Sechs lange Jahre liegt die Veröffentlichung des in der Presse hochgelobten Albums “We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves(2011) von John Maus zurück. Es folgte ein Jahr später die Zusammenstellung “A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material”, doch danach wurde es ruhig um den Künstler. Am 27. Oktober erscheint nun endlich das lange erwartete vierte Album mit dem Titel Screen Memories” auf Ribbon Music bzw. Domino.

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Vö: 27.10.2017

Domino

Auf die Nachfrage eines Fans hin, wann denn endlich neue Musik von John Maus erscheinen würde, postete der Musiker 2014 über seinen Twitter-Account das Bild eines selbstgebauten modularen Synthesizers. Dazu schrieb er, dass er gerade mit seiner Dissertation fertig wurde und die Musikinstrumente gebaut habe, die er für neues musikalisches Material braucht. Maus versteht sich gleichermaßen als Akademiker wie als Musiker – Lehraufträge in politischer Philosophie an der University of Hawaii stehen in seiner Vita neben Kollaborationen mit Ariel Pink, Molly Nilsson oder Noah Lennox (Animal Collective, Panda Bear).

Dass Philosophie und Musik bei Maus zusammengedacht werden, lässt sich auch in dem Teaser-Video mit dem Titel “Counter Strike!” erkennen, das er vor etwa zwei Monaten veröffentlichte und damit erste Hinweise auf neue Musik lieferte. In dem Video wird Kybernetik als Kommunikations- und Steuerungs-Theorie (Norbert Wiener) mit einer experimentell anmutenden Klangsynthese zusammengebracht. In einem älteren Interview erklärt er ausführlich sein Konzept des “Hysterical Body” als das philosophische Fundament, auf dem seine exzentrischen Karaoke-Performances fußen.

Seine Musik lässt sich allerdings auch ohne philosophischen Background rezipieren. Auf “Screen Memories” ballt sich John-Maus-Sound, dessen Charakteristik unverkennbar ist. Seine Vorliebe für die Musik der Renaissance lässt sich deutlich im homophonen Akkordsatz des Openers “The Combine” heraushören, der tief resonierende und mit viel Hall und Delay bearbeitete Gesang erinnert an die Erhabenheit gregorianischer Choräle, die Synthesizer- und Drummaschinen-Sounds an den Synth Pop der frühen 80er Jahre, die prägnanten und störrischen Bassläufe an den Post-Punk der späten 70er. Alles verpackt in einer LoFi Produktion, die perfekt an die Vorgängeralben anschließt. Die Lyrics sind kurz gehalten, dafür werden einzelne Zeilen häufig wiederholt und – zwischen Pathos und Wahnsinn pendelnd – mit dem gesanglichen Ausdruck gespielt. Inhaltlich geht es dabei meist eher düster zu, aber John Maus weiß auch auf seine ganz eigene Art dabei zu unterhalten.

John Maus legt nun endlich das Album nach, auf das viele gewartet haben. Screen Memories enthält genau den Sound, für den wir den Künstler so lieben. Man hört aber auch deutlich, dass er sich in den letzten Jahren nicht nur der Philosophie gewidmet, sondern – sicherlich auch durch die intensive Beschäftigung mit analoger Klangsynthese – seine musikalische Farbpalette erweitert hat und nicht ausschließlich an bereits gefestigten Formen festhält.

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