Wieder einmal beglückt uns Fink aka Fin Greenall mit einem Auftritt in Köln. Dieses Mal sogar vor restlos ausverkauftem Haus. Sein aktuelles Album „Hard Believer“ konnte schon kurz nach Veröffentlichung eine recht gute Chart-Platzierung (Platz 25) in Deutschland vorweisen und offenbar wollten viele Menschen dieses Ereignis nicht verpassen. Als ich um kurz nach 19:00 Uhr in das schon gut gefüllte Gloria kam und der Charme, dieses in rot gehaltenen ehemaligen Porno-Kinos, auf mich wirkte, ahnte ich irgendwie schon, dass das eventuell eine großartige Veranstaltung werden könnte.

Pünktlich um 19:30 Uhr begann Douglas Dare, dessen aktuelles Album „Whelm“ ich nur jedem empfehlen kann, sein Set. Douglas Dare saß an der Bühnenkante an seinem E-Piano und wurde von einem Schlagzeuger unterstützt. Douglas, ein schmächtiger Jüngling mit Brille, spielte die ersten Akkorde voller Gefühl bevor kurze Zeit später sein hoher, wunderschöner Gesang für Gänsehaut sorgte. Der Schlagzeuger, der neben klassischem Schlagwerk noch allerhand Elektro Drum Pads vor sich hatte, spielte absolut verschachtelte Beats mit einem unglaublichen Körpereinsatz. Seine Zuckungen sorgten bei vielen Anwesenden für staunende Gesichter, seine Präzision für bewundernde Blicke. Douglas Dare spielte einen etwa halbstündigen Querschnitt aus seinem aktuellen Album und früheren EP`s. Sein sehnsuchtsvoller, leidenschaftlich-melancholischer Gesang sorgte bei vielen für Gänsehaut. Nach seinem Set verkaufte er persönlich seine Musik am Merch-Table. Und der Andrang war recht groß.

Copyright: Karoline Platek

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Nach kurzer Umbaupause begannen Fink um 20:30 Uhr ihren Auftritt. Fink, bestehend aus Fin Greenall, Drummer Tim Thornton und Bassist Guy Whittaker, der übrigens der Sohn von Roger Whittaker ist, wurden auf der Bühne von einem E-Gitarristen und einem E-Piano Spieler unterstützt. Das wirklich subtile Lichtkonzept, bestehend aus vielen kleinen runden Scheinwerfern die auf einem Gitter angebracht waren, welches im Halbkreis aufgestellt war, schaffte eine Atmosphäre die einfach perfekt passte. Nur weisses Licht, keine Farbspielereien oder „Wackellampen“, schafften einen optischen Rahmen für das akustische Feuerwerk. Fink eröffneten mit „Pilgrim“ vom aktuellen Album und begeisterten die Anwesenden mit glasklarem Sound und Fin`s unnachahmlicher rauer Stimme. Der Bass drückte aber dennoch hatte man das Gefühl, dass das alles auch etwas lauter sein könnte. Der sehr dynamische Song wurden dann auch laut, aber nicht zu laut. Nach dem ersten Song rief eine Frau von hinten „Lauter“ und ich kann mir auch denken wieso: Während des gesamten Konzertes, auch schon beim ergreifenden Set von Douglas Dare, war im hinteren Teil des Gloria eine große Anzahl an Zuschauern die sich lautstark unterhielten. Ich meine, wer bitteschön zahlt fast 30 Euro für eine Karte um dann, während der Künstler sein Bestes gibt, respektlos und störend, seine Erlebnisse/Probleme mit seinen Freunden auszutauschen?? Das war wirklich unerfreulich und absolut unnötig.

Copyright: Karoline Platek

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Zurück zu Fink: Die Band spielte die besten Songs von „Hard Believer“, dem Vorgänger „Perfect Darkness“ und dem Titelsong vom Album „Sort Of Revolution“ mit einer solchen Hingabe, dass einem ganz warm ums Herz wurde. „Perfect Darkness“ wurde in einer wunderschönen Version gespielt, in der vor allem der Gitarrist im Hintergrund mit neuen Melodiebögen diesem Klassiker ein vollkommen neues Gesicht gab. Fin`s Stimme wirkte noch mächtiger als auf den Studio Aufnahmen. Die Tour Neuzugänge an E-Gitarre und Piano sorgten für eine Bereicherung im eigentlich recht spartanischen Klangbild. Mit anderen Worten, das hier war schon fast Rock und nicht Akustik Pop. Die Band beendete nach etwas mehr als einer Stunde ihr 11 Songs umfassendes Set mit „Berlin Sunrise“. Dieser Song dürfte bei vielen als „der Hit“ von Fink angesehen werden und bildete einen würdigen Abschluss eines denkwürdigen Abends. Die Masse war begeistert und schaffte es, die Band noch für zwei Zugaben auf die Bühne zu holen. Danach war dann wirklich Schluss, die Band sichtlich erschöpft (aber glücklich), und ich machte mich auf den Weg in die Kölner Nacht. Ein gelungener Abend der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Um musikalisch Druck und Energie zu erzeugen, braucht man wirklich keine übermäßige Lautstärke, nein, man benötigt Dynamik. Das haben Fink eindrucksvoll bewiesen. Danke dafür.


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