Meinem Erinnerungsvermögen nach bin ich das erste Mal im kleinen Raum vom Underground, um mir Bands anzuschauen. Normalerweise ist das Underground nicht meine erste Wahl.
Aber diesmal führte kein Weg dran vorbei und das Kommen war ein absolutes Muss, denn die aufgebotenen Bands versprachen schon von vornherein beste Abendunterhaltung.

Den Anfang machten relativ pünktlich The Tidal Sleep. Die Mannheimer sind ja mittlerweile Vielen ein Begriff, unter anderem durch Ihre vielen Supportshows für z.B. Defeater, Xerxes und Funeral for a Friend. Gerade waren sie noch auf Tour mit FJØRT.

Und es ging direkt in die Vollen. Ich denke, die Bands mussten an diesem Abend losen, um die Reihenfolge zu finden, denn Opener oder Headliner passt zu keiner der Bands.Der Sound war gut, aber meines Erachtens ein wenig zu laut. Es war dann doch etwas kratzig in den Ohren, was ich aber komplett auf den blöden Schnitt des Raumes schiebe. Aber dennoch wars ein riesiges Feuerwerk was hier geboten wurde und der schon gut gefüllte Raum heizte sich schon ordentlich auf. Die Stimmung war sehr gut, auch wenn außer Kopfnicken nicht viel Bewegung im Raum war. So konnte die Musik aber um einiges besser wirken. Eine wirklich klasse Band, die sichtlich Spaß hatte und für den perfekten Start gesorgt hat.

Nach kurzer Umbau-,Raucher- und Bierholpause gings dann weiter mit Ashes of Pompeii. Ich musste kurz nachschauen, aber dieses Jahr steht schon der zehnte Bandgeburtstag an. Das letzte Mal hab ich die Band 2012 in Berlin gesehen und war damals schon begeistert, was die so aufs Parkett zaubern. Und auch heute waren sie wieder ganz groß. Der Sound wurde nun ein wenig besser und wirkte definitiv klarer, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass ich jetzt am anderen Ende des Raumes stand. Auch wirkte das Publikum auf mich auch etwas aufgeweckter. Es wurde fleißig mitgeschrieen und mitgesungen. Mittlerweile sitzen die Texte, ist doch meines Wissens „Places“ neben der „Live At Lala-Studios“-Session im letzten Jahr der letzte Output der Band. Und auch hier wieder sehr viel Bewegung auf der Bühne, was viel Atmosphäre in den Raum brachte. Schon jetzt hatte es sich komplett gelohnt, zu kommen, aber da standen ja noch zwei Bands in den Startlöchern.

Zen Zebra sind bisher irgendwie an mir vorbei gegangen, obwohl sie ja schon längst keine Unbekannten mehr zu sein scheinen. Gegründet im Jahr 2007, über 200 Konzerte, eine EP, eine LP. Das kann sich schon sehen lassen.
Auch live wurde man nicht enttäuscht, sogar ganz im Gegenteil. Das Publikum war anfangs sehr verhalten. Auch wurde es ein wenig leerer als bei den vorigen Bands. Meines Erachtens nach war Zen Zebra die technisch stärkste Band am Abend. Da stimmte einfach alles. Auch wenn – mal abgesehen vom Sänger, der die Lieder wirklich gelebt hat – nicht wirklich viel Bewegung auf der Bühne war, so war es umso beeindruckender, was der Rest der Band an ihren Instrumenten leistete. Zwei Strobos vorm Schlagzeug setzten den Schlagzeuger, der wie ein Uhrwerk funktionierte (hier absolut positiv gemeint!!!), eindrucksvoll in Szene. Ein wirklich tolles Set, auch wenn der Gesang manchmal etwas unterging. Das wäre dann aber auch der einzige Kritikpunkt.

So langsam wurde es dann ein wenig anstrengend. Jede Band hatte bisher ein 40-Minuten Set dargeboten und irgendwann nagt dann auch der Hunger an einem. Das sind dann die Probleme, die entstehen, wenn vier wirklich sehenswerte Bands spielen. Also Zähne zusammengebissen, denn jetzt kamen FJØRT. Die sind ja spätestens seit ihrem neuen Album „D’Accord“ in aller Munde und das völlig zurecht, gehört das Album doch zu meinen bisherigen Jahresfavoriten. Dementsprechend gespannt war ich auf ihr Set. Es ist immer wieder beeindruckend, wie eine 3-köpfige Combo solch eine Power erzeugen kann. Man musste ein wenig Sorge haben, dass es nur ein kurzes Set werden würde, da angeblich um 23 Uhr Schluss sein sollte, weil danach laut Gitarrist Chris „Musik aus der Konserve“ folgen sollte. Zum Glück wurde es dann doch kein 10 Minuten Set. Perfekter Sound, perfekte Stimmung, ein voller Raum, nur Hits und viel Mitgeschreie setzten dem Konzertabend ein würdiges Ende. Etwas unangenehm fielen die zwei Altrocker direkt vor mir auf, die nach nasser Lederjacke und einer Haarspray-Fabrik dufteten und mit der Musik absolut nichts anfangen konnten und das auch lautstark kundtaten.

Nach einer netten Dankesrede fürs Kommen – wo doch auch Dredg zeitgleich im Gloria aufgespielt hatten – und fürs Bleiben beendeten FJØRT mit „kleinaufklein“ den Abend und für mich begann die Qual der Wahl am Merchstand.
Obwohl ich mit leeren Händen den Heimweg antreten wollte, hatte ich dann doch Platten von The Tidal Sleep und von Ashes of Pompeii in den Händen. Glücklicherweise hatten Zen Zebra ihre Platten vergessen, sonst wäre es doch noch ein sehr teurer Abend gewesen, aber jeden Cent wert!

 

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