TOUR: Deafheaven im Herbst zu Gast im Junkyard, Dortmund

TOUR: Deafheaven im Herbst zu Gast im Junkyard, Dortmund

Deafheaven kommen im Herbst nach Europa und werden im Junkyard Dortmund zu Gast sein.

Entweder du liebst sie, oder du hasst sie! Keiner anderen Band ist es in den letzten 10 Jahren derart gelungen, in Hinblick auf ihre Musik, so sehr zu polarisieren wie Deafheaven, die mit jedem Nachfolgealbum schaffen, genau das umzusetzen, womit die wenigstens rechneten.

Für die reine Black-Metal Szene zu verwaschen, mit Ambient- und Shoegazer-Passagen aufgetankt, bedeuteten die immer wieder eingestreuten, rasend schnellen Blastbeats, eher ein Hindernis für die Harmonie und Feedback verwöhnte Shoegaze-Szene. In einem harschen Wechselbad der Gefühle wähnten sich nicht wenige Besucher:innen des Russian Circles-Konzertes am 09.04.2012 im Festsaal Kreuzberg, bevor dieser unter ungeklärten Umständen in der Nacht zum 23.07.2012 einem Großbrand zum Opfer fiel und 300 Feuerwehrleute, mehrere Stunden gegen das Feuer ankämpfend, leider nicht verhindern konnten, dass Konzerterinnerungen der letzten 9 Jahre, Equipment, Einrichtung und sonstige Inneneinrichtung zu Asche pulverisiert wurden. Glücklicherweise kamen bei diesem Höllenfeuer keine Menschen zu Schaden und da sich innerhalb der Räumlichkeiten bis zu 800 Grad Hitze entwickelten, die auf unzureichende Dachbelüftungen wie Fenster zurückzuführen waren, konnten die in 70 Mann starken Teams auftretende Feuerwehr, nur maximal 15 Minuten am Stück, den Kampf gegen die Flammen aufnehmen.

Auch wenn die Support Acts des Abends Årabrot aus Schweden und Mose Giganticus, Pennsylvania, durchaus Gegensätzen oder disharmonischen Klängen nicht abgeneigt sind, sollten die von Sänger George Clarke und Gitarrist Kerry McCoy in San Francisco 2010 gegründeten Deafheaven ohne mit der Wimper zu zucken beide im Handumdrehen mit nicht aufzuhaltenden Schlagzeug-Attacken überholen. Der Bandname ist nichts anderes als die Kombination von zwei scheinbar nicht zueinander passenden Wörtern, wie sie sich, ihre großen, britischen Vorbilder Slowdive, gegründet 1989, zu Nutzen machten.

Noch nie etwas von dieser Band gehört, begab ich mich auf die Galerie, da von oben ein guter Blick über das Innenleben des Festsaals geboten wurde, ohne das Kompromisse in Bezug auf guten Sound zum Zuge kommen würden.

Minutenlange instrumentale, mehrstimmige Gitarrenwände schichteten sich ineinander, bis unverhofft, beziehungsweise ansteigend, jeglicher Hall in rasend schnelle Knüppelparts mündete, die von Georges keifendem Schreigesang begleitend wurden. Es spielte keine Rolle, ob die fünf Musiker mit einem einlullendem Part, oder gleich zu Beginn wohl bedacht alles auf eine Karte setzten möchten, diese Kombination aus dichten, schwelgerischen Versatzstücken, die im Wechselgefüge zu den hammerharten Drumfills standen und von ihrem Gift und Galle spuckendem Sänger vorwärts gepeitscht wurden, wurde das Publikum mehr als überrannt. Das dieser Zustand, mit offenem Mund, die Kinnlade nach unten kippend, positiver Natur entsprang, kann ich nur für mich sprechend, bejahen.

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Sunbather markierte 2013 unbestritten ihren nicht mehr zu toppenden Klassiker, stieg in den Billlboard-Charts auf Platz 130 ein und die Band spielte mittlerweile in einem konstanten Bandgefüge, mit dem auch 2015 der Nachfolger New Bermuda, deutlich metallischer klingend, geschrieben worden war. Obwohl New Bermuda sogar auf Platz 63 schoss, war allgemein klar, dass die ausufernde Klasse von Sunbather schwer zu toppen war, aber lieber würden sie sich weiterentwickeln anstatt in das Fettnäpfchen der Wiederholung zu treten.

Das darauf enthaltene Dream House steht stellvertretend für eine ungeahnte eingängige, flächige Komponente und viele Hörer:innen würden ihn als ihren favourite Song auf Sunbather bezeichnen.

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Während Ordinary Corrupt Human Love 2018, erstmals im Gegensatz zu Roads To Judah und Sunbather in den deutschen Albumcharts eine Fußnote mit dem 23. Platz gelingen würde, vergab man die Stelle des Bassisten neu und Chris Johnson löste somit Stephen Lee Clark ab.

Oft wurden Deafheaven mit dem Titel Hipster-Black-Metal „geschmückt“, aber von Neidern abgesehen trat die Band definitiv eine Welle neuerer Bands vom Stapel, was nun mehr als Standard von Kritiker:innen unter der Etikette Blackgaze, die Verbindung von Black-Metal und eben Shoegazer firmiert.

10 Jahre sind vergangen, 4 unterschiedlich klingende Alben aufgenommen und der Erfolg sollte, wenn nicht gerade eine Pandemie die Welt im Griff hat, ständig auf Tour, ihnen recht geben, das sie einiges richtig gemacht haben und einfach die Weichen zur richtigen Zeit umgestellt haben. Und da Stagnation nun eben nicht im Wortschatz von Deafheaven vorkommt, veröffentlichte die Band am 20.08.2021 nun, mit viel Phantasie ausgedrückt das Post-Punk-Album innerhalb ihrer Diskografie.

Infinite Granite schlägt eine sehr ruhig und subtil, noch tiefer im Shoegaze-Pop watende Richtung ein, gewinnt über die gesamte Spielzeit immer neuen Facetten hinzu und wurde nach dem Weggang von Anti/Epitaph Records zurück zu Sargent House Records, dort veröffentlicht wo 2011 und 2013 ihren beiden wohl besten Platten herauskamen. Fast vollkommen verschwunden sind sie, die infernalischen Schreigesänge, an deren Stelle richtig gut melodischer Gesang tritt. Auch der Gesamtsound scheint kompakter, ausgefüllter, mit allerlei knuffigen Klängen und Texturen, die durch den Breitwandsound, auch bei Gitarrist Shiv Mehra viel mehr Details zulassen. Sei es ein nach vorne gehender Stagediver wie The Gnashing, ein extrem treibendes In Blur, das fluffige Lament For Wasps, hier stimmt einfach alles und sie steht ihnen gut, diese neue Gesichtshälfte.

Bei Other Language und dem epischen, akustisch eingeleiteten Abschluss-Track Mombassa darf dann George wieder mehr aus sich herausgehen, richtig herum schreien und Schlagzeuger Daniel Tracy honoriert seine Ausbrüche mit präzis, schön, waghalsigen Schlagzeug Beats.

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Auch wenn einige alte Fans verschreckt werden sollten, gewinnen Deafheaven wer weiß, doppelt so viele neu dazu und wer weiß was sie sich für das nächste Album einfallen lassen.

Nachdem im Sommer die Band einige exklusive Festival-Auftritte hinter sich bringt, wird die Band im Herbst auf einer ausgedehnten Tour Infinite Granite promoten und dabei auch im Dortmunder Junkyard zu Gast sein.

Wir präsentieren zusammen mit Odyssey Booking, Evilgreed.net und Transcended Music Blog die Show in Dortmund. Als Special Guest werden euch Slow Crush ordentlich einheizen. Der Vorverkauf hat bereits begonnen und Tickets für die Show in Dortmund bekommt ihr hier bei Shogun.

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Titelbild: Deafheaven | (c) Robin Laananen

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Von Veröffentlicht am: 21.04.2022Zuletzt bearbeitet: 21.04.20221012 WörterLesedauer 5,1 MinAnsichten: 539Kategorien: EventsSchlagwörter: , , , 0 Kommentare on TOUR: Deafheaven im Herbst zu Gast im Junkyard, Dortmund
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Über den Autor: Nico Pfueller

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