Um es kurz zu machen, hier die Story zum Album: Wolfgang Möstl, Kopf der Gruppe Mile Me Deaf, bricht sich auf Tournee den Mittelfinger seiner linken Hand und kann deshalb vorübergehend keine Gitarre mehr spielen. Ein Sampler kann hingegen auch einhändig bedient werden, und deshalb wurde hiermit das Grundgerüst der Songs auf dem neuen Album „Alien Age“ geschaffen.

Es lässt sich erahnen, dass mit dieser Arbeitsweise die Musik einer Band, die man eher für fuzzige E-Gitarren kennt als für samplebasierte Kompositionen, anders klingen muss als alles was bisher von ihr veröffentlicht wurde. Gleichzeitig kann diese produktionstechnische Neuerfindung aber auch als Konzept interpretiert werden, denn auch das 2015 erschienene „Eerie Bits of Future Trips“ unterschied sich von den Vorgängeralben dadurch, dass es nicht mehr live im Studio eingespielt, sondern unter anderem im Tourbus mit iPhone-App oder im Schlafzimmer aufgenommen wurde. Es scheint also, dass es Möstl wichtig ist, nach vorne zu blicken und sich öfter mal neu zu erfinden, statt an einem bestimmten Stil festzuhalten.

Wie kann ein Album klingen, das fast nur aus Samples besteht? Vor allem nach den verwendeten Samples selbst. Hier wurden alte Kassetten und Schallplatten recyclet, die alpine Volksmusik, einen Russisch-Sprachkurs, Zither-Melodien, Märchen auf Switzerdütsch und vieles mehr beinhalten. Dazu kommen selbst eingefangene Field-Recordings, Fragmente aus Produktionen, an denen Möstl beteiligt war (z.B. der Nino aus Wien), Akkorde auf dem verstimmten Klavier im Kölner „Club Scheiße“, modifizierte Spielzeugkeyboards und vieles mehr. Zu Ehren des erst kürzlich verstorbenen Kulturwissenschaftlers Mark Fisher lässt sich zur Beschreibung dieser postmodernen Kombinationspraxis der Begriff Hauntology verwenden, den dieser auf das Feld der Popkultur übertragen hat.

Neben den Eigenheiten der Samples ist da aber durchaus der Personalstil des gestaltenden Subjekts zu erkennen. Denn die Samples müssen nicht nur ausgewählt, sondern auch arrangiert werden, damit aus ihnen eine neue Musik entstehen kann. Durch die psychedelische Verspieltheit und trippige Leichtigkeit, kombiniert mit Möstls Gesang, lässt sich diese zweifellos als Mile Me Deaf erkennen, auch wenn sich stilistisch stark geöffnet wurde. Das Stück „Headnote#2“ ist beispielsweise von Dub geprägt, die Beats anderer Stücke klingen nach Trip-Hop oder Old-School Hip-Hop. Mit „Martian Blood“ findet sich auf „Alien Age“ aber auch ein gitarrenlastiges Stück, das problemlos auf eines der Vorgängeralben gepasst hätte. Auf dem treibenden Dance-Track „Shibuya+“ ist als Gastsängerin Katarina Trenk zu hören, deren Stimme man von den Sex Jams kennt und bei denen Möstl auch E-Gitarre spielt.

„Alien Age“ ist ein erfrischendes und vielseitiges Album, auf dem es viel zu entdecken gibt und das uns sicherlich noch im Sommer eine Freude sein wird, auch wenn es textlich durch die Reflexionen unserer Zeit auch düster werden kann. Es erscheint am 03.02.2017 auf Siluh Records.

Bereits letzten Sommer ist das Video zu „Blowout“ erschienen!

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