Conduit heißt das erste neue Lied von Russian Circles seit drei Jahren und macht den Weg frei für ihr achtes Album.

Fast auf den Tag genau vor zwanzig Jahren spielte Brian Cooks alte Band Botch in der The Showbox, Seattle vor ausverkauftem Haus, sehr zu Bedauern ihrer großen Fangemeinde, ein letztes Konzert welches bei Bedarf, von DVD abgespielt, nostalgische Gefühle auslösen kann. Brian wurde indes nicht langweilig und legte alle Konzentration auf seinen Posten an der Bassgitarre der 2002 aus der Taufe gehobenen These Arms Are Snakes, die sich aus Ex-Mitgliedern verschiedener DIY-Formationen zusammenfanden.

Zwei Jahre darauf gründete Gitarrist Mike Sullivan zusammen mit Dave Turncrantz, Schlagzeug und Colin DeKuiper in Chicago die Instrumental-Band Russian Circles, Schneller als der Wind, bereits nach einer kurzen Tour mit Chin Up, Chin Up und Minus The Bear, die den ehemaligen Botch-Gitarristen Dave Knudson in ihren Reihen wussten, schmiss Colin seine Basssaiten ins Korn und Brian trat 2007 an seine Position. Mit dem vertrackt, durch Chaos und Dissonanzen sehr technisch angelegten Math-Rock-Core-Brechern lassen sich Russian Circles nicht recht in Berührung bringen, These Arms Are Snakes schlagen um Meilen melodischer zu Buche aber sorgt einzig das verrückte, scheinbar ohne Rücksicht auf Hörgewohnheiten agierende “Schlangengift”, immerhin dafür, dass Unkontrollierte in ihre Musik gebannt wird.

So etwas wie ein “Spiel mit doppeltem Boden” durften dann alle Besucher:innen der ersten Europa-Shows in ihrem Gedächtnis abspeichern. Wie ich selbst miterleben durfte, zockten Russian Circles mit These Arms Are Snakes im Leipziger Zoro und in dem fast bis zum Hitzeschlag aufgeheizten Club bekamen wir eine in allen Belangen aufeinander eingespielte und aufspielende Band zu sehen und Hören, bevor Sänger Steve Snere mit seinen Snakes den Saal in eine durchgeknallte Tanzparty verwandelte. Rumstehen Fehlanzeige und auch ohne draufgängerische Tanzschritte waren alle am Ende des Konzerts pudelnass geschwitzt und Steve mit seiner sich verbiegenden Schlangenakrobatik bestand schon fast nur noch aus heruntertropfenden Schweißperlen.

All das ereignete sich vor rund fünfzehn Jahren, die Circles tourten seitdem rund um den Erdball und veröffentlichten sieben Alben. 2013 kollaborierten sie mit Chelsea Wolfe um den einzig von ihnen existierenden Song zu schreiben, der mit Gesang das Album Memorial ausklingen lässt und spielten Anfang 2020 eine famose Audiotree Far Out Session in einem wunderschönen Landsitz ein.

Bereits Label-Kollegin Emma Ruth Rundle bat schon in einem Schloss zur Audienz, deren Live-Sound so manches Konzert klangtechnisch in den Schatten stellt und ihr Label Sargent House Records setzte heuten allen eine News vor, die sich gewaschen hat.

Russian Circles werden am 19.08.2022 ihr achtes Album Gnosis, das von Kurt Ballou, Converge aufgenommen und abgemischt wurde natürlich unter der Schirmherrschaft von Cathy Pellow, die 2006 das Label gründete, veröffentlichen.

Um die eh schon kurze Wartezeit noch etwas mehr zu verkürzen, gab es die erste Single Conduit kostenlos, quasi mit obendrauf und die drei klangen selten so bissig, metallisch und direkt wie hier.

Mehr gibt es dazu an dieser Stelle jetzt nicht zu verlautbaren, außer dass damit nicht nur meine Neugier geweckt sein sollte und die vorgestern bestätigten Konzerte als Support von Cult Of Luna, die hoffentlich im März 2023, für den zweiten Teil ihrer verschobenen Europa-Tour stattfinden werden ein weiteres Ausrufezeichen in unserem Wandkalender verdient hätten.

Titelbild: Russian Circles | (c) Russian Circles

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