Es ist immer wieder schön, wenn Bands von heute den Sound von damals authentisch und vor allem glaubwürdig auf Band zaubern.

Vö: 27.07.2018 In a bad mood LP kaufen

Beim neuen Album des Bielefelder Duos Rosi fühlt man sich tatsächlich an die ganz großen düsteren Perlen der 80er Jahre erinnert.

Rosi haben mit ihrem zweiten Album ein kleines Highlight der deutschen Düsterszene geschaffen.

„Kaputt“ eröffnet mit Glockenschlägen und verzweifelten Akkorden. Der Gesang klingt leicht schief, aber nicht unpassend, eher liegt es an der teils erzählerischen Vortragsweise. Eine deutliche Unterkühlung ist in der Stimmfarbe zu vernehmen, auch wurde ordentlich Hall zu den Vocals hinzugefügt. Die Orgel in der zweiten Strophe untermalt den dunklen Minimalismus, der im Opener zelebriert wird. Ein guter Einstieg.

Mit „Trennen“ gibt es einen recht klassisch gehalten, leicht morbide anmutenden Post Punker wie er nicht klassischer sein könnte. Der Schwarzkitteltanzschuppen ist eröffnet. „360m“ zeigt sich dann etwas langsam, jedoch keinen Deut langweilig. Der Song wird durch den vordergründigen Bass und den etwas höher angesiedelten Gesang getragen. Das Stück erinnert mich etwas an einen sehr traurigen Morrissey. Ab der Mitte nimmt der Song etwas Fahrt auf, bleibt aber in seiner melancholischen Grundstimmung. Für mich das erste kleine Highlight.

„Kopf“ kombiniert anfangs technoide Beats mit groovigem Bass und Keyboardflächen. Hier zeigt sich erneut das Potenzial als Soundtrack für Gothic Clubs im England der 80er Jahre. Das Stück ist sehr eingängig und die Melodie bleibt im Ohr hängen. „Kirmes“ fängt etwas dramatisch an und steigert die Stimmung ins dezent Bedrohliche. Die Gesangslinien steigern bis zum Ausbrechen gegen Ende des Liedes. Diese Kirmes geht eindeutig in Flammen auf.

„Höhle“ startet spooky und entwickelt sich zu einer wahren Düsterhymne mit Doppelgesang und Orgel im Refrain. Die verhallten Gitarren und der Bass treiben das Stück voran. Zum Ende Wird eine beschwörende Stimmung geschaffen, der man sich nur schwer entziehen kann. „Gehen“ ist ein kurzes ebenfalls dunkles Stück, bei dem die elektronischen Elemente im Vordergrund stehen.

Das folgende „Zahltag“ ist ein weiteres Highlight des Albums.

Hierbei könnten The Cure Pate gestanden haben. Der Song atmet und lebt die Hochzeiten des Goth voll aus. „Rationale Liebe“ steht dem in fast nichts nach. Der Song treibt mit seinem Technobeat und den Basslinien an. „Gezähmt“ erzeugt dann nochmal eine nachdenkliche Stimmung mit seinen Gitarrenmelodien. „Zustand“ zeigt am Ende, dass Rosi neben tanzbaren Stücken auch durchaus in der Lage sind runterzufahren. Keyboardflächen begleiten eine klagende Gitarre. Hier passt die eindringlich vorgetragene Zeile „I need silence“ perfekt.

Rosi haben mit ihrem zweiten Album ein kleines Highlight der deutschen Düsterszene geschaffen. Die Stücke wechseln von Floorfillern zu melancholischen Klängen, bleiben dabei spannend und sind für die Art von Musik authentisch und mit einer leichten Wärme in der Produktion versehen.

Das 35-minütige Album, welches auf Vinyl erschienen ist, kann zudem mit einem schönen passenden Artwork und guten Texten, die trotz deutscher Titel auf Englisch vorgetragen werden, punkten. Wer sich in besagtem Genre zu Hause fühlt sollte schnell zugreifen und sich „Hope“ ins heimische Plattenregel stellen.

https://www.prettyinnoise.de/exklusive-premiere-geniesst-rosis-zweites-album-hope-in-voller-laenge.html

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