gerade die Drums eben doch so ein Live-Flair haben.

Euer Sound bewegt sich irgendwo in der Schnittmenge von Indie-Rock/Shoegaze/Emo. Ihr türmt ja reichlich Gitarren übereinander, dazu diese schönen Gesangslinien. Was macht für Euch die Faszination für diesen Sound aus und welche musikalischen Einflüsse würdet ihr heranziehen?

Ich bin einfach Fan davon, was passiert, wenn man unterschiedliche Riffs mit viel Verzerrung übereinander legt. Da machen die Obertöne zum Teil, was sie wollen, und das Ergebnis lässt sich nicht komplett steuern. Ist so eine Art kalkuliertes Chaos, auch wenn’s sich letztlich vielleicht gar nicht so anhört. Das gleiche Prinzip findet man ja z.B. auch bei My Bloody Valentine oder auch Bob Mould, und da kommen schon viele unserer Einflüsse her.

Ihr seid bei Crazysane Records in Berlin unter gekommen, das ja bekanntlich von Chris Breuer von Heads. betrieben wird. Wie ist diese Zusammenarbeit zustande gekommen und fühlt ihr euch dort gut aufgehoben?

Wir haben Chris einfach geschrieben, und gleichzeitig hatte ein Bekannter, der mit ihm befreundet ist, ihm ohne unser Wissen ebenfalls unseren Kram zugeschickt. Da musste sich der gute Chris wohl irgendwann geschlagen geben! Wir fühlen uns bei Crazysane auf jeden Fall sehr wohl.

Im Pressetext zu Liminal wird ja niemand geringeres als Herr Neumann von der Punk-Rock-Instanz Duesenjaeger zitiert, der sich dazu hinreißen lässt, euer Debüt als Deutschlands beste Emo-Indie- Platte der letzten 10- 15 Jahre zu bezeichnen. Das muss doch runtergehen wie Öl, oder? Also, was erwartet die Hörer:innen auf dem bevorstehenden Album neben den jetzt bereits ausgekoppelten Tracks „Northern Line“ und „The Enemy doesn’t sleep“?

Klar, darüber haben wir uns sehr gefreut! Natürlich ist auch klar, dass man das nicht so sehen muss, aber es ist halt einfach toll, wenn jemand, den man für sein eigenes musikalisches Werk bewundert, so etwas unaufgefordert sagt. Auf der Platte sind in jedem Fall noch viele weitere schöne Songs, und wem die Richtung der ersten Singles gefällt, der/die kann blind zugreifen! 

Vielen Dank an Hans Frese für das Beantworten der Frage und alles Gute für die bevorstehende Albumveröffentlichung.

Liminal von Entropy erscheint am 21.08.2020 via Crazysane Records und kann hier vorbestellt werden.

Titelbild: Entropy | (c) Patrick Runte

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