Durch ein nettes Video mit einer Review zum aktuellen Album von Show Me A Dinosaur bin ich auf Magnetic Audio und dem Menschen dahinter, Seeb Gerischer, in Kontakt getreten. Nach etwas Geartalk hat mir Seeb das Album seines Projekts Zerfall zukommen lassen. Da ich nach kurzem Reinhören recht schnell begeistert von der Herangehensweise an instrumentalem Post-Black Metal war, möchte ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten.

Part I – Entstehung beginnt mit schwammigen Akkorden und baut langsam eine düstere Stimmung auf, bis das Schlagzeug sich dazu gesellt. Nach einer kurzen Weiterführung des anfänglichen Riffs wird erstmals das Tempo angezogen und die ersten zögerlichen Melodien treten in Erscheinung. Danach wird das Tempo wieder etwas gedrosselt und die Melodie wird weitergeführt, dabei aber leicht zurückgefahren. Nach knapp vier Minuten gibt es ein kurzes cleanes Zwischenspiel, aber nur um danach wieder in rasende Melodien auszuarten, die in treibendes mittleres Tempo münden. Es wird leicht psychedelisch dank verschiedener Gitarreneffekte. Hier lassen sich schöne Post-Rock-Einflüsse ausmachen. Nachdem nochmals das Tempo ordentlich angezogen wird, steigert sich Part I – Entstehung immer mehr zu meterhohen Klang- und Krachwänden, die zum Ende eingerissen werden.

Der ruhige Anfang von Part II – Ereignisse wird recht schnell von einem schnellen Part abgelöst, um kurz später in völliger Ruhe zu verweilen. Hier passiert in zwei Minuten verdammt viel. Die Dynamiken mit Lautstärke und Stille begleiten immer wieder durch die Musik von Zerfall. So auch durch den zweiten Song, der mit über achteinhalb Minuten recht lang geraten ist, aber durch die abwechslungsreichen Parts nie langweilig wird. Auch hier lässt sich das unglaublich variable Schlagzeugspiel sehr hervorheben. Doch auch die Gitarren stehen dem in Nichts nach und aus viel Reverb und weiteren wenigen Effekten wird das Maximum an Stimmungen transportiert. Sehr gelungen finde ich auch das Ende, welches abermals in noisige Gefilde abdriftet.

Zum Abschluss gibt es mit Part III – Erinnerungen ein 16-minütiges Epos. Die Wechsel zwischen Laut und Leise werden mit viel Zeit regelrecht zelebriert und die beiden Musiker an Gitarre und Schlagzeug geben wirklich alles und fahren ihre Stärken voll aus. Hier kommt auch besonders gut der Jam-Charakter der einzelnen Stücke zum Vorschein. Natürlich hat sich das Duo vorher Gedanken zum Songaufbau gemacht, jedoch wirken viele Parts improvisiert, was jetzt nichts Schlechtes bedeutet.

Insgesamt ist Wach ein interessantes Stück, was durch die vielen Wechsel der Stimmung und die dynamische Spielweise der beiden Instrumente seinen ganz eigenen Charme entwickelt. Der Sound ist organisch mit einem unglaublich gut in Szene gesetztem Schlagzeug und einem Gitarrensound, der einen angenehmen Rotz mit sich bringt. Ein Problem sehe ich nur im Wiedererkennungswert der einzelnen Songs, da es kaum Wiederholungen von Parts gibt. Auf der anderen Seite muss man sich als Hörer voll auf die halbstündige Reise, auf die Zerfall einlädt, einlassen. Es ist unüberhörbar, dass hier zwei sehr versierte Musiker am Werk sind, von denen noch einiges zu erwarten ist. Für eine erste Veröffentlichung lässt das Dargebotene aufhorchen, da durch den Jam-Charakter die Black Metal-Einflüsse so noch nicht in Szene gesetzt wurden. Und auch das Artwork ist mit seinen leicht verschwommenen Aufnahmen sehr stimmig. Man darf gespannt sein, was da in Zukunft noch kommt.

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