Das altehrwürdige Gleis 22 in Münster bietet am Konzertabend seine Bühne für ein Dreiergespann, das es in sich hat.

Der Platz vor der nicht nur in Indie-Kreisen beliebten Location füllt sich ab 20.30 Uhr zunehmend. Offensichtlich ist der Andrang groß, geben sich doch drei aufstrebende Bands die Ehre, die zum Teil schon länger kein Geheimtipp mehr sind.
Freiburg aus Gütersloh eröffnen den Abend und geben mit prägnanten, auf den Punkt gespielten Beats eine klare Linie vor. Die Drums sind sehr präsent, der Gesamtsound stimmig und die Band hat ihren Spaß. Das Publikum muss zwar zunächst noch überzeugt werden, das Gleis ist jedoch gut gefüllt und Freiburg genießen von Anfang an die ungeteilte Aufmerksamkeit der Leute.

Die Band hat die kürzlich aufgenommene LP „Aufbruch“ (erschienen auf This Charming Man Records; die erste Auflage ist bereits ausverkauft) im Gepäck. Die Musik erinnert oft an frühe Turbostaat und das Quartett schafft es, ein intelligentes Songwriting mit allerlei Finessen live wiederzugeben und dabei trotzdem konsequent nach vorne zu gehen.

Durch die Mischung aus Catchy Riffs und erfrischendem Spielwitz können Freiburg auf ganzer Linie überzeugen. Die routinierte Liveshow bleibt dabei vergleichsweise zurückhaltend, was aber nicht negativ auffällt.

Nach der Umbaupause überraschen Jungbluth mit einem kurzen Soundcheck, der einem durch Mark und Bein fährt. Uff, die sind wirklich laut. Während Freiburg zwar auch nicht gerade leise erklangen, entfesseln Jungbluth eine wahre Dampfwalze an Sound – sowohl Gitarre als auch Bass spiele jeweils über zwei Verstärker gleichzeitig und erreichen damit eine beeindruckende Intensität.
Für Jungbluth ist das Konzert an diesem Abend zumindest laut Ankündigung eine Release-Show, was aber eher nebenbei erwähnt wird. Die 7’’-Split-EP mit Callow gibt’s jedenfalls am Merch-Stand zu haben.
Die urgewaltige Lautstärke trägt dem monumentalen Klangbild von Jungbluth Rechnung. War vorher noch Punk angesagt, werden hier Hass und Tristesse freigelegt. Die kalte Atmosphäre, die auch die LP „Part Ache“ auszeichnete, wird von der Band perfekt transportiert. Authentisch und ehrlich wirken Jungbluth, wenn sie sich auf der Bühne in der Musik treiben lassen und gleichzeitig mit mächtigen Klangwellen den Boden beben lassen.
Zu bemängeln ist allenfalls, dass die Shouts vom Bassisten leider nicht sehr gut durchkommen, ganz im Gegensatz zu den Mainvocals. Nach einem recht knappen Set und vielen Danksagungen verlassen Jungbluth die Bühne und hinterlassen ein etwas beunruhigendes Gefühl.

Trainwreck aus Aachen/Göttingen/Bremen beenden schließlich mit einer Mischung aus eingängigen Melodien und Moshparts den Abend. Die Band liefert absolut professionell ab und bringt das Publikum in Wallung; wirklich gemosht wird allerdings dann doch nicht – zum Glück, denn das könnte bei den Dimensionen des Raums und der Publikumsdichte schnell ungemütlich werden. Hardcore dieser Art hat man des Öfteren schon gehört, Trainwreck bieten an dieser Stelle also nicht wirklich Neues. Leider ist der Bass besonders gegen Ende deutlich zu laut, was den Gesamteindruck jedoch nur wenig schmälert. Trainwreck spielen ein solides Set mit einer Zugabe und werden vom Publikum gebührend gefeiert.

Insgesamt haben Freiburg, Jungbluth und Trainwreck einen intensiven und äußerst unterhaltsamen Konzertabend beschert.

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