Was sich in den letzten Veröffentlichungen wie Breadwinner angedeutet hat, wird mit dem neuen Video der britischen Indie- Art-Rock-Band Everything Everything unübersehbar – der Sound der Band wird elektrischer und digitaler.  

Die aus dem Multiinstrumentalisten Jonathan Higgs sowie Jeremy Pritchard am Bass, Michael Spearman am Schlagzeug und Alex Robertshaw an der Gitarre bestehende Band aus Manchester hat seit Veröffentlichung ihres Debütalbums Man Alive im Jahr 2010 ihren ganz eigenständigen Sound entwickelt. Die folgenden Alben Arc (2013), Get To Heaven (2015) und A Fever Dream (2017) schafften es alle in die Top 10 der britischen Albumcharts. Zweimal war die extravagante Band für den Mercury Prize und insgesamt fünfmal für den Ivor Novello Award nominiert.

Nachdem Everything Everything bereits mit namhaften Produzenten wie James Ford, Stuart Price und David Kosten zusammengearbeitet haben, holten sie sich diesmal John Congleton, der zuvor bereits Sharon Van Etten, Angel Olsen und Future Islands erfolgreich produziert hatte, an die Regler. Für seinen Beitrag zu St. Vincents selbstbetiteltem Album erhielt Congleton einen Grammy.

In Birdsong ist das erste neue Material seit der 2018 erschienenen EP Deeper Sea, die Nachfolger des vierten Albums A Fever Dream war. Außerdem ist es die erste Veröffentlichung auf ihrem eigenen Label Infinity Industries in Zusammenarbeit mit AWAL.

In dem Song setzt sich der kaum zu überhörende Hang von Jonathan Higgs zu ungewöhnlichen Klangexperimenten, einer satten Textur, dem leidenschaftlichen Falsettgesang und einem pulsierenden Rhythmus fort, der den gewaltigen Sound komplettiert.

Laut Jonathan Higgs hat sich die Band bei In Birdsong von einer faszinierenden wissenschaftlichen Hypothese inspirieren lassen:
„Auf In Birdsong versuchen wir, uns vorzustellen, wie es wäre, der erste Mensch auf der Erde zu sein, der sich seiner selbst bewusst ist. Ich bin auf ein Konzept des Psychologen Julian Jayes gestoßen – er nennt es BicameralMindTheory, die bikamerale Psyche. Laut dieser Idee war der Verstand der Menschen einst zweigeteilt, in jeder Hirnhälfte saß ein Teil. Eine Hälfte sendete Nachrichten und Anweisungen aus und die andere war für den Empfang zuständig. Diese Stimmen sollen göttlichen Ursprungs gewesen sein. Der Theorie zufolge verschmolzen die beiden Seiten irgendwann zu unserem zweigeteilten, menschlichen Gehirn und das war der Beginn der Bewusstseinsbildung der Menschen.

Diese psychologische Evolutionsidee wollte ich auf jeden Fall verarbeiten, denn sie hat mich sehr fasziniert. In ihrem Kern fand ich ein tiefes Gefühl des Staunens – über das Leben und die Welt. Das passt gut zu Songs über Liebe, Sex, Leben, Tod und Menschlichkeit – Themen, über die ich schon lange schreibe.

Eigentlich wollten wir diesen Song jetzt noch nicht teilen, aber in Zeiten des Coronavirus wollten wir auf die Veränderungen in der Gesellschaft eingehen und In Birdsong schien der passendste Song für unsere Rückkehr zu sein. Vogelgesang begleitete die Menschen schon, bevor sie Menschen waren, aber im Laufe des neuen Jahrhunderts wurde er immer weiter überdeckt und aus unserem Leben gedrängt.

In dem Song beschreibe ich, wie ich den Gesang der Vögel höre und gleichzeitig spüre, dass wir hier und am Leben sind. Mit weniger Autos auf der Straße, weniger Flugzeugen am Himmel und weniger Einmischung des Menschen im Allgemeinen haben wir jetzt die Chance, mit der aufkeimenden Natur wieder in Kontakt zu kommen und, egal wo wir sind, für einen kurzen Moment, dem Vogelgesang zu lauschen – In Birdsong.“

Das Video zu In Birdsong von Everything Everything präsentieren wir Euch hier.

Titelbild: Everything Everything | (c) Pressefreigabe

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