Ausgehend von der eigenen Familiengeschichte hat der Rechtsanwalt und Autor Achim Doerfer das Buch Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen – Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung geschrieben, veröffentlicht wurde es bei Kiepenheuer & Witsch.

Dass bei den Premieren von Inglourious Basterds (dem Film von Quentin Tarantino) das Publikum jubelte, ist keine große Überraschung. Schließlich räumte der Film irgendwie auch mit dem Märchen der widerstandslosen Jüdinnen und Juden auf, das sich bis heute durch die Erinnerungskultur zieht. In Deutschland erinnert man lieber an Widerstandskämpfer:innen wie Sophie Scholl, was sicherlich richtig und wichtig ist, dennoch unterstreicht man damit auch eine Haltung in Richtung Vergangenheit. Es hat den Touch von Rehabilitation für die deutschen Täter:innen, wenn man aufzeigt, das es Widerstand innerhalb der Bevölkerung gegeben hat.

Achim Doerfer will mit dem Gedanken in unser aller Köpfen aufräumen und beschreibt Widerstandsgeschichten und Racheakte, die zum Beispiel bei jüdischen Partisan:inengruppen, in den Ghettos, aber auch innerhalb der jüdischen Brigadengruppen bei der britischen Armee vollzogen wurden.

In einem weiteren Schritt beschreibt er detailliert das Versagen der deutschen Justiz nach 1945, wo ein systematisches Verschonen der Täter:innen stattgefunden hat. Dies hatte im Umkehrschluss zur Folge, das die Opfer nie wirklich Gerechtigkeit erfahren durften. Am Ende des Buchs bleibt die ernüchternde Feststellung, das eine Versöhnungsarbeit nie wirklich existiert hat. Stattdessen wurden die Täter:innen aus der Mitte der Gesellschaft wieder eingegliedert und verkauften sich als Demokraten. Ein Versagen auf allen Ebenen, Achim Doerfer hat ein wichtiges Buch dazugeschrieben.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.