Als The Antlers-Mastermind Peter Silberman nach dem letzten Album Familiars (2014) und den folgenden Tourneen einen Hörsturz erlitt, war es das faktische Ende der von Kritikern und Publikum nach dem genreprägenden Album Hospice (2009) gleichermaßen hochgelobten wie gefeierten New Yorker Indie-Rock-Band, zumal vom kreativen Trio nach dem Ausstieg des Multiinstrumentalisten Darby Cicci, der auch am Songwriting der Alben Burst Apart (2011) und Familiars mitwirkte, nur noch Silberman und Schlagzeuger Michael Lerner übrig blieben.

Peter Silberman der die Band von genau 15 Jahren als Soloprojekt begründete und sich erst nach den zwei Alben Uprooted (2006) und In the Attic of the Universe (2007) musikalische Mitstreiter gesucht hatte, flüchtete aus New York aufs Land um die Hörproblemen auf dem linken Ohr, die es ihm nur schwer ermöglichten Musik zu machen auszukurieren.

Ganz vorsichtig begann er nach mehr als zwei Jahren wieder Songs zu produzieren und sein Solo-Album Impermanence, das im Jahr 2017 veröffentlicht wurde, ist eine atmosphärische und zerbrechliche Meditation, die in Zusammenarbeit mit Nicholas Principe (Port St. Willow) entstand und eine Ode an das Minimalistische und eine langsame dahingleitende Wanderung durch dichte Klanglandschaften.

Ein richtig tolles Album für alle, die Ruhe und innere Reflexion suchen, aber auch die totale Abkehr und das Gegenteil des übermächtigen Hospice, das ein in sich geschlossenes Werk über den Tod war und bei dem traurig-wütende Songs, verzweifelter Lärm und betörende Reflexion dicht und schmerzhaft beieinander lagen.

Bei Green to Gold ist die Vorsicht und die Zurückhaltung in Tempo und Atmosphäre immer noch spürbar und genau in dieser Tonart beginnt da Album mit dem Track Strawflower, der die Wärme und Wohligkeit einer Sommernacht versprüht. Ein entspannter Album-Opener, der einen klassischen Folk-Ansatz als das immer wiederkehrende musikalische Thema in den Vordergrund stellt und als einziger Song auf dem Album ganz ohne Gesang auskommt.

The Antlers – Green To Gold (Full Film)

Dieser Song ist zudem ein gutes Beispiel für die musikalische Reduzierung, die das Arbeiten als Duo – Peter Silberman hat Michael Lerner wieder an Bord geholt – mit sich bringen kann und wie man diese als Stilmittel einsetzt. Diese bewusste Beschränkung zieht sich durch fast alle Songs auch wenn so manchen mit einem wunderbaren Klangteppich aus Chorgesang daher kommt. Das stoische Schlagzeug ist ein stetiger und treuer Begleiter, der den Takt vorgibt. Es wirkt oft zurückgenommen und bewusst roh belassen.

Durchzogen von Zuversicht und positiven Impulsen, wirkt das Album wie ein ruhiger Tag auf dem Lande mit gemächlichem Spazierganz im Wald. Wie ein guter und treuer Freund, mit dem man ehrliche Gespräche führen kann und der das Zuhören beherrscht.

Die Ansammlung wunderschöner eingängiger aber nie aufdringlicher Melodien ist überwältigend und macht es umso schwerer einzelne Songs aus dem Album hervorzuheben. Die Tracks sind durchgehend folkiger und klingen nach Shoegaze und Americana. Bereits beim ersten Hören kommt es einem vor, als würde man die Songs schon lange kennen, so sehr schmeicheln diese sich in den Gehörgang ohne aber anbiedernd zu sein.

Die zehn Tracks des rundum gelungenen und wunderbaren Albums sind eine wahre Wohltat in der aktuellen fordernden Situation, in der viele Menschen angesichts der weltweiten Pandemie von Zukunftsängsten, dem Zweifel an Politik und Gesellschaft sowie Perspektivlosigkeit betroffen sind.

Unzweifelhaft ist Peter Silberman mit dem Album Green to Gold ein ganz großer Wurf und tatsächlich die Wiederauferstehung von The Antlers gelungen. Schade nur, dass solche tiefgründigen und beruhigenden Songs nur bedingt radiotauglich sind und somit wahrscheinlich wieder nur eine begrenzte Hörerschaft erreichen werden. Ohne Übertreibung sicherlich eines der besten Alben des Jahres 2021.

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