Nach der Veröffentlichung der neunten bis dato letzten Single, Snooze/Puppe im vergangenem Jahr, wurde es erst einmal still um die Berliner Noise-Rocker:innen.

Zwei Jahre zuvor stellten Sounds Of Subterrania alle bis dato herausgekommenen Singles für einen only Tape Release zusammen. Von einem Album im ursprünglichen Sinne konnte anhand der Veröffentlichungsdaten und Entwicklungszeit der Band, natürlich keine Rede sein. Eher selten und bemerkenswert legten Gewalt großen Wert auf das Medium der 7″ Veröffentlichung, die größtenteils trotz Nachpressung längst vergriffen sind. Wobei selten früher eher zum guten Ton gehörte, bevorzugt Kleinformate zu veröffentlichen, deren Songs so gut wie nie auf regulären Alben Unterschlupf finden sollten. Gerade im weiten Feld von Punk, Hardcore, Indie- Rock existierten unzählige Bands für die eine Kleinstformat Veröffentlichung zum guten Ton gehörte. Diese Tradition pflegten Jasmin Rilke, Helen Henfling und Patrick Wagner in den sieben Jahren seit Bandgründung mehr als beachtlich.

Von einem ersten Album war weit und breit keine Spur zu sehen und das erste Corona Jahr machte auch keine Anstalten, etwas daran ändern zu wollen.

Deutlich elektronischer, nicht weniger fordernd und kritisch, geht es bei Gewalt im direkten Vergleich mit Patricks alter Band Surrogat zur Sache.

Nie gewalttätig, immer ein Augenmerk auf den Spagat zwischen Kunst und nicht zu verkopfter Musik gelegt, gehören die drei seit 2015 zu den spannendsten Bands ihrer Gattung. Eingängigkeit existiert gleichberechtigt neben gegensätzlichen Facetten, die gerne ungeschliffen und roh daherkommen. Einflüsse von Gang Of Four bis Prince erschließen sich nicht zwangsläufig sofort nach dem ersten Höreindruck, aber sie sind jederzeit präsent im Grundfundament verankert. Addiert um die mal kritisch, mal nachdenklichen Texte ihres Bandleaders entstehen ehrliche, technisch versierte Akte zeitgenössischer deutscher Musik.

Zumindest Patrick bricht heute Nachmittag 14:00 Uhr das Schweigen. Bis zum 05.11.2021 wird er online aus seinem ersten Buch vorlesen.

Ohne Verstärker, Gitarren, Bass oder Drum Maschine. Nur Herr Wagner und die Intimität seiner markanten Stimme. Das nur mit den Wörtern Paradies: Gewalt ausgestattete Erstlingswerk nimmt hierbei eine eher ungewöhnliche, für sich sprechende Haltung ein. Entgegen der ursprünglichen Gesetze eines Buches, fungiert dieses als Vorgeschmack auf das erste, langersehnte Album. Nach nur 20 Tagen beendeten Gewalt ihr Songwriting und begaben sich in die Hamburger Cloud Hills Studios um mit Sebastian Muxfeldt ihre Rohversionen durch die paradiesischen Mixer zu jagen. Aufgenommen in nur 12 Tagen, live, analog und ungeschnitten, vermittelt das Album unpoliert und authentisch die derzeit vorherrschende Grundstimmung.

Wir feiern eine letzte Warehouse Party, fühlen uns schön wie Gott und tanzen einen uns allen verschlingenden Reigen, hinein in die Götterdämmerung.

Ob die Sonne wieder aufgeht, oder es das letzte Mal gewesen sei, das unsere Körper zuckend und mechanisch entstellt durch die mit Sex und Euphorie geschwängerte Luft kreisen, wissen wir nicht. Am Ende bleibt: „Jeder Mensch schafft sich seine eigene Hölle, Jeder Mensch schafft sich sein eigenes Paradies – oft sind beide Welten deckungsgleich.“ (Patrick Wagner) Ebenso wie das der LP Box beiliegende Buch, hört das Debut der Band auf den Namen Paradies. Jeder Text des künstlerischen Werkes schlägt eine Brücke zu den Lyrics. Hinter jedem Gewalttext steht eine Theorie, Anektode oder Beobachtung, die mehr oder weniger eine Randnotiz oder Kurzgeschichte zur Folge hat.

In der Prosa Als wir Könige waren reist Wagner abschließend zurück in das Ostberlin nach dem Mauerfall und erzählt von seinem zwanzigjährigem Ich.

Zusätzlich bietet die der Box zugehörige zweite LP eine komplette Werkschau der von 2016- 2020 veröffentlichten Songs. Vorfreudig dürfen wir den Release des ersten Gewalt Albums für den 05.11.20221, den Tag der letzten Online-Lesung verkünden. Shoppen könnt ihr hier oder hier.

Titelbild: Gewalt | (c) Pressefreigabe

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