Der typische Sound von The xx ist intim, persönlich und schlicht gesagt sehr schön auf eine erfrischende Art und Weise. Ganz unprätentiös singen Oliver Sim und Romy Madley Croft von Liebe und Trennung, während Jamie Smith dazu auf der Drum Machine mysteriöse Beats zaubert.

Wer das hört fühlt sich gleich in das Londoner Studio versetzt, in dem The xx sich für ihr letztes Album verbarrikadiert hatten. Durch die herrlich melancholischen Stimmen von Sim und Croft scheinen sie mit jedem Wort etwas preis zu geben, und jedem Hörer einen Einblick in die eigene Gefühlswelt zu geben.

Mit dem Erfolg, den sie damit erzielt haben, scheint jetzt ein Erwachen eingesetzt zu haben. An fünf, über die verschiedene Erdteile verteilten, Orten haben sie das neue Album „I See You“ aufgenommen. Dazu haben sie sich nicht eingeschlossen, sondern Freunde, Familie und Bekannte regelrecht eingeladen. Das hört man der Musik sofort an, aber trotzdem ist die Intimität nicht verloren gegangen. Die Texte sind genauso erhaben und authentisch wie vorher, die Stimmen von Croft und Sim zum Dahinschmelzen, und die Beats von Smith machen sogar noch mehr Spaß.

Mit einer Fanfare eröffnet der Song „Dangerous“ das Album. Mit guter Laune geht es voran, die Basslinie treibt den Song an.
Ein erstes Highlight ist der dritte Song „Lips“. Das kurze, sakrale Intro bannt sofort mit Harmonien, die an Kirchenmusik erinnern. Im Backgroundgesang des Liedes tauchen diese Harmonien immer wieder auf, und geben dem Song so eine leicht mystische Aura. Durch das reduzierte Instrumentarium, nähert sich der Song schon der Stimmung, die man von The xx eigentlich kennt.

„A Violent Noise“ führt sie mit halliger Gitarre und einem sehr leidenden Oliver Sim weiter. Überraschend kommt die Synthie Linie im Refrain, die etwas schneller gespielt auch in jedem David Guetta oder Calvin Harris Song vorkommen könnte.
Mit „Performance“ ist die Hälfte des Albums geschafft, und dramaturgisch der Höhepunkt erreicht. Crofts warme Stimme liegt über einer schwebenden Synthie Landschaft, begleitet von Gitarre und Bass. Zu keinem Zeitpunkt passiert zu viel, die Spannung baut sich auf, und verblasst dann einfach wieder, wodurch sie noch unerträglicher wird. Selten wird in Musik so elegant und konsequent gelitten.

Der folgende Song „Replica“ klingt wie das Geplänkel, das man nach einem sehr ernsten Gespräch, von sich gibt, um die gedrückte Stimmung zu vertreiben. Das gibt Zeit durchzuatmen, und wieder zuversichtlich nach vorne zu schauen. Denn die Stimmung vom Anfang ist wieder da, der Aufbruch geht wieder los. Mutig walzt sich „Brave For You“ in Richtung der ersten Singleauskopplung des Albums „On Hold“. Das war das Erste, was man nach knapp vier Jahren von den Dreien gehört hat. Mit diesem tanzbaren Track gaben sie das Signal, dass die schüchterne, introvertierte Zeit vorbei ist.

Unspektakulär leitet „I Dare You“ zum letzten Lied „Test Me“ über. Der Schluss des Albums, beginnt mit Crofts Gesang, von ganz einfachen Klavierklängen begleitet. Im Duett schweben Croft und Sim über einer Orgel bis zur Mitte des Songs. Dann verstummt der Gesang. Instrumental baut sich der Song über eine Minute auf, nur um dann am Ende einfach im Nichts zu verhallen.
Eigentlich machen The xx auf dem neuen Album nicht viel anders, als schon davor, nur sind sie jetzt auf Entdeckungstour gegangen. Klanglich, ist viel Neues dazu gekommen und auch Jamie Smith scheint viel von seinem Soloalbum mitgenommen zu haben. Das neue Album ist, als würde man miterleben, wie ein sonst immer sehr schüchterner, guter Freund, der nie das Haus verlässt, auf einmal raus geht. The xx sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

The xx live:
17.02.2017 Eckbolsheim – Zenith Strasbourg (TICKETS via ADticket)

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