Die Lieder sind – wie zu erwarten – meist überlang, aber anders könnten sie diese monumentale Brachialität auch nicht in ihrem Ganzen entfalten. „Marching Through The Borderlines“ ist Musik fürs Herz, und am höchsten Punkt des höchsten Gipfels schliesst die Band das Album mit „Transcending“ und den mehr als passenden Worten“…reaches the heart, and dies“ ab. Hut ab!

Ich geb es zu: Ich habe Vorurteile. Vorurteile gegenüber Bandnamen. Wenn mir der Name der Band nicht gefällt, hat sie meist schon einen schwereren Stand oder rutscht direkt ungehört durch mein Raster. Aber wie im realen Leben sollte man seine Vorurteile hinterfragen und sich auch das ein ums andere Mal eines Besseren belehren lassen, hätte ich das nicht getan, wäre ich nie auf das grossartige Album „Marching Through The Borderlines“ der Band Crib45 gestossen. Ohne zu euphorisch sein zu wollen, aber diese Platte ist mit das mächtigste, abwechslungsreichste und emotionalste Stück Post Metal was mir dieses Jahr bisher in die Finger gekommen ist.

„Gathering the storms“ gibt die Tonart vor: Schleppend, stampfend, malmend, dazu noch ausgestattet mit einem Sänger der ein so basslastiges und prägnantes Organ besitzt, dass er ebenso in einer Metalcore- oder vielleicht sogar Death Metal-Combo einen guten Eindruck machen würde. Was jedoch das Album von vielen anderen so immens unterscheidet sind diese plötzlichen emotionalen Momente in sogar Jazz- und spaciger 90’s-Synthesizer einen geeigneten Platz findet. Oder ein Saxophon, welches wie weit entfernt in einer verrauchten Nebenstrassenkneipe an einem dunklen verregneten Herbstabend klingt.

Prunkstück dieses post-metallischen Erlebnisses bilden die beiden Stücke „Borderlines“ und „Into The Abyss“. Nicht nur der gutturale Gesangshammer wird ausgepackt, auch wirklich wohlklingende, cleane Passagen wie in „Into The Abyss“ die an Neurosis‘-Sänger Steve von Till erinnern, erhalten im Verlauf des Albums immer mehr Einzug. Das erste Mal so richtig emotional wird es dabei bei „Waiting For Deliverance“ in dem der lautmalerische Gesang einfach Gänsehaut erzeugt und an Intensität kaum zu überbieten ist.

Intensität ist übrigens ein sehr gutes Wort um die Songstrukturen zu beschreiben. Die Finnen bedienen sich zwar altbewährter Laut/Leise-Post Rock-Taktik, die Momente einbrechender Soundwände kommen aber einer erlösenden Eruption gleich, wie ich sie in diesem Genre schon lange nicht mehr erlebt habe, auch hier verweise ich ein erneutes Mal auf den Song „Borderlines“. Ebenso hätte wohl kaum jemand erwartet, dass sich ein Saxophon so passend in einen Post Metal-Song einfügt, hier wirkt das Ganze wie selbstverständlich und schon immer vorhanden. Überhaupt steckt jeder einzelne Song voller Überraschungen und der Liebe im Detail.

Die Lieder sind – wie zu erwarten – meist überlang, aber anders könnten sie diese monumentale Brachialität auch nicht in ihrem Ganzen entfalten. „Marching Through The Borderlines“ ist Musik fürs Herz, und am höchsten Punkt des höchsten Gipfels schliesst die Band das Album mit „Transcending“ und den mehr als passenden Worten“…reaches the heart, and dies“ ab. Hut ab!

Als Schlusswort also eine allgemeingültige Aussage: Vorurteile überwinden sich nicht vom ersten Eindruck abschrecken lassen. Ich werde mit Sicherheit keinen Bandnamen mehr vorverurteilen.

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