Es ist schon erstaunlich, wenn eine Band es schafft sich innerhalb kürzester Zeit mit ihrem Erstlingswerk eine so große Fanbase aufzubauen, wie es Wiegedood mit „De Doden Hebben Het Goed“ geschafft haben.

Sicher, es ist nicht zu vernachlässigen, dass Wiegedood im Fahrwasser von Szenegrößen wie Oathbreaker und den mächtigen Amenra entstanden ist (Inzwischen spielt auch Drummer Wim Coppers bei Oathbreaker) und dementsprechend schon von einer recht großen Fanbase profitieren konnten.

Doch trotz dieser vielen Vorschusslorbeeren musste sich die Band an ihrem musikalischen Output messen lassen. Dies ist auf dem ersten Album grandios gelungen, es blieb jedoch die Frage, ob die Band nach ausgiebigem Touren auf ihrem Folgealbum die Qualität halten könne. Mit „De Doden Hebben Het Goed II“ liefern die Belgier nun eine erste Antwort und diese lautet ganz klar: Ja!

„Ontzieling“ beginnt, ähnlich wie „Svanesang“ auf dem Debütalbum, ohne große Umschweife mit Black Metal-typischen Blastbeats und Gitarrenläufen. Was einem jedoch direkt beim ersten Hören auffällt, ist, dass die Songstruktur etwas chaotischer, dreckiger und weniger straight daherkommt als dies noch auf Album Nummer 1 der Fall war. Auch das Gekeife von Levy Seynaeve, seines Zeichens Stammgitarrist von Amenra, hat sich in Nuancen verändert und macht das Gesamtergebnis stimmiger und wirkt weniger zurückhaltend.

Herzstück der Platte bildet das gut 11-minütige „Cataract“, welches den Hörer in eine fast schon post-rockige Sicherheit wiegt, bevor nach ungefährer Songhälfte alle Soundwände eingerissen werden und mit hypnotischer Monotonie ein wahrhaft monumentale musikalische Zerstörungsorgie zelebriert wird. Selbst schuld, wer hier noch Füße oder Kopf still halten kann.

Der Titelsong „De Doden hebben Het Goed II“ überrascht mit seinem dezenten Sakralgesang und hätte damit fast als jüngerer und ungestümerer Bastardbruder auf die aktuelle Batushka-Platte „Litourgiya“ gepasst. „Smeekbede“ bringt das Album als wahrscheinlich wütendster und gefühlt chaotischster Song zu einem würdigen Ende. Mit nur vier Songs und (trotzdem) 35 Minuten Spielzeit ist das neue Werk wieder einmal recht kurz geraten, dafür aber umso dynamischer und abwechslungsreicher gestaltet. Freunde des norwegischen Black Metals werden, sofern es sich nicht um beinharte Puristen handelt, ebenso auf ihre Kosten kommen wie Fansdie sonst eher dem etwas melodischeren Post Metal zugetan sind.

Besonders hervorzuheben ist die grandiose Arbeit von Drummer Wim Coppers, der sich mit ordentlich Groove durch die knapp 35 Minuten prügelt und mit stellenweise sehr simplen, aber durchaus effektiven Mitteln die intensive Atmosphäre des gesamten Albums unterstreicht. Doch auch die anderen beiden Bandmitglieder agieren auf extrem hohen Niveau, auch wenn sich die Wurzeln der einzelnen Bandmitglieder nicht verleugnen lassen. Besonders schlimm ist das nicht, denn Wiegedood verfügen über genug Eigenständigkeit um sich von ihren größeren Geschwistern klar abzugrenzen, je nach Song sind die Gemeinsamkeiten mit klassischem Black Metal auch größer, als melancholischem Eskapismus welchen viele der Bands im Dunstkreis der Church of Ra teilen.

Fazit: Nach ihrem starken Debüt veröffentlichen die Belgier einen noch stärkeren Zweitling und setzen damit ihre eigene Benchmark noch ein ganzes Stück höher. Man darf jedoch zuversichtlich sein, denn so kompromisslos und wütend die Jungs auch hier wieder agieren, ist davon auszugehen, dass Wiegedood ihr Pulver noch lange nicht verschossen haben.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.