José González – Vestiges & Claws

José González – Vestiges & Claws

Dass José González auch fernab von großartigen musikalischen Arrangements Atmosphäre und Emotionen schaffen kann, wurde bereits auf seinem Debüt-Album „Veneer“ deutlich. Auch knappe 12 Jahre später bleibt sich der Schwede diesbezüglich treu und veröffentlicht mit „Vestiges & Claws“ ein neues, gleichermaßen ruhiges und – im wahrsten Sinne des Wortes – entspanntes Album.

Ganze acht Jahre lang war es ruhig um González als Solokünstler. Zwar lebt die Band Junip, mit der er in der Zwischenzeit zwei Alben und drei EPs veröffentlicht hat, ebenfalls von seiner Person und seiner Qualität; musikalisch sind die beiden Projekte jedoch nur im Ansatz zu vergleichen. Dementsprechend sehnlich wurde das neue Werk des Schweden erwartet – hat er seiner Musik eine stilistische Weiterentwicklung verpasst oder klingt er immer noch wie früher?

Die Antwort auf die Frage findet sich glücklicherweise schon im Opener „With The Ink Of A Ghost“: José ist noch ganz der Alte; die neue Platte knüpft atmosphärisch und musikalisch unmittelbar an sein letztes Album an. Auch auf dem fast ausschließlich selbstproduzierten Release Nr. 3 steht seine Akustikgitarre – die er, ebenfalls unverändert, bis heute mit den Fingern zupft – im Mittelpunkt. Parallel dazu erklingt González‘ unverwechselbar gefühlvolle Stimme. Auf ein Neues schafft er es auf beeindruckende Weise, dabei zwar einerseits konstant seine Stimmlage, andererseits aber nicht ein einziges Mal die Spannung und Intensität seines Gesangs zu ändern.

Selbst trotz des herausragenden Instrumental-Songs „Vissel“ wäre es allerdings fatal, den Sohn eines argentinischen Paares rein aufs Musikalische zu beschränken. Auch lyrisch beweist er wieder einmal sein Können, wenn er in “Every Age” über Anthropologie philosophiert („Every Age has its turn, every branch of the tree has to learn“) oder in „Open Book“ zwischenmenschliche Trennungen verarbeitet („What am I doing here, what’s this leading to, what’s the point of all without you?“).

„Vestiges & Claws“ hätte nach langjähriger Solo-Pause also ein bahnbrechendes, außerordentliches Werk werden können. Stattdessen beruft sich José González auf das, was er am besten kann: Singen und Gitarre spielen. Seit der letzten Veröffentlichung mag zwar inzwischen fast ein Jahrzehnt vergangen sein – hören tut man dies allerdings nicht einmal ansatzweise. Und das ist, ehrlich gesagt, auch genau die richtige Entscheidung gewesen.

José González – Vestiges & Claws
01 With the ink of a ghost
02 Let it carry you
03 Stories we build, stories we tell
04 The forest
05 Leaf off / The cave
06 Every Age
07 What will
08 Vissel
09 Afterglow
10 Open book

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Von Veröffentlicht am: 19.02.2015Zuletzt bearbeitet: 02.12.2018417 WörterLesedauer 2,1 MinAnsichten: 938Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: , , , , , 0 Kommentare on José González – Vestiges & Claws
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Über den Autor: Gregor Groenewold

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