Naked Lunch – All is fever

Naked Lunch – All is fever

Die Klagenfurter Band NAKED LUNCH, welche seit 1991 besteht, hat etliche Ups and Downs in ihrer Karriere erlebt. Die Alben sind deshalb möglichst nicht losgelöst von der Band-Geschichte zu betrachten und zu hören.

Nachdem die vierköpfige Truppe bereits und unter Anderem über Louisville und Universal vertrieben wurde, erscheint das neue Album „All is fever“ bei Tapete. Gespannt darauf, wie der erneut angekündigte Wechsel in Sound und Atmosphäre sein würde, spazierte ich mit Kopfhörern auf den Ohren durch die winterlich graue Stadt. Schon beim Opener „Keep it hardcore“ war ich dermassen gefangen, das ich mich trotz der Kälte auf eine Bank setzte. Ich wollte beim nächsten Track „The sun“ weiter spazieren, liess es aber bleiben, weil das großartige Eröffnungs-Lied vom Zweitling noch übetroffen wird.

„Keep it hardcore, keep it real, keep it left, and please keep your will“, singt, nein – fleht fast schon Oliver Welter im Opener. „The sun“ glänzt wall-of-sound-mässig, der Raum ist voll von schönen Klängen und Instrumenten, ohne das der Track kitschig wird oder zu viel des Guten passiert. Vielleicht liegt das unter anderem auch an der interessanten Stimme des Sängers, die einen Kontrapunkt darstellt, da sie häufig zerbrechlich klingt, gleichzeitig aber auch voller Hoffnung sein kann.

Die Lieder werden im Lauf der Platte etwas stiller (wie bei „41“) oder etwas weniger opulent – wie bei der hübschen Spät-Beatles-Remizenz „My Lonely Boy“) und legen den Focus manchmal auf einzelne Instrumente, wie Gitarre oder Klavier. Der melancholische Grundton wird beibehalten. Es lassen sich viele Verbeugungen oder Anspielungen auf mehr oder weniger bekannte Künstler hören – ein Namedropping möge hier nicht stattfinden, aber aufmerksame Hörerinnen und Hörer werden recht schnell merken wo der Hase lang läuft.

Bis zum Anfang der Neunziger machte Ironie höchstens ein Prozent der Unterhaltung aus. Das hat sich seitdem geändert: es gibt eigentlich kaum noch un-ironische Kultur. Woran das wohl liegen mag?

NAKED LUNCH haben mit „All is fever“ ein Album ohne Ironie produziert. Das lässt eine Nähe zu, die weder klebrig noch hemdsärmelig daher kommt. Gegen Ende von „All is fever“ sind die Türen zur Gefühlswelt so weit geöffnet, daß die beiden traurigen Schlusslieder „The Funeral“ und „Over it“, die Vergänglichkeit und Sterben als Thema haben, die Welt kurz mal stehen bleiben lassen.

„Everything changes, when you are gone.“

P. S.: Ich blieb bis zum letzten Ton des Albums und danach auch noch eine Weile auf der Bank sitzen.

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Von Veröffentlicht am: 05.02.2013Zuletzt bearbeitet: 02.12.2018426 WörterLesedauer 2,1 MinAnsichten: 906Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: , , , 0 Kommentare on Naked Lunch – All is fever
Von |Veröffentlicht am: 05.02.2013|Zuletzt bearbeitet: 02.12.2018|426 Wörter|Lesedauer 2,1 Min|Ansichten: 906|Kategorien: Alben, Kritiken|Schlagwörter: , , , |0 Kommentare on Naked Lunch – All is fever|

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Über den Autor: Nico Kerpen

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