KRITIK: Klez.e – Desintegration

KRITIK: Klez.e – Desintegration

Retromanie, fick dich ins Knie! Was tun, in dieser Zeit, in der alles schon gemacht wurde? In der eh alle zehn Jahre ein neues Post-Punk-Revival um die Ecke schallt? In der die Gegenwart als bloße Echokammer funktioniert? In der jede Innovation den bitteren Beigeschmack von Gestern trägt?

Alleine schon beim naseweisen Titel des neuen Klez.e-Albums macht sich eben dieser auf der Zunge breit: Desintegration. Dazu ein Albumcover mit drei schemenhaft verschwommenen Boys in Schwarz, mindestens einer von ihnen mit klar erkennbarer Robert Smith-Gedächtnisfrisur. Man möchte mit den Augen rollen angesichts dieser Einfallslosigkeit. Und hat eigentlich gar nicht der Musik zugehört. Und ist dabei dieser Band in die Falle getappt.

Retromanie, fick dich ins Knie.

Klez.e überwinden eben diese uns alle knechtende Maschine, indem sie sich sich furchtlos in ihren Rachen stürzen. Sie verkleiden sich mit der Ästhetik der 80er, mit dem Kalten Krieg, der alltäglichen Angst, der Disintegration. Sie baden ihre Songs in tiefen Seen aus Reverb und Delay, um ihre beklemmende Aktualität zu verschleiern.

Über 27 Jahre in die Vergangenheit blickend singt Tobias Siebert im ersten Stück Mauern:

Früher da im Osten wollte ich in Wedding sein / Und heute soll das enden, ich ließ mich von euch blenden.

Dieser Song über den Fall der Berliner Mauer wirkt im Jahr 2017 wie eine bedrohliche Mahnung. Gegen Ende des Albums wird von Fukushima und Drohnen gesungen. Klez.e ziehen Brücken zwischen den Ängsten von Gestern und Heute.

Siebert, der auf Desintegration auch als Produzent agierte, hat die acht Songs dem Thema angemessen mit repetitiven Basslinien, Tom-lastigen Schlagzeug-Patterns und melodiösen Gitarren ausstaffiert. Die ersten sieben sind dabei instrumental oftmals nah an der Grenze zur The Cure-Coverband. Die Platte berührt deswegen am meisten beim letzen Song, Requiem. Hier legt die Band die Robert Smith-Verkleidung ab, wird kalt und elektronisch. Klez.e überwinden die Retromanie. Und Siebert beendet die Platte mit diesen wunderbaren Zeilen:

Und süßer die Glocken nie klangen, das Haus steht in Flammen / Und schwarz und schwer flieg ich auf und drüber her.

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Von Veröffentlicht am: 13.01.2017Zuletzt bearbeitet: 13.01.2022347 WörterLesedauer 1,7 MinAnsichten: 711Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: 0 Kommentare on KRITIK: Klez.e – Desintegration
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Über den Autor: Marius Magaard

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