Voller Wucht, Verzweiflung und gleichzeitig immer melodisch. Die Münchener Band Brave Young Years (Vinz, Lukas, Tibor und Thomas) hat mit ihrer ersten EP “For The World Is Hollow And I Have Touched The Sky” ein kompaktes, unvergessenes Werk geschaffen, das mit jedem Klang eine harte Traurigkeit und tiefe Berührung verströmt.

Brave Young Years Sound ist von starken Gitarren, Verzerrungen und von den sehr präsenten und zerreißenden Stimmen ihrer Sänger Vinz und Lukas geprägt. Beide wechseln von samt weichen, hell klingenden zu kratzigen, verzweifelten Momenten. Man hört, wie sie sich die Seele heraussingen und herausschreien. In Verbindung mit dem düsteren Bass und den rabiaten Gitarren entsteht eine Stimmungswelt, in der der Hörer gerührt den Kopf sinkt. Eine emotionale Mischung aus Rock, Punk und Postpunk, eine Art Aggro-Emo, der ganz tief berührt.

Musik für “unhappy days”, um eine Zeile des Openers “Dead Songs” zu zitieren. Ganz melodisch beginnt die EP, die Gitarren erklingen fast träumerisch, die Stimme ist tief und weich. Trotz aller Wucht vergessen Brave Young Years die Melodie nie. Sie schaffen, diese mit ungestümer Nostalgie zu infizieren. Und dann fängt allmählich diese Aggressivität an, mit dem brachialen Gesang, begleitet von dem vollen, kreisförmigen Sound. Weiter mit dieser harten, traurigen Kraft geht es in “Half-Lights”. Nach einem kurzen, atmosphärischen Gitarren-Einstieg geht es dort weiter, wo “Dead Songs” zu Ende war. Schön klingt das harmonische Zusammenspiel von Stimme und Bass. Hier verwandelt sich der Gesang ganz heftig in einen Schrei, als ob aus einem Streicheln eine Ohrfeige werden würde. Das wilde Outro erinnert an ein stürmisches Meer, an dunkle Wolken über heftige Wellen.

Schwermütig und verzerrt fängt “Wasted Love” an. Der Song ist etwas rockiger und mehr im 90er Jahre Stil als die anderen. Der Bass begleitet und punktiert den Gesang, bevor es mit den Gitarren und der schön abgehakten Rhythmik losgeht. Eine dunklere Melancholie prägt “Frozen Man”. Durch die Becken-Klänge und den streichelnden Bass entwickelt sich wie eine geheimnisvolle Stimmung, die dann wieder von Schnelligkeit und Energie abgelöst wird. Der Gesang entführt wie immer; man möchte sich einfach in diesem Sound fallen lassen. Der Song “Mirrors” ist ein Fluss, der alles mit sich wegschleppt, “running blindly, through the storm”, wie der Text sagt.

“Für Immer Dich” schließt die EP ab. Hier ist nur dunkler Punk, unmittelbar und schmutzig. Auf Deutsch klingen Brave Young Years noch direkter, bitterer. “Es ist alles für Dich, es war schon immer alles für Dich”, schreit Lukas Völker. Wut, Vorwürfe, Liebe: Alles in einen Satz gepackt.

Nach diesen sechs Tracks bleibt man nachdenklich und hingerissen. Es sind 22 Minuten voller Seele, ein Aufprall, ein Sturm.

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