Mit dem zuletzt 2017 erschienen Album Two Parts Viper konnten ’68 ihren Status als krachiges Blues-Duo untermauern.

Das Album konnte durch eine sehr abwechslungsreiche Weise überzeugen, was aus Blues alles entstehen kann. Und der ’68-Wahnsinn kam definitiv nicht zu kurz. Mit Give One Take One steht nun der heiß erwartete Nachfolger an. Und soviel sei verraten, er ist verdammt gut geworden.

Mit The Knife, The Knife, The Knife startet das Album auch sofort mit einer ziemlich fetten Nummer, die neben den bekannten groovigen Riffs auch ein schön schräg begleitendes Piano erklingen lässt. Nach knapp zwei Minuten fällt der Song in sich zusammen und lässt plötzlich leise Töne erklingen. Diese werden jedoch recht schnell wieder in die alten Riffs umgewandelt. ’68 wissen halt, wie Laut geht.

Bad Bite ist eine coole Stop-And-Go-Nummer, die richtig gut nach Vorne treibt und einen ziemlich guten Refrain zum Besten gibt. Live wird das bestimmt eine richtig große Nummer.

Das folgende Nickels And Diamonds klingt ein wenig wie britischer Indie auf Steroiden. Eine Gitarrenmelodie begleitet den kompletten Song, wird immer wieder abgewandelt und weitergesponnen. Der Wahnsinn lässt hier grüßen. Zusammengehalten wird alles vom unglaublich tighten Schlagzeugspiel, das hier richtig schön zur Geltung kommt.

What You Feed hat ordentliches Hitpotential mit einer kleinen Melodie, die sich im Kopf festsetzt und den Song voran treibt. Insgesamt ist die Stimmung, passend zum Text, etwas verzweifelter. What You Starve geht wieder den bekannt schrägen bluesigen Weg. Für ’68 ist die laute groovige Nummer typisch und zeigt super die musikalischen Wurzeln des Duos, die klar in den Südstaaten der USA zu finden sind.

Das folgende The Silence, The Silence, The Silence ist kurz, aber umso heftiger. Entgegen zur Stille im Songtitel wird das Stück von synthetisch klingenden Gitarren und dem präzisen Schlagzeugspiel getragen und endet so plötzlich wie es begonnen hat.

Life And Dept geht glatt als Ballade durch. Scogin sinniert über eine unsichere Zukunft, kommt zum Ende hin jedoch zu versöhnlichen Gedanken. An sich der perfekte Rausschmeißer für ein Konzert. Als Hörer:in wird man nachdenklich, aber zufrieden entlassen. Lovers In Death darf dann zeigen, was Scogin früher für Musik gemacht hat. Der chaotische Songaufbau mit seinen Laut-Leise-Dynamiken und seinen kaputten Gesangsspuren hätte auch von The Chariot stammen können. Es passiert so viel, da ist es nicht leicht allem zu folgen, aber Spaß macht es auf jeden Fall.

Nervous Passenger klingt sehr düster, was die Gesangslinien gut unterstützen. Die bedrückende Stimmung wird bis zur letzten Sekunde gehalten. Auch so was steht ’68 sehr gut zu Gesicht.

Der Abschluss mit The Storm, The Storm, The Storm zeigt nochmals die dunkle Seite des Duos. Der Anfang des 7-Minüters hat was von einem dramatischen Film, bei dem man kurz vor einem Endkampf steht. Wenn das Schlagzeug einsetzt wirkt der Song verdammt drückend. Sprachsamples begleiten, bevor Scogin mit einem Gitarrensolo aufhorchen lässt. Das Ganze wiederholt sich zwei Mal bevor man mit einigen Geräuschen entlassen wird.

Josh Scogin und Drummer Nikko Yamada haben mit Unterstützung von Produzent Nick Raskulinecz ein unglaublich fokussiertes Album erschaffen, das die Stärken der Band bündelt und immer im rechten Licht erscheinen lässt. Die Gitarren klingen unglaublich dreckig und druckvoll, auch dank Octaver, während das Schlagzeug sehr differenziert klingt und dadurch jeder Schlag auf Trommeln und Becken perfekt zu vernehmen ist. Die Texte bleiben persönlich und metaphorisch, verständlich, dass das Schreiben des Albums eine therapeutische Wirkung auf die beiden Musiker hatte. Insgesamt ist Take One Give One eine runde Sache, der man das Herzblut und die Spielfreude zu jeder Sekunde abnimmt.

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