Die Dortmunder Location FZW präsentiert sich in dieser Woche konzerttechnisch von ihrer allerbesten Seite. Zwei Tage nach Deafheaven steht mit The Dillinger Escape Plan direkt das nächste Highlight auf dem Programm. Es ist bereits drei Jahre her, dass ich die Band um Frontmann Greg Puciato zum ersten und letzten Mal gesehen habe. Es handelte sich dabei um einen Festivalgig mit erbärmlichem Sound. Um eins schnell vorweg zu nehmen. Die Show im FZW ist um Welten besser.

Doch zunächst muss ich noch eine Sache anmerken: Schande auf mein Haupt! Leider sind die kurzfristig geänderten Anfangszeiten völlig an mir vorbeigegangen und somit verpassen wir The Hirsch Effekt. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Lesern des Artikels entschuldigen, die auf ein paar nette Sätze über die PiN Lieblinge gewartet haben.

Zur zweiten Band Maybeshewill sind wir dann aber im FZW angekommen. Vor der Halle versuchen noch einige Leute ihr Glück, um an eine Karte zu kommen, denn das Konzert ist seit geraumer Zeit ausverkauft. Dementsprechend ist auch der kleine Raum im FZW mehr als gut gefüllt. Die Band aus Leichester ist als Vorband von The Dillinger Escape Plan sicherlich eine Überraschung, da ihr melodischer Post-Rock doch eine völlig anderes Genre bedient. Allerdings lässt sich das Dortmunder Publikum wunderbar auf die Abwechslung ein und lässt sie Band friedlich ihre Arbeit verrichten. Nach dem Intro „Opening“ zeigen Maybeshewill auch mit „Take This to Heart“ direkt, in welche Richtung die heutige Songauswahl verläuft. Es werden vorwiegend die härteren Stücke der Discographie gespielt. Die heftigen Gitarrenparts überwiegen gegenüber den gefühlvollen Klängen des Pianos. Schlecht ist der Auftritt dadurch bei weitem nicht, denn auch Songs wie „Seraphim & Cheburim“ wissen zu gefallen. Darüber hinaus ist der Sound wirklich gut und auch die Lichtshow kann sich im leicht nebeligen Raum sehen lassen. Der einzige kleine Makel ist die doch recht knapp bemessene Spielzeit. Dieser fällt leider auch das atemberaubend schöne „He Films the Clouds Pt. 2“ zum Opfer. Trotzdem weckt der Auftritt Vorfreunden auf eine hoffentlich baldige Solotour mit längerer Spielzeit. Nachdem Maybeshewill mit dem abschließenden Song „Not for Want to Trying“ die Halle ein letztes Mal die Halle zum Beben bringen wird Platz gemacht für den Hauptact.

Die Umbaupause nimmt kaum Zeit in Anspruch und so ist der Raum noch nicht wieder ganz gefüllt als schon das Intro den Auftritt von The Dillinger Escape Plan einläutet. Die Band startet mit dem „Prancer“, dem Opener des neuen Albums „One of Us Is the Killer“ (link), und macht direkt deutlich, wer in Sachen Chaos die Hosen an hat. Für den ungeübten Hörer mag es noch nach Krach klingen, aber was hier geboten wird, ist wirklich ganz großes Tennis. Jedes Riff, jeder Taktwechsel (und davon gibt es einige), einfach alles sitzt. Das ganze geschieht weiterhin bei exzellentem Sound. Der Soundmann hat für heute auf jeden Fall einen Orden verdient. Aber zurück zur Band. Diese reißt nämlich mit Hits wie „Fix Your Face“ oder „Gold Teeth on a Bum“ alles ab. Neben Sänger Puciato, bei dem alle Töne sitzen, ist vor allem Ben Weinman der Aktivposten in der Band. Er ist durchgehend in Bewegung und spielt dabei stehend auf allem, was sich gerade so anbietet: kleine Kisten, mittelgroße Kosten, große Kisten, sehr große Kisten oder auch auf den Händen und Schultern des Publikums. Jenes Publikum ist während der ersten 3-4 Songs erstaunlich ruhig. Kaum jemand geht aus sich heraus. Doch nach und nach bricht das Eis und es entsteht ein kleiner, aber feiner Pit vor der Bühne mit einigen textsicheren Fans. Insgesamt hätte ich bei The Dillinger Escape Plan allerdings mit mehr Publikumsbeteiligung gerechnet. Es bleibt doch alles recht ruhig und gesittet. Der Band kann man an dieser Stelle sicher keinen Vorwurf machen, denn diese gibt wirklich alles. Von der Setlist her liegt das Hauptaugenmerk wenig überraschend auf den Songs des neuen Albums. Diese fügen sich allerdings gut ein und werden ebenfalls mit ordentlichem Applaus gewürdigt. Untermalt wird das treiben auf der Bühne von einer feinen Lichtshow. Außerdem werden über zwei kleine Bildschirme kurze Videos gezeigt. Nach „When I Lost My Bet“ verlässt die Band zum ersten Mal die Bühne. Doch die bärenstarke Zugabe lässt nicht lange auf sich warten, bei der die Band noch einmal ihr ganzes Können unter Beweis stellt. Nach 75 Minuten und dem abschließenden „43% Blunt“ ist endgültig Schluss und ich denke, dass die Show jedem Besucher das Geld wert ist.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass ich die genreübegreifende Zusammenstellung der Tour wirklich gut finde und hoffe, dass so etwas in nächster Zeit häufiger zu sehen gibt. Ich hoffe auf Converge zusammen mit Explosions in the Sky.

Fotos folgen!

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