Die große Kunst des Kompilierens – Ein überaus buntes Potpourri für den guten Zweck.

Köln/Hamburg im Jahr 2022. Zwei der größten und schönsten Indie-Labels des Landes tun sich zusammen und sammeln für die gute Sache. Die kompletten Erlöse des Samplers Seenotrettung ist kein Verbrechen, der als 2CD, 2LP und 2LP + 7“ erscheint, werden dem Verein Sea Punks e. V. gespendet. Erklärtes Ziel ist es, deren neu angeschafftes Seenotrettungsschiff SEA PUNK ONE auf seine erste Mission Richtung Mittelmeer zu schicken.

Der Verein wurde 2019 gegründet und strebt nach einer Gesellschaft, in der Flüchtende willkommen geheißen und unterstützt werden. Eine Gesellschaft, in der diese Menschen als Teil der Gemeinschaft und nicht als Problem wahrgenommen werden. Eine Gesellschaft, die nicht dabei zusieht, wie Menschen sterben, weil sie auf ihrem Fluchtweg ignoriert, abgewiesen oder zurückgedrängt werden.

Die Verantwortlichen dazu:

Wir haben nichts als Respekt und Liebe und Hochachtung für Menschen übrig, die ihre Zeit zur Verfügung stellen und ihr Leben aufs Spiel setzen, um andere Menschen zu retten. Danke, dass ihr euch traut und das tut, was wir nicht machen. Verschenkt diesen Sampler, streamt ihn und verschenkt ihn dann nochmal. Es ist so einfach zu helfen. Auf das es bald die Sea Punk 2, die Sea Grufti 3 und die Sea HipHop 4 gibt. Oder noch besser: Dass wir diese Schiffe alle nicht mehr brauchen.

Timo Löwenstein (Unter Schafen) und Rainer G. Ott (Grand Hotel van Cleef)

Wer das wie wir geil findet und noch dazu gerade Kohle locker hat, die er dieser wunderbaren Sache überlassen will/kann, der bekommt dafür ein wirklich geil zusammen gestelltes Stück Musik aus deutschen Landen, mit einigen der besten Acts, die wir zu bieten haben. Wer möchte, kann natürlich auch mehr als die aufgerufenen Preise dafür zahlen und unterstützt den Verein damit vollumfänglich.

Bei mir kam das gute Stück jedenfalls in Form einer sauber gepressten, super aufgemachten und vor allem superb klingenden Doppel-LP an und dreht seither freudig seine Runden.

Neben den richtig „großen“ Unterstützern wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen, die jeweils Songs aus ihren aktuellen Alben zur Verfügung stellen (vor allem das köstliche Our Bassplayer Hates This Song aus Berlin), kommen natürlich auch die hiesigen Indie-Protagonisten wie etwa Tocotronic oder Kettcar mit aktuelleren Singles zu Wort. Das natürlich inhaltlich stimmige Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun) von letzteren fügt sich hier ebenso gut ein, wie im Kontext des ursprünglichen Albums. Hinsichtlich Pianomusik fehlt „Antilopen-Dan“ mit seiner immergrünen Hymne für die Kunstfreiheit ebenso wenig wie Fabers unfassbar bitter-zynisches Das Boot Ist Voll.

Andere mehr oder minder sanfte Balladen kommen von Steiner & Madlaina, die folkig-sanft das vermeintlich schöne Leben thematisieren oder Casper, der mit Haiyti das wiederum miese Leben, aber doch immerhin auch die Wolken besingt. Oder halt rappt.

Viele unbequeme, mit der einschlägigen Thematik durchzogenen Stücke, allem voran von Kummer, Neufundland oder Turbostaat, stehen genau so gut dar und im Gesamtfokus wie musikalisch launigere Sachen von etwa Jan Delay/Denyo mit dem durchaus tanzbaren Spaß oder Thees Uhlmann mit dem munteren, aber ernsten Junkies und Scientologen.

Alles in allem findet sich hier eine vielfältige Stilmischung einiger der wichtigsten, hiesigen Bands und Künstler:innen, die sich im weitesten mit dem Thema Flucht lyrisch auseinandersetzen und ein in sich absolut stimmiges Sampler-Konzept abliefern. Normal freut es mich immer, wenn auf Samplern unveröffentlichtes, Coverversionen, Demos, Outtakes oder B-Seiten, die es nicht auf die regulären Alben geschafft haben, dargeboten werden. Hier passt das Konzept und es reihen sich Singles (oder zumindest singlewürdige) Stücke perfekt aneinander.

Also: tut was! Für Euch und vor allem für die Welt.

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