NEWS: Sonic Youth veröffentlichen Live-Album am 14.04.2022

NEWS: Sonic Youth veröffentlichen Live-Album am 14.04.2022

Am Donnerstag dem 14.04.2022 verkündeten Sonic Youth nachmittags, zur besten Sendezeit, den Release ihres Live-Auftrittes vom 14.04.1989 in Kiew, Ukraine.

Unerwartet und abrupt endete, ausgelöst durch fatale private Entscheidungen die nicht nur das am 09.06.1984 von Kim Gordon und Thurston Moore geschlossene Ehebündnis, sondern einhergehend mit dieser nur konsequenten Entscheidung zogen Sonic Youth einen vorzeitigen Schlussstrich unter ihre eigene Bandexistenz.

Auch wenn in einem offiziellen Statement der Band nur die Rede von „indefinite Hiatus“ gewesen ist, scheint es auch 11 Jahre danach eher unwahrscheinlich zu sein, dass Kim und Thurston, egal in welcher Konstellation je wieder zusammen auf der Bühne stehen werden. Spätestens mit der Veröffentlichung ihrer Biografie Girl in a Band 2015 erteilte Kim Gordon dem Weichensteller am Gleisdreck in Richtung neuer Aktivitäten eine Absage, denn diese Band kann einfach nur in der bewährten Besetzung, Kim Gordon, Thurston Moore, Steve Shelley, Lee Ronaldo, Mark Alan Ibold Sinn machen. Für die Öffentlichkeit gesprochen, verkörperten die beiden so etwas wie das Traumpaar der alternativen Rockmusik, aber Frau Gordon benötigte nur wenige Worte um zum Ausdruck zu bringen:

Sonic Youth are done, Sonic Youth are gone.

1981 traten Kim, Thurston und Lee, damals noch unterstützt durch Keyboarderin Ann DeMarinis zum ersten mal auf dem New Yorker Noise Festival unter dem Namen Sonic Youth in Erscheinung und nach kleineren Line-Up Wechseln, sollte ab 1985 mit Steve Shelley an den Drums dann auch das durch fast nichts zu erschütternde Fundament in Beton befestigt, die Jahrzehnte überdauern.

Anfangs nie richtig zufrieden mit den unterschiedlich klingenden Ergebnissen der frühen Studioaufnahmen sollte sich spätestens mit ihrem Album Sister 1987 das Blatt wenden. Das oft minimale zur Verfügung stehende Budget wollte die noch sehr von No Wave und Noise geprägten Tonträgern von Sonic Youth bis hin zu Bad Moon Rising einfach nicht so klingen lassen, wie die Bandmitglieder es sich gewünscht hätten. Sister schlug 1987 einen Weg ein, der ihnen einen Plattendeal mit der Geffen Records Group einbringen würde und nach der Veröffentlichung der Daydream Nation ein Jahr später lief dann Goo ein weiteres Jahr darauf schon unter dem Banner dieses nicht gerade unabhängig agierenden Medienmoguls. Nachdem Glenn Brancas Label Neutral Records und SST bisher im kleinen Stil die Releases der Sonic Youth verlegen durften, stand nun eine ganz andere Medienpolitik vor der Tür.

Besonders Teen Age Riot mit seiner fast schon opulenten Spielzeit von knappen sieben Minuten, die Hits Dirty Boots, Tunic (Song For Karen) oder Cool Thing standen fortan exemplarisch für jene Band, die beschreibend, zwischen den Polen agierend, einerseits die Fähigkeit besaß eingängige Songstrukturen zu komponieren ohne dabei die Experimentierfreudigkeit an den Nagel zu hängen.

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Dirty leitete endgültig ihren Durchbruch innerhalb der alternativen Musikszenen ein und auch wenn sie nie wirklich im großen Stile kommerziell erfolgreich waren, würden sie doch doppelt so großen Einfluss auf die Musikentwicklung nehmen. Natürlich riefen einige das Wort „Sellout“ in einem Atemzuge in Richtung New Yorker Metropole, aber was nebenbei erwähnt für viele weiterhin nur Krach ausmachte, zählte aus einer Sichtweise ohne Scheuklappen unter das Banner: „Sonic Youth sind einer der besten Gruppen der Welt“. Eine Festival-Band im ursprüngliches Sinne waren sie nie, aber im Rahmen der oft ausgedehnten Tourneen, gehörten sie einfach dazu und nicht selten gab es auf den ganz großen Bühnen mehr als exzellente Auftritte zu bestaunen. Reflektiert, klar bei Verstand ohne abgehobenes Gepose, dezent, präsent und Akzente setzend, mit einer gewissen Coolness ausgestattet, abgeklärt an den Instrumenten stehend, war schon mehr eine zu ihnen passende, optische Wahrnehmung.

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Ihr Albumname Dirty fiel oft im Zuge der Grunge-Explosion und manifestierte ihre Position bei Kritiker:innen und Hörer:innen, die nie davor zurückschreckten von Zeit zu Zeit neue Wege zu beschreiten und wagten immer wieder neue musikalische Variationen. Zudem umfasst ihr Backkatalog enorm viele Kollaborationen und reicht von Jazz-Musiker:innen bis hinzu minimal, klassischeren Arbeiten reicht, die abgesehen von der Geschmacksfrage, einen unendlich scheinenden spielerischen Fundus offerieren. Um nur ein Beispiel im Bandkontext hervorzuheben, sei an dieser Stelle die instrumental angelegte Zusammenarbeit mit den holländischen Anarcho Punker:innen von The Ex, aus der fantastischen In The Fishtank-Reihe, meinerseits in den Vordergrund gehoben.

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Vielleicht hätten sie nicht mit 80 Jahren wie vergleichbare Rock-Dinosaurier noch auf der Bühne stehen wollen, aber wer weiß wie viele Konzerte und Tonträger die fünf Musiker:innen ihren am Boden zerstörten Fans seit ihrem vorzeitigem Ende noch hätten schenken können.

Die beiden Longplayer der Spätphase Rather Ripped und The Eternal verbanden Jazz und den No Wave ihrer Anfangstage auf das genialste und niemand konnte zu dem Zeitpunkt ahnen, dass es wahrscheinlich die letzten sein würden. In den Archiven scheinen weiterhin unveröffentlichte Aufnahmen wie Soundboard-Livemitschnitte und unveröffentlichte Outtakes zu schlummern, veröffentlichten im März Thurston Moore und Steve Shelley, die sich mit Sorgfalt um aufwendige Re-Releases des Backkataloges kümmern, bereits eine Zusammenstellung von raren und unveröffentlichten Stücken. In/Out/In versammelte 5 Tracks von 2000 bis 2010 geschrieben, die wenn schon keine richtigen, neuen Songs möglich sind, vielleicht ein kleines Trostpflaster für Hörer:innen darstellen.

Mit Ausbruch des Krieges in der Ukraine ließen es sich viele Musiker:innen nicht nehmen ihren Support mit der Ukraine zu bekunden und in unterschiedlicher Form Spenden zu sammeln.

Die Liste ist lang: Sub Pop Records, Dinosaur Jr., A Place To Bury Strangers, Cult Of Luna stellten T-Shirts und Test-Pressungen zur Verfügung, bauten Gitarrenpedale, wobei Sonic Youth nun noch einen Schritt weitergegangen sind und am 14.04.2022 die Veröffentlichung eines Ereignisses ankündigten und somit einen direkten Bezug zum aktuellen Geschehen knüpft.

Die immense öffentliche Begeisterung, die nach der Veröffentlichung ihres Albums Daydream Nation die Luft bereicherte, verschlug Sonic Youth im Rahmen ihrer Tour, erstmals hinter den Eisernen Vorhang, in die damalige UDSSR. Die Stationen hießen Vilnius, Moskau, Leningrad und eben auch in Kiew, deren Konzertbesucher:innen bereits auf Nick Cave, Einstürzende Neubauten oder Discharge eingestimmt waren, aber dieses historische Ereignis sollte ihr Bewusstsein auf eine neue Art und Weise schärfen. Dass dieser Auftritt nicht wie andere zuvor wieder vorzeitig zum Abbruch gebracht wurde, war der Verdienst eines gewissen Michael Gorbatschow, der mit seinem Versprechen auf Veränderung für die richtige Atmosphäre dieses politischen „Frühlings“ sorgte.

Für alle Anwesenden und Beteiligten sollte es ein alles veränderndes Ereignis werden, das Berge versetzen würde.

Derzeit ist das Live-Album auf der Bandcamp-Seite von Sonic Youth zum Download verfügbar und alle Einnahmen gehen zu Gunsten der World Central Kitchen, um die Versorgung der Ukrainer:innen mit Essen zu unterstützen.

Titelbild: Sonic Youth | (c) Sonic Youth Bandcamp

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Von Veröffentlicht am: 18.04.2022Zuletzt bearbeitet: 18.04.20221157 WörterLesedauer 5,8 MinAnsichten: 613Kategorien: News, Streams0 Kommentare on NEWS: Sonic Youth veröffentlichen Live-Album am 14.04.2022
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Über den Autor: Nico Pfueller

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