„Zu verwerfende Pläne“ – ein Plattentitel, der in so mancher Hinsicht stutzig machen kann. Er klingt irgendwie nach Aufgabe und Resignation. So scheint es aber in den Herzen von KÄFER K gar nicht auszusehen. Wir haben es mit einer Band zu tun, die ziemlich genau weiß, was sie kann und was sie will und eben auch was sie nicht will. Nach einer turbulenten Zeit mit über vierzig Konzerten in einem Jahr, einem Wechsel an der Gitarre und es sogar unsicher war, ob diese Band überhaupt weiter existieren wird, gibt es viel zu erzählen. KÄFER K berichten, wie man mit schwierigen Situationen umgeht und was das Besondere an „Zu verwerfende Pläne“ ist.

PiN: Ist „Zu verwerfende Pläne“ eine Art Antwort auf „Von scheiternden Mühen“?

Jürgen: Man kann es als Fortsetzung verstehen. „Zu verwerfende Pläne“ ist dann der abschließende Teil. Nicht dass wir mit der Band abschließen, aber doch mit anderen Dingen. Vorher gab es Situationen, in denen man dachte, man geht daran zu Grunde, und so hat es sich bei der Platte davor angefühlt. Jetzt kann man das einfach abhaken. Die Alben beziehen sich auf jeden Fall aufeinander und das kann man, glaube ich, auch heraushören.

Philipp: Wenn die Alben aus der Sicht einer Person wären, hätte sich diese in eine positive Richtung weiterentwickelt. Jetzt werden die Dinge abgewogen, an denen man sonst verzweifelt wäre.

Martin: Vorher war es eher Resignation und jetzt können wir uns den Dingen stellen.

Jürgen: Das Album ist auch wütender. Wir bringen zwar keine aggressive Stimmung rüber, aber etwas mehr wütendes Potenzial ist da.

PiN: Ihr habt bei „269, wer ist König“ als Gastsänger Tom von ADOLAR, oder?

Jürgen: Ja, Tom singt da mit und auch noch Bit und Polly von PAAN. Bit hat mitproduziert in den Lala Studios und ADOLAR bewegen sich ja in Leipzig. Da haben wir sie eingeladen, Wein getrunken und bei der Aufnahme von dem Song meinte Tom sofort: „Ey, da will ich mitsingen!“, und Polly auch. Es waren noch bei anderen Songs ein paar Leute da. Tillmann von TIGERYOUTH und Sören von EMPTY GUNS. Das war allerdings für „Julian lebt mit seinen Lügen“ auch so geplant. Dieser Dialog in dem Song ist tatsächlich passiert. Ich bin betrunken nach Hause gekommen und unter meinem Fenster haben sich zwei gestritten. Die Fetzen, die ich mitbekommen konnte, habe ich mitgeschrieben. Wie die Situation bei denen genau war, hat aber noch keiner von uns so ganz durchblickt.

PiN: Ich hatte den Eindruck, das ihr auf „Zu verwerfende Pläne“ noch mehr mit Texten spielt, zum Beispiel auch mit diesem Dialog, den du gerade erwähnt hast.

Jürgen: Das war auch wirklich der Anspruch. Wir wollten den Fokus bewusst noch mehr auf die Texte legen. Manche Texte sind auch mit Freunden zusammen entstanden. Bei dem Album haben echt viele mitgemacht. Es sind quasi nicht KÄFER K allein, sondern KÄFER K und Freunde. Wir wollten noch präziser schreiben. Auf der letzten Platte gab es wenig Text und der wurde wiederholt. Das haben wir versucht zu vermeiden und stattdessen genauer zu sagen, was wir meinen. Die Texte sind aber immer noch verschachtelt und es wird noch viel mit Metaphern gespielt.

PiN: Ist der Anspruch jetzt im Nachhinein erfüllt?

Jürgen: Ich hab immer noch Schwierigkeiten, selbst zusammenzusetzen, was drinsteckt. Einzelne Sätze und Wörter kann ich noch nicht nachvollziehen. Ohne sagen zu wollen, dass die Texte so super anspruchsvoll sind, aber manchmal steckt dann doch noch mehr dahinter, als die Zeile eigentlich sagt, und man selbst vergisst das.

PiN: Ich hab die Platte als noch düsterer empfunden. Zumindest kommt eine andere Atmosphäre rüber.

Jürgen: Anders ist die auf jeden Fall.

Martin: Die letzte war ja fast weinerlich.

Jürgen: Mir kam die manchmal schon fast poppig vor. Wir waren uns einig, dass diesmal ein Gang hochgeschaltet werden soll.

Philipp: Wir waren beim letzten Album schon auch alle zufrieden. Aber da herrschte bei uns auch eine andere Stimmung. Und rückblickend distanziert man sich zwar nicht davon, aber man sieht sie in einem anderen Licht. Ich finde es aber auch schwierig, die eigene Musik zu werten.

PiN: Es lassen sich viele Referenzen auf eure eigene Musik finden, zum Beispiel bei „Weg von Null“.

Jürgen: Ja, wir reflektieren uns immer selbst. Mit „Weg von Null“ wollen wir uns nicht direkt distanzieren, aber wir vertreten jetzt eine andere Postion und „Weg vom Meer“, worauf der Song sich bezieht, ist ja auch vier Jahre her. Wir tauschen uns untereinander ständig aus, auch nach Konzerten. Und bei dieser Platte merkt man das. Unsere Sachen bauen immer aufeinander auf. Das passiert nicht immer bewusst, aber am Ende gestaltet es sich so.

PiN: Ihr habt musikalisch auch ein paar mehr Breaks eingebaut.

Philipp: Mir war zumindest wichtig, dass mehr passiert. Viele würden vielleicht sagen, dass alles gleich klingt, aber für mich ist der Unterschied hörbar. Ob das Breaks sind, weiß ich jetzt nicht so, aber es ist anders und das war auch gewollt. Wir sind ans Schreiben etwas anders herangegangen. Früher sind die Songs häufig spontan beim Jammen entstanden. Diesmal sind wir etwas systematischer vorgegangen. Wir sind schon immer noch Amateure und mit manchen Musikerbegriffen können wir nicht umgehen, aber diesmal haben wir so was gesagt wie: „So wir bauen jetzt einen Dreivierteltakt ein.“ So etwas haben wir früher nicht gemacht.

Jürgen: Zumindest nicht bewusst. Das ging mehr so: „Hey, der Klick passt nicht mehr, da hat sich wohl der Takt geändert.“ Früher war es etwas planlos und so wie wir es jetzt angegangen sind, war es einfacher. Diesmal haben wir das eine oder andere mehr forciert.

Philipp: Das Schreiben war produktiver, ob man das hört, weiß ich nicht.

Martin: Wir sind nicht wie ADOLAR, wo zum Teil echte Profimusiker am Start sind.

Jürgen: Ich glaube, wir stoßen mit dieser Platte auch an unsere musikalischen Grenzen. Textlich nicht unbedingt. Aber wir wollen die Songs ja auch live umsetzen können. Ich hab keine Lust, drei Jahre zu üben, bis ich spielen kann, was wir uns ausdenken.

Philipp: Wir wollen nichts einbauen, was wir live nicht machen könne. Man spielt zwar im Studio ein bisschen rum, aber nicht mit einer Extra-Gitarre oder so.

PiN: Du meinst damit aber nicht, dass ihr keine bessere Platte mehr machen könnt?

Jürgen: Das weiß man ja nie so. Wir verstehen uns immer noch als absolute Laien. Ich habe Probleme damit, meinen Verstärker richtig einzustellen. Wir setzen uns jetzt aber auch nicht so unter Druck und sagen vor dem Konzert, dass wir jetzt voll abliefern müssen. Wir spielen Konzerte, weil wir mit den Leuten Spaß haben wollen. Wenn wir es verkacken, ist das halt so.

Philipp: Es wird eine spannende Phase, wenn wir jetzt auf Tour gehen. Die Zukunft ist noch ein bisschen ungewiss. Ob die nächste Platte jetzt noch ausgefeilter wird, weiß ich nicht.

Jürgen: Normalerweise hätten wir jetzt schon wieder neue Songs, aber inzwischen sind wir auch zum Großteil berufstätig und es ist nicht mehr so viel Zeit da. Wenn Martin nicht mitgemacht hätte, hätten wir auch nicht weitergemacht. Es geht für uns darum, dass wir mit und bei Menschen Musik machen, die wir mögen, und jetzt können wir das noch so machen.

Philipp: Es gab auch noch andere Leute, die für David in die Band gekommen wären. Da war auch der eine oder andere dabei, der richtig gut spielen konnte, aber wir wollten das auf jeden Fall mit Martin machen.

Martin: Die Zeit, die wir hatten, haben wir gebraucht, um die Songs für die Tour reinzukriegen, deswegen ist auch noch nichts Neues entstanden.

PiN: Ihr arbeitet gern mit Namen, von „Fabius“ bis „Nils Meyer“. Steht da tatsächlich immer jemand hinter?

Jürgen: Nils Meyer war ein Nachbar von Micha und mir, als wir zehn waren. Er war ein gemeinsamer Freund und heute hören wir gar nichts mehr von ihm. Wir könnten ihn vielleicht irgendwie finden, aber wir machen es eben nicht. In dem Song geht es beispielhaft darum, wieso ich das Haus von Nils Meyer neu anstreichen soll, wenn ich das gute Bild, das ich jetzt noch von ihm habe, dadurch kaputt mache. Es sind Beispiele für bestimmte Situationen.

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