Die wunderbare Alice Phoebe Lou hat nach ihrem Debüt-Album Orbit (2016) und dem von Kritik und Publikum sehr positiv aufgenommenen Zweitwerk Paper Castles (2019) nun ihr drittes Studio-Album aufgenommen und verarbeitet auf Glow, das bei Motor Music erscheint, die zurückliegende Zeit der Höhe und Tiefen ihrer Liebesbeziehungen, die sie musikalisch ausgesprochen offen darstellt. Aber auch die Einsamkeit in der Zeit der Corona-Pandemie wird thematisiert.

Im Pressetext heißt es zur Entstehung des Albums:
Ich habe dieses Jahr viel durchgemacht, wie so viele Leute. Ich habe noch nie so viel Zeit allein an einem Ort oder sogar in der Stadt, in der ich lebe, verbracht. Ich rasierte meinen Kopf. Hatte einen Ego-Tod. Ich verliebte mich. Mir wurde das Herz gebrochen. Ich war ein kleines, pures Durcheinander. Und darüber, fing ich an zu schreiben.

Wer die 27-jährige Singer-Songwriterin mit Indie-Touch aus Südafrikanerin, die in Kapstadt geboren wurde und die seit einigen Jahren in Berlin lebt, noch nicht kennt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, in das neue Album reinzuhören, denn die Arrangements der Song sind oft melancholisch, aber luftig leicht und gerne auch tieftraurig.

Textlich dreht sich vieles um die Verletzungen und die Schmerzen, welche die Liebe erzeugt aber auch um Freundschaft. Unweigerlich drängen sich die Vergleiche zu Cat Power und Joni Mitchell auf aber auch mit Aldous Harding und Charlotte Brandi.

Mit 19 Jahren brach Alice Phoebe Lou von Südafrika nach Europa auf und begann, Straßenmusik zu machen. Die Straßen Berlins prägten sie besonders und sie entschied vorerst zu bleiben. In der Fremde entwickelte sie ihren eigenen Stil des Songwritings und des Musizierens.

Mit welcher nachhaltigen Intensität sie das Songwriting verinnerlicht hat, zeigt der Erfolg ihres Songs She, der es über den Soundtrack für den Film Geniale Göttin: Die Geschichte von Hedy Lamarr auf die Shortlist für den Oscar in der Kategorie „Best Original Song“ schaffte. Es folgten eigene Tourneen durch Europa, Südafrika, Japan und die USA. Alice Phoebe Lou war außerdem nominiert für den VUT Indie Award als „Beste Newcomerin“ sowie für den Preis für Popkultur als „Beste Solokünstlerin“.

Nun also das dritte Album und das beginnt so, wie man es von Alice Phoebe Lou erwartet mit einem langsamen und intimen Geständnis über Intimität und Nähe im Track Only when I. Sehr smooth und relaxed, ein schöner Einstieg ins Album.  

Deutlich flotter und tanzbare ist kommt der Indie-Pop- und Titel-Track Glow daher und verbreitet ein berauschendes Gefühl aus Folk-Rock- und Elektronika. So klingt Alice Phoebe Lou nur sehr selten und der nächste Song Dusk geht dann wieder in die sehr persönliche Richtung. Mit leichten Jazz-Elementen und einer wunderbaren Instrumentierung versetzt sowie einer fast zitternden Singstimme weiß der Song, zu dem es ein zärtlich verschmustes Video gibt, gut zu gefallen.  

Das herzzerreißend wehmütige Mother´s Eyes ist dann wieder sicheres Terrain und ein sicheres Heimspiel für die junge Sängerin, die ihren Stimmumfang schön präsentieren kann.  Noch eine Spur trauriger und sehnsüchtiger kommt How To Get Out Out Of Love daher. Man fühlt sich positiv an einen alten Doris Day-Song erinnert. Genau so schön ist der nächste Song Heavy/ Light as Air, der eine schöne luftige Fingerübung ist.

Dirty Mouth ist der schnellste und poppigste Song auf dem Album und könnte sich zu einem Radio-Hit entwickeln, wenn er genug Airplay bekommt. Ein flotter tanzbarer Indie-Pop-Track mit einem Break, das den Song kurz entschleunigt, bevor es im flotten Tempo weitergeht.

Nach so viel Tempo folgt logischerweise anschließend die Entschleunigung und Lonely Crowd ist da genau der richtige Song zum Relaxen. Ein schön dahinfließendes Lied mit stetigen wunderbaren Gesangsfolgen. Beim unglaublich fragilen Track Lover / Over the Moon ist die Instrumentierung auf die Gitarre und den Synthesizer beschränkt, so dass der Song roh, rau und unfertig wirkt, wodurch er seinen besonderen Charme entwickelt.

Der nächste Track Driveby ist eine schöne kleine Ballade im Kuschel-Pop-Sound, der sich sofort in die Gehörgänge einschmiegt und dort ausdehnt bis man den Song fühlen kann. Auch hier zeigt Alice Phoebe Lou wie sie ihre Stimme zur Erweiterung der Gefühlsskala einzusetzen weiß. Mit leichten Bossa Nova-Anwandlungen beginnt der Track Velvet Moon und bleibt sich dann in seiner ruhigen Gemütlichkeit treu. Ein unkomplizierter und luftiger Kuschelsong für die letzten kalten Tage des sich zurückziehenden Winters.

Zum Finale des Albums kommt der Folk-Rock-Song Lovesick nochmal mit flotteren Klängen daher und man kommt leicht ins Schunkeln, so anheimelig wirkt das nahezu üppige Arrangement. Ein schöner und positiver Abschluss für das durchweg gute Album.

Das ganze Album ist durchdrungen von einem lebensbejahenden aber auch gern traurigem Songwriting, das Alice Phoebe Lou mit ihren gerade mal 27 Jahren fast schon perfektioniert hat. Sie schafft es mit wenigen Mittel die Hörer:innen dauerhaft in den Bann zu ziehen und auf die musikalische Reise zu ihren Herzens-Qualen aber auch zu ihren Liebesabenteuern mitzunehmen. So muss ein gutes Album sein, dass man immer wieder hören möchte.

Wie Alice Phoebe Lou aktuell auf Instagram enthüllte, gehört sie zu einer kleinen Gruppe Künstler*innen, die ausgewählt wurde, an einer Kunstaktion zum Release des neuen Albums McCartney III von Sir Paul McCartney mitzuwirken. Sie teilte eine exklusive erste Performance des Songs Deep Deep Feeling, einem Track von der kommenden Platte. Elf Musiker:innen aus der Welt, handverlesen von Sir Paul, teilen unter #12DaysOfPaul als Erstes eine Coverversion eines seiner bisher unveröffentlichten Werke vom neuen Album. Weitere Künstler*innen, die diese Ehre teilen sind u.a. Blossoms und Vera Blue.

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