Antifolk nannte man vor 20 Jahren eine musikalische Ausdrucksform, die ihren Ursprung im New York der 90er Jahre hatte und Anfang der 2000er dann durch Protagonist:innen wie Adam Green und Kymia Dawson einen kurzen, eruptionsartigen Popularisierungsschub erhielt.

Kennzeichnend war die Kombination aus lieblich-süßen Popsongs und einer bewusst dilettantischen, rotzigen Umsetzung. Die Vierspurmaschine im heimischen Wohnzimmer wurde den altbewährten Hochglanzstudios vorgezogen, was zur Konsequenz hatte, dass die eigene, Radiomusik-erprobte Mutter beim Mitlauschen im einen Moment dachte, dass ihr das auch durchaus gefallen würde, um im nächsten, von irritierenden Störgeräuschen geprägten Moment zu sagen, dass das ja schon ganz schön seltsam klingt.

Ein bisschen ähnlich verhält es sich so mit der Musik von Daniel Blumberg. Sie basiert ganz eindeutig auf harmonischer Popmusik, doch wird diese immer wieder in ihre Einzelteile zerlegt, unterbrochen von kurzen Episoden, die ob des disharmonischen, arhythmischen Charakters eher an John Cage als an die Beatles erinnern. Somit gleicht die Musik auf On&On einem ständigen Auf-und-Ab: Kurze Momente der Ruhe suggerieren Sicherheit und Entspannung, doch ist diese Ruhe immer nur von vorläufigem Charakter.

Bei der musikalischen Umsetzung behilflich waren Blumberg mehrere Musiker:innen aus dem Umfeld der Improv-Bühne des Café OTO in London, die mit ihrem experimentellen Spiel letztlich entscheidenden Anteil daran haben, dass das Album nicht als eine weitere, nette Singer-Songwriter-Platte verpufft. So klingt das Album am Ende, als hätte Neil Young sich zu Harvest-Zeiten an einem entspannten Sonntagnachmittag mit einer Musiktherapeutin und ihren mit seltsamen Rasseln und verstimmten Cellos ausgestatteten Klient:innen getroffen mit der Anleitung, ihren Gefühlen ein mal Tür und Tor zu öffnen.

On&On ist seltsam und dabei wahnsinnig gut.

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