Keine zwei Wochen sind seit The Rival Mob (Bericht) in Antwerpen vergangen und schon schickt sich mit Steel Nation die nächste amerikanische Hardcore Band an, das europäische Festland zu erobern. Sharp Darts Booking laden in Zusammenarbeit mit 17 Stiches und Filled With Hate Records ein zum ersten FWH Showcase und haben dafür ein großartiges Line Up herangekarrt. Neben den bereits angesprochenen Steel Nation spielen darüber hinaus noch unter anderem Lifeless und Nasty. Für zart besaitete Gemüter ist das Jugendzentrum St. Peter an diesem Freitag eindeutig der falsche Platz.

Los geht es mit Words Of Concrete, die zusammen mit Nasty unterwegs sind. Der heutige Tag ist dabei der Auftakt der Tour, die auch noch die nachfolgenden Sand mit einschließt. Schon zum jetzigen Zeitpunkt ist der Raum voller als bei manch anderen Veranstaltungen in der Vergangenheit während der letzte Band. Über mangelndes Zuschauerinteresse können sich die Veranstalter heute auf jeden Fall nicht beklagen. Die Band spielt ohne Bassisten, was aber nicht weiter stört, da die Gitarren so tief gestimmt sind, dass sie fast als Bass durchgehen können. Auf dem Programm steht Beatdown, der mich wirklich überhaupt nicht vom Hocker haut. Gefühlt 80 Prozent jedes Songs bestehen aus Breakdowns. Was andere im Raum feiern als gäbe es kein Morgen mehr, finde ich nur langweilig. Vor der Bühne ist einiges los und die Band kann sich über einen guten Tourauftakt freuen. Zum Abschluss möchte ich noch liebe Grüße und gute Besserung an den jungen Herren senden, der so einen unfassbar fiesen Tritt in die Weichteile bekommen hat, dass er jetzt wahrscheinlich zwei Oktaven höher singen kann.

Die nächste Band sind die bereits angesprochenen Sand aus Japan, die ebenfalls zum ersten Mal in Europa unterwegs sind. Bevor ich auf die Musik eingehe möchte ich noch eine Sache zur Band sagen. Es ist eine unglaublich höfliche und sympathische Truppe, die sich während des gesamten Gigs immer wieder überschwänglich bedankt. Es ist den Herren anzumerken, wie gerührt sie von der Tatsache sind, dass ihre Musik auf einem anderen Kontinent Anklang findet. Und das vollkommen zu Recht. Der Hardcore bietet mit seinen diversen Soli eine gute Abwechslung. Die Band ist dem Metal auf jeden Fall nicht abgeneigt. Daraus folgt ein Sound, der zum Moshen einlädt und weiter für Bewegung im Publikum sorgt. Da ich generell immer ein Freund von Hardcore mit einer guten Portion Metaleinfluss bin, kann die Band mich genauso überzeugen wie viele weitere Besucher.

Mit Fallbrawl betritt nun ein weiterer Toursupport die Bühne, denn die Jungs sind mit Lifeless unterwegs. Heute ist außerdem ein ganz besonderer Tag, denn der Auftritt in Duisburg ist gleichzeitig die Record Release Show des neuen Albums „Brotherhood“. Dementsprechend finden auch viele neue Songs den Weg in die Setlist, beispielsweise „On Fire“. Die alten Songs kommen aber meiner Meinung nach noch ein Stückchen besser beim Publikum an, was sich aber mit der Zeit ändern wird. Ihr Beatdown zieht eine Menge Fans vor die Bühne für diverse Singalongs. Überhaupt bin ich positiv überrascht vom Auftritt der Band. So wie heute hat mich die Band schon seit langer Zeit nicht mehr überzeugt. Weiter so.

Dort wo Fallbrawl gerade aufgehört haben machen Nasty ohne viel Federlesen weiter. Der Raum ist nun brechend voll und die Band kann auf jeden Fall von sich behaupten, vor der größten Zuschauermenge des Abends gespielt zu haben. Und sie meistern es mit einer Routine, die schon fast beängstigend ist. Trotz Ersatzbassist ist es das beste Nasty Set, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Ab dem Opener „Fire on the People“ frisst das Publikum Sänger Matthi aus der Hand. Im Pit ist die Hölle los und das Publikum zeigt sich durchweg textsicher. Neben den Songs des neuen Albums werden natürlich auch alte Klassiker eingestreut, die mir immer noch deutlich besser gefallen. Vor allem „Chaos“ macht seinem Namen alle Ehre und animiert wohl die größte Menschenmenge des Tages, sich in irgendeiner Form zu bewegen. Insgesamt kann ich nach dem letzten Song „Just Kind“ nur sagen: Scheiße, war das ein guter Auftritt.

Die beiden letzten Bands tauschen anschließend ihre Slots, sodass nun schon Steel Nation in den Startlöchern stehen. Leider verlässt während der Umbaupause ein Teil der Besucher das Konzert. Eine sehr schlechte Entscheidung. Steel Nation spielen modernen Hardcore, genau die Art, die ich sehr schätze. Straight nach vorne ohne viel Schnickschnack. So sollte es sein. Die Jungs sind auf jeden Fall gut drauf und merken an, dass es für sie heute auch eine Ehre ist hier zu spielen. Selbst ein kurzer Stromausfall, der allerdings nur die Beleuchtung betrifft, bringt sie nicht aus dem Konzept. Das Publikum, dessen Altersschnitt sich im Gegensatz zu Nasty merklich erhöht hat, können die vier Herren von Anfang an für sich gewinnen, obwohl es der Beteiligung leider nicht an ihre Vorgänger heranreicht. Trotzdem ist es ein gelungener erster Auftritt in Europa.

Zu guter Letzt betreten Lifeless die Bühne, die mittlerweile zum dritten Mal in Europa gastieren. Der folgende Auftritt passt sich ganz ihrem Albumtitel „No Love for the World“ an, denn Liebe kann hier wirklich niemand erwarten. Die Musik ist so unglaublich böse, dass wahrscheinlich sogar Mutter Theresa und Nelson Mandela ihrem Nachbarn eins überziehen würden. Neben älteren Stücken werden die Songs der neuen EP natürlich nicht außer Achte gelassen, wobei diese von der Stimmung her doch etwas abfallen. Doch das lassen die alten Hits wie „Cursed“ und „Unstoppable“ schnell wieder vergessen. Die Band ist live wirklich eine Macht und verbreitet eine Energie sondergleichen. Leider reicht der Auftritt meiner Meinung nach trotzdem nicht ganz an den letztjährigen im Essener Julius-Leber-Haus heran. Daran ändern auch das Intro des Albums und „Born Dead“ nichts mehr, mit denen Lifeless einen starken Abschluss für ihr Set liefern. Hoffentlich sind sie im nächsten Jahr wieder hier.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.